Archiv | Juni 2011

[Challenge] Gesammelte Schätze – Juni

Das Wörterbuch der Liebenden – David Levithan

ineffable, adj. (unbeschreiblich, unsagbar, Adj.)
Am Ende werden diese Wörter nur ein schwacher Abglanz sein, bar aller Empfindungen, die sich in Worte nicht fassen lassen. Über Liebe zu schreiben ist letztlich so, als versuche man, das Leben selbst in ein Lexikon zu packen. Egal, wie viele Wörter es enthält, es werden nie genug sein. (Seite 125)

only, adj. (einzig, Adj.)
Das ist das Dilemma, oder? Wenn du Single bist, hast du Freud und Leid des nur ich. Bist du zu zweit, hast du Freud und Leid des nur ich. (Seite 159)

posterity, n. (Nachwelt, f.)
Ich versuche, mir nicht vorzustellen, wie wir gemeinsam alt werden, hauptsächlich deshalb, weil ich überhaupt nicht ans Älterwerden denken möchte. Beides – die Jahre-, die vergehen, und die Jahre, die wir gemeinsam haben – ist zu gewaltig, um sich damit zu befassen. Aber eines Morgens gab ich nach. Du hast noch geschlafen, und ich stellte mir dich vor, wie du immer älter würdest. Wie deine Haare ergrauten, die Haut faltig würde, dein Atem kürzer. Und ich dachte: Wenn das hier weitergeht, wenn es Bestand hat, dann werden, wenn ich sterbe, die Erinnerungen an mich das Größte sein, was ich je vollbracht habe. Deine Erinnerungen werden bleibendster Eindruck sein. (Seite 166)

reservation, n. (Vorbehalt, m., Einschränkung, f.)
Es gibt Phasen, da fürchte ich, mich längst verloren zu haben. Soll heißen, mein Ich ist so untrennbar an das Zusammensein mit dir gebunden, dass ich nicht länger existieren würde, falls wir uns trennten. Diesen Gedanken hebe ich mir für Momente tiefster Unzufriedenheit auf. Ich hatte nie beabsichtigt, so abhängig von jemandem zu werden. (Seite 174)

woo, v. (umwerben, V.)
Ich hatte dir gesagt, es sei lächerlich, dreißig Dollar für ein Dutzend Rosen am Valentinstag auszugeben. Ich hatte es dir schlichtweg untersagt. Und was fand ich an diesem Tag, als ich mittags mein Essen bezahlen wollte? Dreißig Eindollarscheine im Portemonnaie und auf jedem einzelnen eine Rose aufgedruckt. Ich stellte mir vor, wie du deinen Farbkopierer damit gefüttert hast. Und dazu das Lächeln auf deinem Gesicht. Deshalb musste ich die Frau an der Kasse bitten, rasch ein Foto von meinem Lächeln zu machen, das ich dir sofort zurückschicken konnte. (Seite 205)

 

Unberechenbare Geometrie der Liebe – Susana Guzner

Und diese unverschuldete Gewalt ließ mich rasen vor Wut und Ohnmacht, ihre hasserfüllten Krallen gruben sich tief in meine Haut. Ich wollte weinen, mehr noch, meine Seele flehte mich an zu weinen, diesen verbissenen Kummer herauszulassen, an dem ich qualvoll zu ersticken drohte. (Seite 20)

Die Angewohnheit der allermeisten Leute, negative Umstände hinzunehmen, als hätten sie es nicht anders verdient, wie eine berechtigte Strafe für irgendeine Sünde, ist erstaunlich. Ich fürchte allerdings, dass sie sich nicht aus freuen Stücken in stoischer Gelassenheit üben. Vielmehr ist dieses Verhalten ein beweis für den grauen Konformismus, den wir mit der Muttermilch einsaugen und der in bedrohlichen Situationen umso sichtbarer wird. (Seite 32)

Wahre Liebe bedeutet, auch den dunklen, niederträchtigen Teil zu akzeptieren, den wir alle in uns tragen. (Seite 189)

Die Seele ist eine Hellseherin. (Seite 361)

 

Für ‘ne Moment – Wolfgang Niedecken

Die Kunst, die mir wichtig war, ließ viele Deutungen offen. Sie enthielt Trauer, Sehnsucht und Hoffnung und erzählte von der Utopie, dass die Welt auch anders sein könnte. Doch sie bevormundete nicht und schrieb niemandem vor, was er zu tun und zu lassen hatte. (Seite 41)

Manchmal muss man das Fernglas umdrehen, um die Größe der Dinge wieder richtig einschätzen zu können. (Seite 43)

Man sollte nicht immer damit beginnen, eine von der Gunst des Zufalls herbeigeführte Begegnung als etwas Zwangsläufiges und Bleibendes zu deuten. Manchmal ist es besser, dem Schatten, den die Vergangenheit wirft, auszuweichen, um nicht von ihm verschluckt zu werden. (Seite 68)

Ich fuhr rückwärts und blickte in die Vergangenheit, aber ich wusste, dass ich dennoch auf dem Weg war, der Zug fuhr mit mir in eine Zukunft, die ich kaum erwarten konnte. (Seite 103)

Was Heinrich Böll 1969 […] schrieb, hat seine Gültigkeit bis heute nicht verloren: Die katholische Kirche wird noch immer feudalistisch wie eine Mafia regiert. Der einzige Trost dabei ist, dass man sie verlassen kann, ohne sein Leben zu riskieren. (Seite 122)

Ich war selbstgerecht, so selbstgerecht und unbarmherzig, wie es nur einer Jugend zusteht, die sich nicht mehr mit Ausflüchten abspeisen lassen will. (Seite 145)

Freiheit ist manchmal nur ein anderes Wort für Alleinsein. (Seite 275)

Songs dürfen das Privileg haben, das Unmögliche zu fordern. Sie dürfen naiv sein, wenn sie vom noch nicht Realisierten träumen, sie dürfen sich das Prinzip Hoffnung bewahren, auch wenn die Welt aller Hoffnung hohnspricht. (Seite 299)

Wesen mit Federn interessieren sich nicht für Grenzen, sie überfliegen sie einfach. Und Wörtern gelingt das manchmal eben auch. (Seite 305)

Nur der, der weiß, dass alles seine Zeit hat, auch der Tod, weiß wirklich, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein. (Seite 309)

Wer nichts bereut ist entweder ein Gott oder leidet an Größenwahn. (Seite 408)

Wir zogen die Gegenwart jeder Nostalgie vor, doch wir wussten auch, dass man ganz im Moment aufgehen und trotzdem voller Erinnerungen sein kann. (Seite 423)

Der Tag, an dem ich begriff, dass man nicht allen Ansprüchen genügen kann, war ein guter Tag. (Seite 452)

Auch wenn wir noch so fest daran glauben wollen, das der Prozess der Zivilisation nur in eine, und zwar in die richtige Richtung verläuft, in diejenige fortschreitender Aufklärung, verfeinerter Kultur und achtsameren Miteinanders – es entspricht, wie die Geschichte nicht nur des afrikanischen, sondern auch die aller anderen Kontinente zeigt, einfach nicht der Wahrheit. (Seite 492)

 

Seelenhüter – Laura Whitcomb

Eine gute Seele singt der Trauer ins Gesicht, steht auf und lebt bewusst jeden Morgen, den sie zur Verfügung hat. (Seite 315)

 

Zwei an einem Tag – David Nicholls

Der konventionelle Ratschlag lautete “Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre”, aber wer hatte schon die Kraft dazu? Was, wenn es regnete oder man kränkelte? Es war einfach nicht machbar. Da war es weit besser, sich zu bemühen, gut, mutig und unerschrocken zu sein und etwas zu verändern. Vielleicht nicht gleich die ganze Welt, nur das kleine Stück um dich herum. Geh da raus mit deiner Leidenschaft und der elektrischen Schreibmaschine und arbeite hart… woran auch immer. Vielleicht das Leben mit Hilfe der Kunst verändern. Schreib etwas Schönes. Kümmer dich um deine Freunde, bleib deinen Prinzipien treu, lebe dein Leben gut, leidenschaftlich und in vollen Zügen. Mach neue Erfahrungen. Liebe und werde geliebt, wenn es irgendwie geht.

 

Vor dem Morgen liegt die Nacht – Claudia Breitsprecher

Und sie freute sich auf Berlin, auf die alten Freundinnen und Freunde und auf den Frühling mit blühenden Forsythien und sonnigen Straßencafés. Sie würde eintauchen in das Gewühl der City, die vertrauten Orte besuchen und samstags über einen der quirligen Märkte schlendern und sich am kodderigen Ton ergötzen, mit dem die Menschen einander rüde liebkosten. Wie eine lange vermisste Gefährtin war ihr die Stadt, treu und doch in stetem Wandel, launisch und anspruchsvoll, eine atemberaubende Diva, an der es immer neue Facetten zu entdecken gab. (Seite 17)

Glück war zerbrechlich, Liebe gar Wahnsinn. War es nicht leichter, sich in der Monotonie eines vorhersehbaren Alltags einzurichten, als dem Auf und Ab unsteter Gefühle ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung auch immer das bangen durchleiden zu müssen? (Seite 39)

Sie war unordentlich und sie war träge, aber was immer auch geschah in ihrem Leben, ein hartnäckiger Rest abscheulicher Manierlichkeit ließ sich nicht vertreiben. (Seite 40)

Friedrich war achtzehn, als er mit Pinsel und Farbe Worte des Hasses an die Türen seiner Nachbarn schmierte und ihnen die Scheiben einschlug. Johannes war siebzehn, als er half, die Scherben zusammenzukehren und mit Bürste und Schwamm versuchte, die Schmähungen wieder abzuwaschen und dabei doch begriff, dass seine Mühe vergeblich war, dass die Buchstabend den Putz der Häuserwände längst durchdrungen hatten, in Schichten eingesickert waren, die tiefer lagen und die kein Schwamm und keine Bürste zu erreichen vermochte.           (Seite 121/122)

Die meisten Menschen sind so verunsichert, dass sie sich mit Statussymbolen eindecken müssen, um ihre Sorgen nicht zu spüren. (Seite 168)

Die Menschen interessieren sich nur für das, was Teil ihrer eigenen Erfahrungswelt ist. (Seite 181)

Manchmal liegt alles Sein in einem einzigen Augenblick, in einem blühenden Garten außerhalb der Zeit, in dessen sinnlicher Fülle alle Fragen sich auflösen, alle Ängste sich verlieren und alle Sorgen bedeutungslos sind […].     (Seite 205)

Vielleicht war das ja immer so. Vielleicht war es stets das Unerwartete und Ungeplante, das aus einem Dasein ein Leben werden ließ. (Seite 240)

Wohin war der Mut, von dem jeder ihrer Aufbrüche kündete? Was blieb übrig, wenn die Vasen eingepackt und ihre Bilder von den Wänden genommen waren, wenn der Duft eines Lebens durch geöffnete Fenster entwich? Gab es wirklich nur ein ewiges Jetzt ohne irgendeinen Sinn? (Seite 285)

War das Liebe? Oder war es Dummheit? Oder gab es am Ende keinen Unterschied? (Seite 286)

 

Das Labyrinth der Wörter – Marie-Sabine Roger

Ob Sie es glauben oder nicht, in dem Moment habe ich entdeckt, was es für ein Gefühl ist, wenn sich jemand für einen interessiert. Falls Sie es nicht wissen, kann ich Ihnen sagen: Es ist ganz schön komisch. (Seite 18)

Es war seltsam, ich hatte das Gefühl, dass wir Freunde waren. Ich meine, nicht wirklich, aber so was in der Art. Inzwischen habe ich das Wort gefunden, das mir fehlte: Vertraute. (Seite 20)

Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren zu können. (Seite 21)

Denn vor diesem Tag, da habe ich eben gedacht oder nicht gedacht. Entweder das eine oder das andere. Und wenn ich dachte, dann hielt ich mich nicht weiter damit auf, es passierte im Grunde ohne mich. Wenn ich dachte, dann ganz ohne zu überlegen. (Seite 58)

Ich glaube, an diesem Abend hatte ich eine Art Intelligenzanfall. (Seite 60)

Wir sind nur auf Erden, um Dinge weiterzugeben, wissen Sie… Zu lernen, seine Spielsachen zu teilen, ist wahrscheinlich die wichtigste Lektion, die man sich im Leben aneignen muss. (Seite 72)

“Tatsächlich… Ich bin beeindruckt, Germain, Sie haben ein hervorragendes auditives Gedächtnis!”  “Ach was, ich kann mir nur ganz gut merken, was ich höre.” (Seite 94)

Landremont, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist, sagt immer: “Was dich nicht umbringt, macht dich stark.” Das soll also das Leben sein: Entweder du bist stark, oder du bist tot? Was für eine Scheißauswahl. (Seite 104)

Nun ja, das Privileg des Alters ist: Wenn man sich langweilt, dann weiß man wenigstens, dass es nicht mehr für lange ist. (Seite 150)

 

Geschrieben für Dich – Sylvia Brownrigg

Durch die Tage stolperte sie, nachts jedoch schwamm sie frei durch die kühlen Gewässer ihrer Einbildungskraft. Im Dunkeln war ihr Körper seiner schüchternen Entschuldigung ledig, und ihre jungen Hände wanderten über ihr Fleisch, wie zum ersten mal. (Seite 22)

Die Träume sagten etwas anders. Unausweichlich. Das tun Träume mit Vorliebe. Verhöhnen dich mit einer frivolen Lebhaftigkeit, die du dir tagsüber verbittest. Schnüffeln in den Schränken in deinem Kopf, durchwühlen die Vorratskammern, stoßen auf Hoffnungen oder Erkenntnisse, von deren Existenz du nichts wusstest. Farben, die du nie zuvor bewusst wahrgenommen hast. Witze von einem Geistesreichtum, den du dir nie zugetraut hättest. (Seite 38)

Es war wie Fliegen. Es war die Geschichte, die du deinem wachen Ich vor den Einschlafen erzählst, in der Gewissheit, dass sie nie die volle, helle Schärfe der Wirklichkeit annehmen wird. (Seite 95)

Flannery hatte nie überlegt, dass das Wort “Schmerz” buchstäblich so gemeint sein könnte, wenn es auf das Herz gemünzt war. Schmerz dieser Art war doch gewiss Einbildung, ein Wort für Liedermacher, ein praktischer Reim auf “Herz”. Er war nicht ernstzunehmen. Doch, das war er. Noch etwas, das sie lernen musste. Das Herz schmerzte, in der Tat. Sie verspürte eine dumpf mahlende Leere in der Nähe ihres Zwerchfells, ein Schmerz, der den Platz von etwas einnahm, das entfernt worden war. Ein Phantomglied. Ein nagender Hunger namens Verlangen.          (Seite 150)

Es ist eine alte Geschichte. Eine der ältesten. Sie hätten nicht so weit reisen müssen, um sie zu erleben: Lust – pure, unverhüllte Lust – muss benannt und bestraft werden. Wie sonst könnten wir hoffen, die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten? (Seite 217)

Menschen können sich Orten ebenso verwandt fühlen wie anderen Menschen. (Seite 247)

Solche Nächte gibt es, und wir überleben sie. Es geht darum, neben dem geliebten Leib zu schlafen, den du nicht länger lieben darfst oder magst. Egal, ob du diejenige bist, die sich trennt, oder diejenige, die verlassen wird; egal ob deine Arme diejenigen sind, die zurückweichen, oder diejenigen, die sich verlangend ausstrecken und sich dann im Bewusstsein, nicht länger erwünscht zu sein, zurückziehen. […] Körper, deren nächtliche Daseinsform dem anderen schon bald nicht mehr vertraut sein wird: Sie werden sich getrennt durch Jacken und Jeans und die abgekühlte Luft zwischen neuerlichen Bekannten berühren, wen so etwas zwischen Ex-Geliebten überhaupt möglich ist. (Seite 275)

 

Als das Cello vom Himmel fiel – Ivan E. Coyote

Die freundlichsten Menschen sind, die denken, dass sie dich nie wieder sehen. (Seite 84)

Es gibt keinen Typ Frau, der einem Mann erlaubt, sie zu schlagen. Es gibt nur den Typ Mann, der seine Frau schlägt. (Seite 154)

Lass dich ja nicht dazu verleiten, Frauen für das schwache Geschlecht zu halten, Joseph. Von ihnen wird einfach nur erwartet, dass sie sich mehr Scheiß gefallen lassen als wir. (Seite 154)

Kleinstädte haben die Eigenart, dir bei der erstbesten Gelegenheit genau die Dinge oder die Menschen über den Weg zu schicken, denen du am wenigsten begegnen möchtest. (Seite 220)

Als das Cello vom Himmel fiel – Ivan E. Coyote

Vielen Dank an krugschadenberg1  für dieses Rezensionsexemplar :)

Bekommen: 23.05.2011

Angefangen: 23.06.2011

Ausgelesen: 28.06.2011

Gelesene Seiten: 224

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 11.550

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

Joey, Anfang 40 und Automechaniker in der kanadischen Provinz, versteht die Welt nicht mehr: Seine Frau Allyson hat ihn verlassen. Sie lebt nun in Calgary mit einer Frau zusammen. Doch nicht die andere Frau ist Joeys Problem. Er begreift nicht, wie es überhaupt zu der Trennung kommen konnte. Hat er seine Frau denn so wenig gekannt? Als Joey unverhofft Besitzer eines Cellos wird, nimmt sein Leben eine Wende. Er beschließt, im fernen Calgary Cellounterricht zu nehmen … Wie es Joey gelingt, wieder auf die Füße zu kommen und sich mit seiner Ex und ihrer neuen Lebensgefährtin Katherine zu einem guten Umgang zu finden, beschreibt Ivan E. Coyote auf sehr berührende Weise. Am Ende der Romans eröffnen sich für Joey, Allyson und Kathleen ungeahnte neue Perspektiven …

Rezension:

Das Leben meint es gerade scheinbar nicht besonders gut mit Joey. Unter den stets wachen Augen der der Dorfgemeinschaft und ganz besonders denen seiner Mutter muss er irgendwie mit dem Tod seines Vaters vor vier Jahren und der Trennung von seiner Frau zurecht zu kommen. Ally hat ihn verlassen und lebt nun Calgary mit ihrer neuen Liebe, einer Frau, zusammen.

Durch einen Zufall, wie es ihn wohl nur selten gibt, kommt er dank eines Tauschgeschäfts zu einem Cello und er beschließt, Unterricht zu nehmen. Bevor er nach Calgary aufbricht um sich eine Lehrerin zu suchen, entschließt er sich schweren Herzens Ally einige noch immer im ehemals gemeinsamen Haus verbliebene Dinge zu bringen. So macht er sich mit seinem Cello, Allys Sachen und einer gehörigen Portion Altlasten auf den Weg und kehrt am Ende verändert wieder zurück.

Die Meinungen zum Erstlingswerk von Ivan E. Coyote sind gespalten. Die Einen sind begeistert, die Anderen sind enttäuscht. Umso gespannter war ich, zu welcher Gruppe ich wohl gehören würde. Noch während des Lesens und auch ein paar Tage danach war ich unsicher. Jetzt – während ich diese Rezension schreibe – weiß ich es endlich. Ich bin begeistert.

„Als das Cello vom Himmel fiel“ ist kein lautes Buch, kein Buch, das sich aufdrängt. Es ist eine nahezu alltägliche Geschichte, die schon oft erzählt wurde. Eine Geschichte vom Verlassen werden und davon, wieder zu sich zu finden. Von Fragen, die hartnäckig nach einer Antwort verlangen und vom Versuch wieder Zukunftspläne schmieden zu können.

Anders jedoch als in vielen anderen Romane mit dieser Grundidee wird man nicht durch zahllose Nebenhandlungsstränge abgelenkt. Man bleibt ganz bei Joey, in seiner Gefühls- und Erlebniswelt. Man ist hautnah dabei, wie er anfangs erkennt, dass seine Mutter recht hat, wenn sie ihm entweder zu einem Hobby oder einem Antidepressivum rät und man ist ebenso dabei, wie er sich für ersteres entscheidet. Man begleitet ihn dabei, wie aus Fremden ganz plötzlich Freunde werden können, wenn man sich ihnen nur öffnet und auf seinem Weg aus der Hilflosigkeit und Einsamkeit, den er geht, fast ohne es selbst zu merken.

Dass es nur am Rande eine Rolle spielt, dass Joeys Frau ihn für eine andere Frau verlassen hat, hat mich zunächst überrascht und ein wenig enttäuscht; lag dies doch bei einem Roman aus einem Verlag, der sich der lesbischen Literatur verschrieben hat, recht nah.

Letztlich bin ich aber – ebenso wie Joey vielleicht auch – zu dem Schluss gekommen, dass es keine Rolle spielt, wer wen warum verlässt, sondern nur, dass man Verletzungen heilen lässt und sich so eine Chance für die Zukunft gibt.

Wie auch bei Geschrieben für Dich von Sylvia Brownrigg haben mir Gestaltung und Übersetzung, beides wieder von den Verlagschefinnen persönlich übernommen, sehr gut gefallen.

Ich vergebe 4 Sterne für ein Buch, dass mich überrascht und auch lange nach der letzten Seite noch nicht losgelassen hat.

Zitate:

Die freundlichsten Menschen sind, die denken, dass sie dich nie wieder sehen. (Seite 84)

Es gibt keinen Typ Frau, der einem Mann erlaubt, sie zu schlagen. Es gibt nur den Typ Mann, der seine Frau schlägt. (Seite 154)

Lass dich ja nicht dazu verleiten, Frauen für das schwache Geschlecht zu halten, Joseph. Von ihnen wird einfach nur erwartet, dass sie sich mehr Scheiß gefallen lassen als wir. (Seite 154)

Kleinstädte haben die Eigenart, dir bei der erstbesten Gelegenheit genau die Dinge oder die Menschen über den Weg zu schicken, denen du am wenigsten begegnen möchtest. (Seite 220)

Geschrieben für Dich – Sylvia Brownrigg

image Vielen Dank an krugschadenberg1 für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Pages for you

ISBN: 978-3930041824

Bekommen: Sofort ins Herz geschlossen und mitgenommen vom
19. Lesbisch-schwulen Stadtfest Berlin am 20.06.2011

Angefangen: 22.06.2011

Ausgelesen: 23.06.2011

Gelesene Seiten: 280

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 11.326

Bewertung5sterne

Klappentext:

Flannery Jansen betritt eine neue Welt. Sie ist Erstsemesterin an einer Universität an der Ostküste. In einem Diner beim Campus entdeckt sie eines Morgens eine faszinierende Frau, die in ein Buch vertieft ist: Anne Arden, Dozentin im Fachbereich Literaturwissenschaft – selbstbewusst, weltgewandt, lebenserfahren. Und für Flannery die schönste Frau der Welt. Flannery träumt Tag und Nacht von Anne. Sie verzehrt sich nach ihr. Sie geht ihr aus dem Weg. Und will ihr doch nahe sein. Eines Tages fasst sie sich ein Herz und lädt Anne zu einem Drink ein …

Rezension:

Die Liebe – besonders die erste – kann einen ganz schön durchschütteln, aufwühlen und alles in Frage stellen. Das muss auch Flannery feststellen, als sie auf Anne trifft, die sie mit ihren grünen Augen und ihrer Ausstrahlung augenblicklich in ihren Bann zieht und nicht wieder loslässt.

Schon ziemlich am Anfang, wenn nicht sogar schon im Prolog, ist klar, dass dieser Roman kein klassisches Happy End haben wird. Gut für mich – ich finde Happy Ends meistens langweilig.

Noch nie habe ich ein Buch gelesen, dessen Sprache und Atmosphäre mich dermaßen gefesselt haben. Mehrfach hatte ich vielmehr das Gefühl innerlich einen Film zu sehen, als „nur“ ein Buch zu lesen und ich war von der unglaublichen Bildhaftigkeit des Textes total überfahren. Deshalb war es mir mehr als recht, dass keines der Kapitel länger als 3 Seiten ist, denn ich brauchte immer wieder eine Pause um das Gelesene „verdauen“ zu können.

Sylvia Brownrigg beschreibt Flannerys Sehnsüchte und ihr Verlangen nach Anne, nach einem Zusammensein mit ihr, so echt und intensiv, dass ich in der zweiten Hälfte des Buches oft fast nicht weiterlesen konnte, weil die Situation immer drückender und hoffnungsloser schien. Oft  hatte ich das Gefühl, ich sollte Flannery mal wieder anrufen um zu hören, wie es ihr geht und um ihr Mut zuzusprechen. Oder auch Anne um ihr mal gewaltig den hübschen Kopf zu waschen! ;-)

Ich vergebe 5 Sterne für einen Roman der zeigt, dass kein Happy End manchmal trotzdem der Anfang von etwas sein kann und dass Zuversicht und Hoffnung stärker sind als Traurigkeit und Verlust.

Ein ganz besonderes Lob übrigens fürs Cover (Dagmar Schadenberg) und für die Übersetzung (Andrea Krug). Zur Zeit gilt das Buch zwar als vergriffen, ein Nachdruck ist aber laut Verlag bereits in Vorbereitung. [Nachtrag: Das Buch ist inzwischen wieder als broschierte Ausgabe zu haben.]

Von manchen Händlern wird als empfohlenes Alter verschiedentlich „ab 13 Jahren“ angegeben. „Ab 16 Jahren“ würde ich persönlich für passender halten. Es ist definitiv kein Kinder- und Jugendbuch.

Zitate:

Durch die Tage stolperte sie, nachts jedoch schwamm sie frei durch die kühlen Gewässer ihrer Einbildungskraft. Im Dunkeln war ihr Körper seiner schüchternen Entschuldigung ledig, und ihre jungen Hände wanderten über ihr Fleisch, wie zum ersten mal. (Seite 22)

Die Träume sagten etwas anders. Unausweichlich. Das tun Träume mit Vorliebe. Verhöhnen dich mit einer frivolen Lebhaftigkeit, die du dir tagsüber verbittest. Schnüffeln in den Schränken in deinem Kopf, durchwühlen die Vorratskammern, stoßen auf Hoffnungen oder Erkenntnisse, von deren Existenz du nichts wusstest. Farben, die du nie zuvor bewusst wahrgenommen hast. Witze von einem Geistesreichtum, den du dir nie zugetraut hättest. (Seite 38)

Es war wie Fliegen. Es war die Geschichte, die du deinem wachen Ich vor den Einschlafen erzählst, in der Gewissheit, dass sie nie die volle, helle Schärfe der Wirklichkeit annehmen wird. (Seite 95)

Flannery hatte nie überlegt, dass das Wort “Schmerz” buchstäblich so gemeint sein könnte, wenn es auf das Herz gemünzt war. Schmerz dieser Art war doch gewiss Einbildung, ein Wort für Liedermacher, ein praktischer Reim auf “Herz”. Er war nicht ernstzunehmen. Doch, das war er. Noch etwas, das sie lernen musste. Das Herz schmerzte, in der Tat. Sie verspürte eine dumpf mahlende Leere in der Nähe ihres Zwerchfells, ein Schmerz, der den Platz von etwas einnahm, das entfernt worden war. Ein Phantomglied. Ein nagender Hunger namens Verlangen.          (Seite 150)

Es ist eine alte Geschichte. Eine der ältesten. Sie hätten nicht so weit reisen müssen, um sie zu erleben: Lust – pure, unverhüllte Lust – muss benannt und bestraft werden. Wie sonst könnten wir hoffen, die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten? (Seite 217)

Menschen können sich Orten ebenso verwandt fühlen wie anderen Menschen. (Seite 247)

Solche Nächte gibt es, und wir überleben sie. Es geht darum, neben dem geliebten Leib zu schlafen, den du nicht länger lieben darfst oder magst. Egal, ob du diejenige bist, die sich trennt, oder diejenige, die verlassen wird; egal ob deine Arme diejenigen sind, die zurückweichen, oder diejenigen, die sich verlangend ausstrecken und sich dann im Bewusstsein, nicht länger erwünscht zu sein, zurückziehen. […] Körper, deren nächtliche Daseinsform dem anderen schon bald nicht mehr vertraut sein wird: Sie werden sich getrennt durch Jacken und Jeans und die abgekühlte Luft zwischen neuerlichen Bekannten berühren, wen so etwas zwischen Ex-Geliebten überhaupt möglich ist. (Seite 275)

Das Labyrinth der Wörter – Marie-Sabine Roger

Vielen Dank an  hoca   für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel:La tête en friche

Verlag: Hoffmann & Campe

ISBN:978-3-455-40254-4

Bekommen: 12.06.2011

Angefangen: 24.06.2011

Ausgelesen: 26.06.2011

Gelesene Seiten: 205 Seiten

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Germain stand bisher nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Von der alleinerziehenden Mutter vernachlässigt, in der Schule gescheitert, haust er nun im Wohnwagen und züchtet Gemüse. Neben dem Schnitzen von Holzfiguren gilt sein Interesse vor allem den Tauben im Park. Eines Tages trifft er dort eine zierliche alte Dame, die seine Faszination für die Tauben teilt. Das ungleiche Paar freundet sich an. Als sie anfängt, ihm Romane vorzulesen, öffnet sich für Germain eine völlig neue Welt. Doch bald erfährt er, dass Margueritte seine Hilfe braucht. Germain muss ihr zuliebe über seinen Schatten springen.

Rezension:

Der etwas tumbe Germain, der es von Anfang an im Leben nicht besonders leicht hatte und dem das Lernen immer schwer gefallen ist, begegnet eines Tages im Park Margueritte. Die alte Dame erobert nach und nach sein Herz und als sie beginnt, ihm aus Romanen vorzulesen, beginnt in Germain eine Wandlung, die er nie für möglich gehalten hätte. Doch erst als Margueritte seine Hilfe braucht ist Germain in der Lage einen großen Schritt zu wagen.

Unendlich liebevoll und mit viel Humor erzählt Marie-Sabine Roger die Geschichte eines etwas tumben Mannes, der durch eine kleine alte Dame den eigenen Wert neu zu beurteilen lernt.

Germain, der eine wunderbare Wandlung durchmacht und durch Margueritte zu einem ganz neuen Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten findet, der einem zunächst als der lustige, leicht zurückgebliebene Dummkopf erscheint berührt einen zutiefst und die Figur zeigt eindrucksvoll, dass Bildung und Intelligenz nicht das Selbe sind und emotionale Intelligenz wertvoller ist als jede Hochschulbildung.

Mit viel Herz und einem ganz großen Gespür für Stimmungen, Menschen und Sprache ist hier ein Roman entstanden, der den Leser in tiefster Seele rührt und der mit seinen leisen Tönen zu den ganz Großen in der Gegenwartsliteratur zählt.

Zitate:

Ob Sie es glauben oder nicht, in dem Moment habe ich entdeckt, was es für ein Gefühl ist, wenn sich jemand für einen interessiert. Falls Sie es nicht wissen, kann ich Ihnen sagen: Es ist ganz schön komisch. (Seite 18) 

Es war seltsam, ich hatte das Gefühl, dass wir Freunde waren. Ich meine, nicht wirklich, aber so was in der Art. Inzwischen habe ich das Wort gefunden, das mir fehlte: Vertraute. (Seite 20)

Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren zu können. (Seite 21)

Denn vor diesem Tag, da habe ich eben gedacht oder nicht gedacht. Entweder das eine oder das andere. Und wenn ich dachte, dann hielt ich mich nicht weiter damit auf, es passierte im Grunde ohne mich. Wenn ich dachte, dann ganz ohne zu überlegen. (Seite 58)

Ich glaube, an diesem Abend hatte ich eine Art Intelligenzanfall. (Seite 60)

Wir sind nur auf Erden, um Dinge weiterzugeben, wissen Sie… Zu lernen, seine Spielsachen zu teilen, ist wahrscheinlich die wichtigste Lektion, die man sich im Leben aneignen muss. (Seite 72)

“Tatsächlich… Ich bin beeindruckt, Germain, Sie haben ein hervorragendes auditives Gedächtnis!”  “Ach was, ich kann mir nur ganz gut merken, was ich höre.” (Seite 94)

Landremont, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist, sagt immer: “Was dich nicht umbringt, macht dich stark.” Das soll also das Leben sein: Entweder du bist stark, oder du bist tot? Was für eine Scheißauswahl. (Seite 104)

Nun ja, das Privileg des Alters ist: Wenn man sich langweilt, dann weiß man wenigstens, dass es nicht mehr für lange ist. (Seite 150)

Filmtrailer:

Vor dem Morgen liegt die Nacht – Claudia Breitsprecher

Vielen Dank an  krugschadenberg1für dieses Rezensionsexemplar :)

Bekommen:19.06.2011

Angefangen: 20.06.2011

Ausgelesen: 23.06.2011

Gelesene Seiten: 300

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Bei einer Theateraufführung begegnet Nina Althaus, 38-jährige West-Berlinerin, unverhofft der mondänen Maria Conti wieder – einer langjährigen Vertrauten aus ihren Kindertagen, die mittlerweile die Achtzig überschritten hat. Maria ist in Begleitung ihrer Nichte, der erfolgreichen Ost-Berliner Schauspielerin Michelle Odebrecht. Nina und Michelle kommen sich behutsam näher. Doch der Weg zueinander erfordert die Aussöhnung mit der Vergangenheit, die von persönlichen Enttäuschungen und politischen Umbrüchen geprägt ist.

Rezension:

Ninas Dasein ist von einer Trostlosigkeit, die die Bezeichnung “Leben” fast nicht mehr verdient, als sie unerwartet ihrer Vertrauten aus Kindertagen wiederbegegnet.  Was ist vor 25 Jahren zwischen Maria und Nina vorgefallen? Was hat das Mädchen und ihre mütterliche Freundin entzweit? Marias Nichte Michelle versucht die Geschichte der beiden zu ergründen und kommt Nina dabei näher, als es je ihre Absicht war. Kann es eine Aussöhnung geben und gibt es am Ende vielleicht sogar die Chance auf einen Neuanfang?

Claudia Breitsprecher hat hier mit ihrem ersten Roman eine totale Punktlandung hingelegt. Gekonnt baut sie einen Plot auf, der gleich mehrere Lebensgeschichten so perfekt miteinander verbindet, dass keine zu kurz kommt und jede wie selbstverständlich ihren Platz in der Handlung findet.

Ihre Figuren haben von Anfang an eine Tiefe, die viele andere Autoren auf 1000 Seiten nicht in der Lage sind aufzubauen. Sie hat einen unglaublich guten Blick für Menschen und so ist der Roman fast auch eine ausgereifte Charakterstudie, was ihn aber zu keinem Zeitpunkt langatmig macht. Ganz im Gegenteil.

Egal ob die zarten Bande, die sich zwischen Nina und Michelle entspinnen oder das komplizierte Verhältnis zwischen Michelle und ihren Eltern – alles ist 100% stimmig und sofort glaubhaft. Der Ort der Handlung, Berlin, ist so liebevoll beschrieben, dass sich jeder Berliner oder Berlinliebhaber sofort wohl und Zuhause fühlt.

Das unglaublich feine Sprachgefühl war es aber in erster Linie das mich von der ersten Seite an begeistert und gefangen genommen hat. Eine schöne Wortwahl und gut durchdachte Formulierungen geben dem Roman einen so wunderbaren Rahmen, dass man ihn gar nicht wieder aus der Hand legen mag.

Besser hätte man diese Geschichte nicht erzählen können. Definitiv einer der besten lesbischen Romane, die ich je gelesen habe. Großartig!

Zitate:

Und sie freute sich auf Berlin, auf die alten Freundinnen und Freunde und auf den Frühling mit blühenden Forsythien und sonnigen Straßencafés. Sie würde eintauchen in das Gewühl der City, die vertrauten Orte besuchen und samstags über einen der quirligen Märkte schlendern und sich am kodderigen Ton ergötzen, mit dem die Menschen einander rüde liebkosten. Wie eine lange vermisste Gefährtin war ihr die Stadt, treu und doch in stetem Wandel, launisch und anspruchsvoll, eine atemberaubende Diva, an der es immer neue Facetten zu entdecken gab. (Seite 17)

Glück war zerbrechlich, Liebe gar Wahnsinn. War es nicht leichter, sich in der Monotonie eines vorhersehbaren Alltags einzurichten, als dem Auf und Ab unsteter Gefühle ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung auch immer das bangen durchleiden zu müssen? (Seite 39)

Sie war unordentlich und sie war träge, aber was immer auch geschah in ihrem Leben, ein hartnäckiger Rest abscheulicher Manierlichkeit ließ sich nicht vertreiben. (Seite 40)

Friedrich war achtzehn, als er mit Pinsel und Farbe Worte des Hasses an die Türen seiner Nachbarn schmierte und ihnen die Scheiben einschlug. Johannes war siebzehn, als er half, die Scherben zusammenzukehren und mit Bürste und Schwamm versuchte, die Schmähungen wieder abzuwaschen und dabei doch begriff, dass seine Mühe vergeblich war, dass die Buchstabend den Putz der Häuserwände längst durchdrungen hatten, in Schichten eingesickert waren, die tiefer lagen und die kein Schwamm und keine Bürste zu erreichen vermochte.           (Seite 121/122)

Die meisten Menschen sind so verunsichert, dass sie sich mit Statussymbolen eindecken müssen, um ihre Sorgen nicht zu spüren. (Seite 168)

Die Menschen interessieren sich nur für das, was Teil ihrer eigenen Erfahrungswelt ist. (Seite 181)

Manchmal liegt alles Sein in einem einzigen Augenblick, in einem blühenden Garten außerhalb der Zeit, in dessen sinnlicher Fülle alle Fragen sich auflösen, alle Ängste sich verlieren und alle Sorgen bedeutungslos sind […].     (Seite 205)

Vielleicht war das ja immer so. Vielleicht war es stets das Unerwartete und Ungeplante, das aus einem Dasein ein Leben werden ließ. (Seite 240)

Wohin war der Mut, von dem jeder ihrer Aufbrüche kündete? Was blieb übrig, wenn die Vasen eingepackt und ihre Bilder von den Wänden genommen waren, wenn der Duft eines Lebens durch geöffnete Fenster entwich? Gab es wirklich nur ein ewiges Jetzt ohne irgendeinen Sinn? (Seite 285)

War das Liebe? Oder war es Dummheit? Oder gab es am Ende keinen Unterschied? (Seite 286)

Zwei an einem Tag – David Nicholls

zwei_an_einem_tag Gekauft: 11.06.2011

Angefangen: 11.06.2011

Ausgelesen: 21.06.2011

Gelesene Seiten: 544

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 12.102

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

»Gerade stelle ich mir dich mit 40 vor!« Es ist der 15. Juli 1988, und Emma und Dexter, beide zwanzig, haben sich gerade bei der Abschlussfeier kennengelernt und die Nacht zusammen durchgemacht. Am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Wo werden Sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in den zwanzig darauffolgenden Jahren?

Zitat:

Der konventionelle Ratschlag lautete “Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre”, aber wer hatte schon die Kraft dazu? Was, wenn es regnete oder man kränkelte? Es war einfach nicht machbar. Da war es weit besser, sich zu bemühen, gut, mutig und unerschrocken zu sein und etwas zu verändern. Vielleicht nicht gleich die ganze Welt, nur das kleine Stück um dich herum. Geh da raus mit deiner Leidenschaft und der elektrischen Schreibmaschine und arbeite hart… woran auch immer. Vielleicht das Leben mit Hilfe der Kunst verändern. Schreib etwas Schönes. Kümmer dich um deine Freunde, bleib deinen Prinzipien treu, lebe dein Leben gut, leidenschaftlich und in vollen Zügen. Mach neue Erfahrungen. Liebe und werde geliebt, wenn es irgendwie geht.

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Eine Verfilmung gibt’s auch und der Trailer stimmt mich vorsichtig optimistisch, dass ich nicht enttäuscht werde!

Kinostart: 03.11.2011

Weitere Infos zum Film

Vorfreude: Damian 2 – Rainer Wekwerth

[Nachtrag: Gerade vom Verlag erfahren, dass die von der Veröffentlichung Ende des Jahres noch gar nichts wissen. Mysteriös! Wir bleiben dran, wir forschen nach! ;)]

[Nachtrag 2: Rätsel gelöst! Erscheinen im Dezember jetzt vom Verlag bestätigt. Titel war nur noch nicht ins System eingespeist ;)]

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Voraussichtlich im Dezember diesen Jahres erscheint der zweite Teil von Rainer Wekwerths “Damian”.

Band 1 – Die Stadt der gefallenen Engel, hat mir letztes Jahr, nicht nur weil es in “meiner” Stadt Berlin spielt, richtig gut gefallen und hat von mir 4 Sterne bekommen. Nun bin ich mehr als gespannt auf die Fortsetzung.

Viele Infos gibt es leider noch nicht, daher hier für alle, die es noch nicht kennen, nochmal der Klappentext zu Band 1:

Lara will ein paar aufregende Tage in Berlin verbringen. Doch hinter der Fassade der Großstadt verbirgt sich eine Welt, in der dunkle Kreaturen einen verbitterten Kampf austragen. Als Lara Damian kennenlernt, weiß sie nicht, dass sich durch ihn eine alte Prophezeiung erfüllen soll.

Ein düsteres Familiengeheimnis legt sich wie ein Schatten über die beiden und bedroht ihre Liebe und ihr Leben.

Website zum Buch: http://www.damian-dasbuch.de/

Leseprobe: http://www.damian-dasbuch.de/daten/leseprobe.html

„Dieses Buch hat mir den Atem geraubt!“
Thomas Thiemeyer