Mitten ins Gesicht – Kluun

imageVerlag: Fischer

Angefangen: 31.01.2011

Ausgelesen: 01.02.2011

Gelesene Seiten: 366

Bewertung: 5sterne !!!

Klappentext:

Ein Mann der leben will. Eine Frau, die sterben wird.

Stijn und Carmen sind jung, schön, gesund und leben aus dem Vollen. Bis Carmen schwer krank wird. Stijn tut alles, um ihr beizustehen, doch er fühlt sich völlig überfordert. Obsessiv stürzt er sich in Affären, um die Scheißangst zu betäuben. Aber er weiß, dass ihm nur eins bleibt: Der Realität mitten ins Gesicht zu sehen – für Carmen.

Rezension:

Als der Arzt Stijn und Carmen die Diagnose mitteilt, trifft es sie wie ein Faustschlag in den Magen. Brustkrebs. Schwerer Verlauf, wenig Heilungschancen. Aber nach dem ersten Schlag gehen sie die Behandlung an, kämpfen. Als nach vielen Chemotherapien, Bestrahlungen und Operationen dann Metastasen gefunden werden steht fest, dass es für Carmen nur noch um eine Lebensverlängerung geht. Heilung ausgeschlossen.

Für Carmen, Stijn und ihre kleine Tochter Luna stürzt der Himmel ein.

Stijn stürzt sich von einer Affäre in die nächste, nur um den Schmerz nicht fühlen zu müssen. Aber je näher der Zeitpunkt des Abschieds rückt, desto stärker wachsen sie zusammen und desto mehr stellt sich Stijn dem Schmerz, der Angst und der Wut. Und dann kommt der Tag, an dem Carmen bereit ist zu gehen.

Dieses Buch hat mich fertig gemacht. Fertig – fix und fertig! Unglaublich ehrlich und authentisch schreibt Kluun über den Abschied von seiner geliebten Frau, die mit nur 36 Jahren ihn und die gemeinsame Tochter verlassen musste.

Ganz offen und schonungslos schreibt er über ihre gemeinsame letzte Zeit, seine Angst, seine Wut, seine höchst eigenwillige Verdrängungsmaßnahmen und seinen Schmerz.

Ich war beim Lesen dieses Buches abwechselnd Partner, Betroffene und Mutter. Fühlte die Verzweiflung, die eine Mutter fühlt, wenn sie daran denkt, jemals ihr Kind zu verlieren, die Ohnmacht eines Partners, der nicht in der Lage ist seiner Geliebten zu helfen und die Verzweiflung einer Frau, die weiß, dass sie ihr Kind niemals aufwachsen sehen wird.

Ich war abwechselnd wütend und voller Mitgefühl, wenn Stijn sich wieder in Affären stürzte, litt mit Carmen, die um diese Affären wusste und versuchte zwischendurch immer wieder, eine Mauer um mich zu errichten, um all den Schmerz nicht mehr so nah an mich heranzulassen. Aber irgendwann im Laufe des Buches wurde mir klar, dass ich den Schmerz nicht aussperren kann, denn er ist in mir. Der Schmerz vieler trauriger Erfahrungen, vieler Verluste, die es mir letzten Endes möglich machten, so intensiv mit Stijn und Carmen zu fühlen.

Ein Buch über Verzeihen, Vertrauen, Verlust und Abschied. Aber in erster Linie ein Buch über die Liebe.

Kluun trifft einen nicht nur mitten ins Gesicht – er trifft einen auch mitten ins Herz!

Zitate:

Jemanden voller Hingabe zu trösten ist gleichbedeutend mit die Hosen herunterlassen. Du zeigst dich von der intimsten Seite. (Seite 64)

Es sollte ein Gesetz verabschiedet werden, dass Mütter ihre Kinder nicht leiden sehen dürfen. (Seite 303)

Es ist, als hätte ich dich immer geliebt, schon bevor ich dir begegnet bin… (Seite 312)

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