Ich dich auch nicht – Sacha Sperling

Vielen Dank an ref_piper_logo für dieses Rezensionsexemplar :)

Bekommen: 25.02.2011

Angefangen: 22.03.2011

Ausgelesen: 23.03.2011

Gelesene Seiten: 224

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

Sacha Winter ist 14. Seine Mutter, eine Ex-68erin, verwöhnt ihn mehr, als dass sie ihn erzieht. Der Vater gibt sich bei seinen seltenen Auftritten erfolglos autoritär. Sacha gehört zu der coolen Clique in seiner Pariser Reiche-Leute-Schule, aber eigentlich langweilt ihn das alles. Da lernt er den charismatischen Augustin kennen. Mit ihm geht er Wodka klauen, raucht, snifft, beginnt Mädchen »flachzulegen«. Aber es ist Augustin, in den er sich verliebt …
Sperling erzählt mit subtiler Beobachtungsgabe und in einem geradezu filmischen Stil die immer wieder neue Geschichte vom Erwachsenwerden. Der besondere Ton dieses Romans – desillusioniert, luzide, beißend – zeugt von ganz ungewöhnlichem literarischen Talent.

Rezension:

Dieser Roman ist anders. Würde ich ihn in einem Wort beschreiben müssen, fiele mir spontan “kaputt” ein. Man ist gefesselt und weiß nicht genau warum. Man liest immer weiter – und fragt sich, warum?!

Es ist schwer in Worte zu fassen, was dieses Buch ausmacht. Vollkommene Schonungslosigkeit vielleicht?!

Drogen, Sex, Gewalt – nichts lässt Sacha aus auf seiner Suche nach sich selbst und dem Sinn, der hinter allem stehen muss und entfernt sich doch immer nur noch weiter von dem einzig wahren Kern. Er kann, wie viele Menschen, nicht erkennen, wonach er wirklich sucht und entfernt sich so immer weiter von seinem Ziel.

Ungeschminkt erzählt Sacha Sperling die Geschichte einer Generation, die man viel zu früh zwingt in das harte, eiskalte Gesicht der Welt zu blicken und die nicht verarbeiten kann, was sie sieht. Eltern, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind um noch zu sehen, was ihre Kinder brauchen und sie viel zu früh in die Selbstbestimmung entlassen. Kinder, die auf der Suche nach Liebe und Anerkennung zu viele falsche Wege einschlagen. Eine alles überschattende Leere, die gefüllt werden will.

Dieses Buch ist eine Geschichte über die Suche nach dem Sinn des Lebens, bei der sich die Protagonisten in der Sinnlosigkeit verlieren. Eine Momentaufnahme des Erwachsenwerdens.

Erwachsenwerden beginnt mit der Erkenntnis, der eigenen Sterblichkeit. Der Moment, in dem dir bewusst wird, dass nichts ohne Ende ist. Nichts! Auch du nicht. Der Moment, der dir den Boden unter den Füßen wegreißt und dich zwingt, dem Leben mitten ins Gesicht zu sehen. Deinem Leben!

Zitate:

Eines Tages wird sie nicht mehr da sein. Ob man die Stimme seiner Mutter vergisst? Ihren Geruch? Mir kommt es so vor, als würden die Toten in den Köpfen der Lebenden nur einen Schatten zurücklassen. Meine Mutter wird nie ein Schatten sein. Ich werde vor meinem Tod nicht so viel Angst haben wie vor ihrem. (Seite 23)

Ich will ein teil von ihm werden, so nützlich wie eine Hand, so lebenswichtig wie ein Herz. Er ist der Einzige, der mich mitnehmen kann zu dem Punkt, wo alles verschwindet. Mit ihm verschwinden. (Seite 123)

Du sagst, das Leben ist ein Spiel, aber du willst nicht verlieren. (Seite 129)

Liebe ist das Bedürfnis nach Anerkennung, Traurigkeit das Fehlen eines absehbaren Vorhabens, Wut eine Verteidigung gegen sich selbst. (Seite 199)

Erwachsenwerden heißt einsehen, dass Fliehen unmöglich ist, dass die Geschichten kurz und bedeutungslos sein, aber aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, Spuren hinterlassen. Erwachsenwerden heißt einsehen,. dass es kein Anderswo gibt. Erwachsenwerden heißt einsehen, dass man sterben wird, oder nicht? (Seite 211)

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