Verdammt starke Liebe: Die wahre Geschichte von Stefan K. und Willi G – Lutz van Dijk

verdammtstarkeliebe Vielen Dank an cbt-verlag für dieses Rezensionsexemplar :)

Bekommen: 28.04.2011

Angefangen: 13.05.2011

Ausgelesen: 13.05.2011

Gelesene Seiten: 192

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 8883

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Polen, 1940. Für den 16-jährigen Stefan und den deutschen Soldaten Willi ist es Liebe auf den ersten Blick – für die Nationalsozialisten ein zweifach todeswürdiges Verbrechen. Nach wenigen Wochen heimlichen Glücks wird Willi nach Russland versetzt. Als Stefan die Einsamkeit nicht mehr erträgt, schreibt er einen verhängnisvollen Liebesbrief an die Ostfront …

Eine Leseprobe findet ihr auf der Verlagsseite.

Rezension:

Stefan ist 15 Jahre alt als er sich zum ersten Mal Hals über Kopf verliebt. Einige Monate lang ist er glücklich zusammen mit Willi, der ebenso sehr in ihn verliebt ist. Ihr gemeinsames Glück währt allerdings nur so lange, bis Willi an die Ostfront versetzt wird. Denn es ist 1940 und die Nazis haben Polen besetzt.

Wochenlang hört Stefan kein Wort von Willi und als er die Sehnsucht und die Ungewissheit nicht mehr aushält, schreibt er Willi einen Brief. Einen Brief, der Willi vermutlich nie erreicht hat sondern ihm und Stefan zum Verhängnis werden soll.

Stefan wird verhaftet und gefoltert, überlebt Gefangenschaft und Konzentrationslager nur sehr knapp; was aus Willi wurde, soll er Zeit seines Lebens nicht erfahren.

Ergänzt wird die Neuauflage des 1992 zuerst aufgelegten Werkes durch eine Zeittafel zur Geschichte der Homosexuellenverfolgung sowie ein Nachwort des Autors.

Ich habe dieses Buch in einer Nacht, in nur wenigen Stunden, durchgelesen. Lutz von Dijk hat ein Stück der Lebensgeschichte von Stefan K. so unglaublich nah und mit einer ebenso fesselnden wie eindringlichen Art geschildert, dass es mir – obwohl ich es stellenweise gern getan hätte – einfach nicht möglich war, zu vergessen, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.

Besonders beeindruckend fand ich Stefans Umgang mit der Erkenntnis, ganz offensichtlich schwul zu sein in einer Zeit, in der es noch wirklich gefährlich war, dazu zu stehen. Vermutlich kann sich niemand hier in Deutschland heute noch ernsthaft vorstellen, was es damals, 1940 in Polen für Konsequenz hätte haben können bzw. dann ja auch tatsächlich hatte. Scheinbar unerschrocken hat Stefan sich sich selbst und seiner Liebe gestellt.

Dieses Buch hat mich aufgewühlt, bewegt und mich wieder einmal vor die Frage gestellt, ob man nicht mehr tun müsste um Homophobie, die auch heute noch – wenn auch oft subtiler und in Deutschland zumindest nicht mehr akut lebensbedrohlich – existiert, endlich auszurotten.

Denn: “Es ist immer ein Verbrechen, Liebe zu bestrafen und Gewalt zu tolerieren. Allein umgekehrt macht es doch einen Sinn.” (Stefan K.)

Hintergrund:

TStefanK

Stefan K. begann Ende der 80er Jahre für eine Entschädigung für das durch die Nationalsozialisten erlittene Unrecht zu kämpfen. Seine Eingaben wurden zunächst in Deutschland abgewiesen. Erst durch eine private Initiative konnte ihm finanziell bei Operationen geholfen werden, wobei auch alle Honorare des Buches sowie Lesereisen in den Niederlanden und den USA zur Verbesserung seiner Lebenssituation beitrugen. Später kamen Entschädigungen und Spenden u.a. aus der Schweiz und den USA hinzu. Eine anderen Opfergruppen vergleichbare Entschädigung aus Deutschland hat er als Schwuler nicht erhalten. Stefan war eines der wenigen schwulen Opfer der Naziverfolgung, das seine Lebensgeschichte öffentlich machte. Wegen seines Umfeldes im heutigen Warschau wollte er aber nicht, dass sein voller Name veröffentlicht wird. Er hat Zeugnis auch abgelegt im US-Holocaust-Museum in Washington und bei der Steven-Spielberg-Foundation in Los Angeles. Sein Buch, geschrieben in enger Kooperation mit Lutz van Dijk, ist außer in Deutschland u.a. auch in Bulgarien und Japan erschienen.

Quelle

Ganz zum Schluss möchte ich euch einen Nachruf aus einer Rezension zu diesem Buch nicht vorenthalten, der mich ähnlich berührt hat, wie das Buch selbst:

“Ich bewundere ihre Entschlossenheit, und ihre Courage für ihre Liebe sogar die Möglichkeit in Betracht zu ziehen zu sterben.
Ich hätte diese Größe nicht.
Kein Wunder ich verliere ja schon gegen meine Eltern.. Aber darum geht es mir hier auch nicht.
Ich möchte ihnen von ganzem Herzen nur wünschen, Herr K. dass sie, dort wo sie jetzt sind ihren Willi wieder haben.
Ich hätte sie sehr gerne einmal kennen gelernt, aber dafür bin ich wohl zu spät geboren, um sie noch treffen zu können. Denn wo ich sie noch hätte treffen können war ich noch zu jung und zu naiv und ‚viel zu sehr in meiner konservativen Erziehung um ihre Geschichte zu verstehen und nach zu fühlen.
Nachdem ich das Buch durchgelesen habe, war ich für einen Moment paralysiert von der Kälte die mir das Ende über die Seele gejagt hat.
Ich wünsche mir, dass eines Tages, und ich werde versuchen dazu bei zu tragen. Homosexuelle und Bi-sexuelle wie sie und ich, Hr. K. die gleichen Rechte und die gleiche Anerkennung erhalten wie heterosexuelle.
Ich finde es Ungerecht das Menschen wegen ihrer Art zu lieben diskriminiert werden, denn dies ist genau so schlimm wie sie wegen ihrer Hautfarbe, Rasse oder Religion zu verfolgen. Und steht nicht im Grundgesetz, dass man den Menschen, und seine Würde respektieren soll?
Ist dies nicht auch eine Form der würde. Viele Homosexuelle haben Angst sich zu outen, wegen den gesellschaftlichen Folgen.. Ich will versuchen dafür zu kämpfen, dass dies einstmals nicht mehr so ist. Das Homosexuelle sich nicht mehr verstecken müssen, sogleich ich nicht verschweigen will, dass es natürlich um einiges besser ist, als zu ihren Zeiten, Hr. K.
Ihre Geschichte hat mich berührt. Nicht zuletzt weil es eine Wahre ist.
Ich hoffe, dass sie jetzt erleichtert aufatmen können, und sich wieder als junger Mann in die Arme ihres geliebten Willi schmiegen können, und endlich keine Sehnsucht oder Schuldgefühle mehr haben.
Ich wünsche es mir sehr.
Ruhen sie in Frieden. Stefan K.
Sogleich ich gerne mehr über sie erfahren würde…”

Quelle

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