Endzeit – Liz Jensen

Vielen Dank an    für dieses Rezensionsexemplar :)

Bekommen: April 2011

Angefangen: 16.05.2011

Ausgelesen: 22.05.2011

Gelesene Seiten: 400

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

In der Hitze eines gnadenlosen Sommers versucht die Psychotherapeutin Gabrielle, nach einem Autounfall wieder in ihrem Beruf Fuß zu fassen. Aber dann weist man ihr ausgerechnet die 16-jährige Bethany als Patientin zu. Bethany hat auf grausame Weise ihre Mutter umgebracht. Sie ist gewalttätig, manipulativ – und sie behauptet, sie könne Katastrophen vorhersehen. Gabrielle tut das als Symptom von Bethanys psychischer Erkrankung ab. Doch dann treten genau die Unglücksfälle ein, die Bethany prophezeit hat. Ist es möglich, dass tatsächlich die Apokalypse bevorsteht, eine letzte Katastrophe, die eine vom Konsumwahn verblendete Menschheit endgültig in den Abgrund stürzen wird?

Rezension:

Gabrielle, selbst schwer traumatisiert, versucht nach ihrem Unfall wieder in ihren Beruf als Therapeutin einzusteigen. In einer Einrichtung für schwerst gestörte Jungendliche ist sie unter anderem für Bethany zuständig, die in einem wahren Blutrausch ihre Mutter getötet hat. Als das Mädchen zu behaupten beginnt, Katastrophen vorhersehen zu können, glaubt ihr zunächst niemand. Auch als Gabrielle erkennt, dass ihre Vorhersagen eintreffen wird sie von ihrem Vorgesetzten als Opfer einer manipulativen, gestörten Jugendlichen abgetan. Als Bethany eine Katastrophe von apokalyptischen Ausmaßen vorhersagt, sucht Gabrielle Hilfe bei dem Physiker Frazer Melville. Mit seiner Unterstützung versucht sie einen Weg zu finden die Menschheit von der Richtigkeit der Vorhersagen zu überzeugen. Kann das Undenkbare noch verhindert werden? Und was steckt hinter dem Kind Bethany und dem scheinbar kaltblütigen Mord an ihrer Mutter?

Es gibt wenige Bücher, die mich wirklich noch überraschen können. Dieses ist eines davon. Liz Jensen hat es geschafft einen dystopischen Umweltthriller zu schreiben, der spannender und gleichzeitig literarisch ausgereifter kaum hätte sein können. Psychologische Spannungselemente sind so wunderbar mit einem wirklich virtuosen Gebrauch von Sprache gepaart, dass jeder Satz und jede Seite von einer unglaublichen Lust an Worten und Sprache zeugt.

Die Figuren sind von einer Tiefe, die man kaum glaubt auf gerade mal 400 Seiten unterbringen zu können und verkaufen einem quasi nebenbei eine hervorragende Gesellschaftsanalyse, die einen erschüttert und anrührt und auch über die Lektüre hinaus noch sehr nachdenklich stimmt.

Reale und spekulative Wissenschaftselemente sind perfekt verknüpft und lassen einen mit der Frage zurück, wie viel Realität wirklich dahinter steckt.

Ein aufrüttelnder Roman über eine Gesellschaft, die wissenschaftlich und wirtschaftlich so weit gediehen ist, dass ein Einzelner in seinem Wahn und seiner Gier der Untergang aller sein kann. Eine Dystopie oder schon heute Realität?

Zitate:

Es ist tröstlich und faszinierend, was Kunst vermag. Betrachtet man ein konserviertes Gehirn, sieht man nur eine kittgraue Masse, klumpig und nackt wie ein ungeschütztes Weichtier. Drinnen aber ist Raum für tausend Welten, von denen keine auch nur entfernt zu einer anderen passen muss. (Seite 24)

Man kann nicht wissen, was in anderen vorgeht, so wie man die Welt nicht zwingen kann, so zu sein, wie man sie gerne hätte. (Seite 194)

Ich habe gelernt, dass der Plan, den man sich für ein psychologisches Überleben zurechtlegt, nicht unbedingt die Zustimmung anderer findet. Dass die persönliche Vorstellung von Gerechtigkeit ein künstliches Konstrukt ist, überflüssig und nebensächlich in einer Welt, die aus Zellen, Mineralien, Wind, Meer, Flammen und Synapsen besteht. Dass das Ausmaß einer Niederlage immer im Verhältnis zu der Größe des Egos steht, das dabei leidet, und dass Wissen immer einen Preis hat. (Seite 203)

Die Stille ihres geknebelten, nicht herausgeschrienen Schmerzes umfließt uns, flüchtig wie der gekräuselte Abdruck, den der Wind im Wasser hinterlässt. (Seite 214)

“Ein niedriges Selbstwertgefühl kann furchtbaren Schaden anrichten”, sage ich abschließend. “Ich hätte nie geglaubt, dass ausgerechnet du darunter leidest”, sagt er traurig. (Seite 315)

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