[Challenge] Gesammelte Schätze – Juni

Das Wörterbuch der Liebenden – David Levithan

ineffable, adj. (unbeschreiblich, unsagbar, Adj.)
Am Ende werden diese Wörter nur ein schwacher Abglanz sein, bar aller Empfindungen, die sich in Worte nicht fassen lassen. Über Liebe zu schreiben ist letztlich so, als versuche man, das Leben selbst in ein Lexikon zu packen. Egal, wie viele Wörter es enthält, es werden nie genug sein. (Seite 125)

only, adj. (einzig, Adj.)
Das ist das Dilemma, oder? Wenn du Single bist, hast du Freud und Leid des nur ich. Bist du zu zweit, hast du Freud und Leid des nur ich. (Seite 159)

posterity, n. (Nachwelt, f.)
Ich versuche, mir nicht vorzustellen, wie wir gemeinsam alt werden, hauptsächlich deshalb, weil ich überhaupt nicht ans Älterwerden denken möchte. Beides – die Jahre-, die vergehen, und die Jahre, die wir gemeinsam haben – ist zu gewaltig, um sich damit zu befassen. Aber eines Morgens gab ich nach. Du hast noch geschlafen, und ich stellte mir dich vor, wie du immer älter würdest. Wie deine Haare ergrauten, die Haut faltig würde, dein Atem kürzer. Und ich dachte: Wenn das hier weitergeht, wenn es Bestand hat, dann werden, wenn ich sterbe, die Erinnerungen an mich das Größte sein, was ich je vollbracht habe. Deine Erinnerungen werden bleibendster Eindruck sein. (Seite 166)

reservation, n. (Vorbehalt, m., Einschränkung, f.)
Es gibt Phasen, da fürchte ich, mich längst verloren zu haben. Soll heißen, mein Ich ist so untrennbar an das Zusammensein mit dir gebunden, dass ich nicht länger existieren würde, falls wir uns trennten. Diesen Gedanken hebe ich mir für Momente tiefster Unzufriedenheit auf. Ich hatte nie beabsichtigt, so abhängig von jemandem zu werden. (Seite 174)

woo, v. (umwerben, V.)
Ich hatte dir gesagt, es sei lächerlich, dreißig Dollar für ein Dutzend Rosen am Valentinstag auszugeben. Ich hatte es dir schlichtweg untersagt. Und was fand ich an diesem Tag, als ich mittags mein Essen bezahlen wollte? Dreißig Eindollarscheine im Portemonnaie und auf jedem einzelnen eine Rose aufgedruckt. Ich stellte mir vor, wie du deinen Farbkopierer damit gefüttert hast. Und dazu das Lächeln auf deinem Gesicht. Deshalb musste ich die Frau an der Kasse bitten, rasch ein Foto von meinem Lächeln zu machen, das ich dir sofort zurückschicken konnte. (Seite 205)

 

Unberechenbare Geometrie der Liebe – Susana Guzner

Und diese unverschuldete Gewalt ließ mich rasen vor Wut und Ohnmacht, ihre hasserfüllten Krallen gruben sich tief in meine Haut. Ich wollte weinen, mehr noch, meine Seele flehte mich an zu weinen, diesen verbissenen Kummer herauszulassen, an dem ich qualvoll zu ersticken drohte. (Seite 20)

Die Angewohnheit der allermeisten Leute, negative Umstände hinzunehmen, als hätten sie es nicht anders verdient, wie eine berechtigte Strafe für irgendeine Sünde, ist erstaunlich. Ich fürchte allerdings, dass sie sich nicht aus freuen Stücken in stoischer Gelassenheit üben. Vielmehr ist dieses Verhalten ein beweis für den grauen Konformismus, den wir mit der Muttermilch einsaugen und der in bedrohlichen Situationen umso sichtbarer wird. (Seite 32)

Wahre Liebe bedeutet, auch den dunklen, niederträchtigen Teil zu akzeptieren, den wir alle in uns tragen. (Seite 189)

Die Seele ist eine Hellseherin. (Seite 361)

 

Für ‘ne Moment – Wolfgang Niedecken

Die Kunst, die mir wichtig war, ließ viele Deutungen offen. Sie enthielt Trauer, Sehnsucht und Hoffnung und erzählte von der Utopie, dass die Welt auch anders sein könnte. Doch sie bevormundete nicht und schrieb niemandem vor, was er zu tun und zu lassen hatte. (Seite 41)

Manchmal muss man das Fernglas umdrehen, um die Größe der Dinge wieder richtig einschätzen zu können. (Seite 43)

Man sollte nicht immer damit beginnen, eine von der Gunst des Zufalls herbeigeführte Begegnung als etwas Zwangsläufiges und Bleibendes zu deuten. Manchmal ist es besser, dem Schatten, den die Vergangenheit wirft, auszuweichen, um nicht von ihm verschluckt zu werden. (Seite 68)

Ich fuhr rückwärts und blickte in die Vergangenheit, aber ich wusste, dass ich dennoch auf dem Weg war, der Zug fuhr mit mir in eine Zukunft, die ich kaum erwarten konnte. (Seite 103)

Was Heinrich Böll 1969 […] schrieb, hat seine Gültigkeit bis heute nicht verloren: Die katholische Kirche wird noch immer feudalistisch wie eine Mafia regiert. Der einzige Trost dabei ist, dass man sie verlassen kann, ohne sein Leben zu riskieren. (Seite 122)

Ich war selbstgerecht, so selbstgerecht und unbarmherzig, wie es nur einer Jugend zusteht, die sich nicht mehr mit Ausflüchten abspeisen lassen will. (Seite 145)

Freiheit ist manchmal nur ein anderes Wort für Alleinsein. (Seite 275)

Songs dürfen das Privileg haben, das Unmögliche zu fordern. Sie dürfen naiv sein, wenn sie vom noch nicht Realisierten träumen, sie dürfen sich das Prinzip Hoffnung bewahren, auch wenn die Welt aller Hoffnung hohnspricht. (Seite 299)

Wesen mit Federn interessieren sich nicht für Grenzen, sie überfliegen sie einfach. Und Wörtern gelingt das manchmal eben auch. (Seite 305)

Nur der, der weiß, dass alles seine Zeit hat, auch der Tod, weiß wirklich, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein. (Seite 309)

Wer nichts bereut ist entweder ein Gott oder leidet an Größenwahn. (Seite 408)

Wir zogen die Gegenwart jeder Nostalgie vor, doch wir wussten auch, dass man ganz im Moment aufgehen und trotzdem voller Erinnerungen sein kann. (Seite 423)

Der Tag, an dem ich begriff, dass man nicht allen Ansprüchen genügen kann, war ein guter Tag. (Seite 452)

Auch wenn wir noch so fest daran glauben wollen, das der Prozess der Zivilisation nur in eine, und zwar in die richtige Richtung verläuft, in diejenige fortschreitender Aufklärung, verfeinerter Kultur und achtsameren Miteinanders – es entspricht, wie die Geschichte nicht nur des afrikanischen, sondern auch die aller anderen Kontinente zeigt, einfach nicht der Wahrheit. (Seite 492)

 

Seelenhüter – Laura Whitcomb

Eine gute Seele singt der Trauer ins Gesicht, steht auf und lebt bewusst jeden Morgen, den sie zur Verfügung hat. (Seite 315)

 

Zwei an einem Tag – David Nicholls

Der konventionelle Ratschlag lautete “Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre”, aber wer hatte schon die Kraft dazu? Was, wenn es regnete oder man kränkelte? Es war einfach nicht machbar. Da war es weit besser, sich zu bemühen, gut, mutig und unerschrocken zu sein und etwas zu verändern. Vielleicht nicht gleich die ganze Welt, nur das kleine Stück um dich herum. Geh da raus mit deiner Leidenschaft und der elektrischen Schreibmaschine und arbeite hart… woran auch immer. Vielleicht das Leben mit Hilfe der Kunst verändern. Schreib etwas Schönes. Kümmer dich um deine Freunde, bleib deinen Prinzipien treu, lebe dein Leben gut, leidenschaftlich und in vollen Zügen. Mach neue Erfahrungen. Liebe und werde geliebt, wenn es irgendwie geht.

 

Vor dem Morgen liegt die Nacht – Claudia Breitsprecher

Und sie freute sich auf Berlin, auf die alten Freundinnen und Freunde und auf den Frühling mit blühenden Forsythien und sonnigen Straßencafés. Sie würde eintauchen in das Gewühl der City, die vertrauten Orte besuchen und samstags über einen der quirligen Märkte schlendern und sich am kodderigen Ton ergötzen, mit dem die Menschen einander rüde liebkosten. Wie eine lange vermisste Gefährtin war ihr die Stadt, treu und doch in stetem Wandel, launisch und anspruchsvoll, eine atemberaubende Diva, an der es immer neue Facetten zu entdecken gab. (Seite 17)

Glück war zerbrechlich, Liebe gar Wahnsinn. War es nicht leichter, sich in der Monotonie eines vorhersehbaren Alltags einzurichten, als dem Auf und Ab unsteter Gefühle ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung auch immer das bangen durchleiden zu müssen? (Seite 39)

Sie war unordentlich und sie war träge, aber was immer auch geschah in ihrem Leben, ein hartnäckiger Rest abscheulicher Manierlichkeit ließ sich nicht vertreiben. (Seite 40)

Friedrich war achtzehn, als er mit Pinsel und Farbe Worte des Hasses an die Türen seiner Nachbarn schmierte und ihnen die Scheiben einschlug. Johannes war siebzehn, als er half, die Scherben zusammenzukehren und mit Bürste und Schwamm versuchte, die Schmähungen wieder abzuwaschen und dabei doch begriff, dass seine Mühe vergeblich war, dass die Buchstabend den Putz der Häuserwände längst durchdrungen hatten, in Schichten eingesickert waren, die tiefer lagen und die kein Schwamm und keine Bürste zu erreichen vermochte.           (Seite 121/122)

Die meisten Menschen sind so verunsichert, dass sie sich mit Statussymbolen eindecken müssen, um ihre Sorgen nicht zu spüren. (Seite 168)

Die Menschen interessieren sich nur für das, was Teil ihrer eigenen Erfahrungswelt ist. (Seite 181)

Manchmal liegt alles Sein in einem einzigen Augenblick, in einem blühenden Garten außerhalb der Zeit, in dessen sinnlicher Fülle alle Fragen sich auflösen, alle Ängste sich verlieren und alle Sorgen bedeutungslos sind […].     (Seite 205)

Vielleicht war das ja immer so. Vielleicht war es stets das Unerwartete und Ungeplante, das aus einem Dasein ein Leben werden ließ. (Seite 240)

Wohin war der Mut, von dem jeder ihrer Aufbrüche kündete? Was blieb übrig, wenn die Vasen eingepackt und ihre Bilder von den Wänden genommen waren, wenn der Duft eines Lebens durch geöffnete Fenster entwich? Gab es wirklich nur ein ewiges Jetzt ohne irgendeinen Sinn? (Seite 285)

War das Liebe? Oder war es Dummheit? Oder gab es am Ende keinen Unterschied? (Seite 286)

 

Das Labyrinth der Wörter – Marie-Sabine Roger

Ob Sie es glauben oder nicht, in dem Moment habe ich entdeckt, was es für ein Gefühl ist, wenn sich jemand für einen interessiert. Falls Sie es nicht wissen, kann ich Ihnen sagen: Es ist ganz schön komisch. (Seite 18)

Es war seltsam, ich hatte das Gefühl, dass wir Freunde waren. Ich meine, nicht wirklich, aber so was in der Art. Inzwischen habe ich das Wort gefunden, das mir fehlte: Vertraute. (Seite 20)

Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren zu können. (Seite 21)

Denn vor diesem Tag, da habe ich eben gedacht oder nicht gedacht. Entweder das eine oder das andere. Und wenn ich dachte, dann hielt ich mich nicht weiter damit auf, es passierte im Grunde ohne mich. Wenn ich dachte, dann ganz ohne zu überlegen. (Seite 58)

Ich glaube, an diesem Abend hatte ich eine Art Intelligenzanfall. (Seite 60)

Wir sind nur auf Erden, um Dinge weiterzugeben, wissen Sie… Zu lernen, seine Spielsachen zu teilen, ist wahrscheinlich die wichtigste Lektion, die man sich im Leben aneignen muss. (Seite 72)

“Tatsächlich… Ich bin beeindruckt, Germain, Sie haben ein hervorragendes auditives Gedächtnis!”  “Ach was, ich kann mir nur ganz gut merken, was ich höre.” (Seite 94)

Landremont, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist, sagt immer: “Was dich nicht umbringt, macht dich stark.” Das soll also das Leben sein: Entweder du bist stark, oder du bist tot? Was für eine Scheißauswahl. (Seite 104)

Nun ja, das Privileg des Alters ist: Wenn man sich langweilt, dann weiß man wenigstens, dass es nicht mehr für lange ist. (Seite 150)

 

Geschrieben für Dich – Sylvia Brownrigg

Durch die Tage stolperte sie, nachts jedoch schwamm sie frei durch die kühlen Gewässer ihrer Einbildungskraft. Im Dunkeln war ihr Körper seiner schüchternen Entschuldigung ledig, und ihre jungen Hände wanderten über ihr Fleisch, wie zum ersten mal. (Seite 22)

Die Träume sagten etwas anders. Unausweichlich. Das tun Träume mit Vorliebe. Verhöhnen dich mit einer frivolen Lebhaftigkeit, die du dir tagsüber verbittest. Schnüffeln in den Schränken in deinem Kopf, durchwühlen die Vorratskammern, stoßen auf Hoffnungen oder Erkenntnisse, von deren Existenz du nichts wusstest. Farben, die du nie zuvor bewusst wahrgenommen hast. Witze von einem Geistesreichtum, den du dir nie zugetraut hättest. (Seite 38)

Es war wie Fliegen. Es war die Geschichte, die du deinem wachen Ich vor den Einschlafen erzählst, in der Gewissheit, dass sie nie die volle, helle Schärfe der Wirklichkeit annehmen wird. (Seite 95)

Flannery hatte nie überlegt, dass das Wort “Schmerz” buchstäblich so gemeint sein könnte, wenn es auf das Herz gemünzt war. Schmerz dieser Art war doch gewiss Einbildung, ein Wort für Liedermacher, ein praktischer Reim auf “Herz”. Er war nicht ernstzunehmen. Doch, das war er. Noch etwas, das sie lernen musste. Das Herz schmerzte, in der Tat. Sie verspürte eine dumpf mahlende Leere in der Nähe ihres Zwerchfells, ein Schmerz, der den Platz von etwas einnahm, das entfernt worden war. Ein Phantomglied. Ein nagender Hunger namens Verlangen.          (Seite 150)

Es ist eine alte Geschichte. Eine der ältesten. Sie hätten nicht so weit reisen müssen, um sie zu erleben: Lust – pure, unverhüllte Lust – muss benannt und bestraft werden. Wie sonst könnten wir hoffen, die Ordnung der Welt aufrechtzuerhalten? (Seite 217)

Menschen können sich Orten ebenso verwandt fühlen wie anderen Menschen. (Seite 247)

Solche Nächte gibt es, und wir überleben sie. Es geht darum, neben dem geliebten Leib zu schlafen, den du nicht länger lieben darfst oder magst. Egal, ob du diejenige bist, die sich trennt, oder diejenige, die verlassen wird; egal ob deine Arme diejenigen sind, die zurückweichen, oder diejenigen, die sich verlangend ausstrecken und sich dann im Bewusstsein, nicht länger erwünscht zu sein, zurückziehen. […] Körper, deren nächtliche Daseinsform dem anderen schon bald nicht mehr vertraut sein wird: Sie werden sich getrennt durch Jacken und Jeans und die abgekühlte Luft zwischen neuerlichen Bekannten berühren, wen so etwas zwischen Ex-Geliebten überhaupt möglich ist. (Seite 275)

 

Als das Cello vom Himmel fiel – Ivan E. Coyote

Die freundlichsten Menschen sind, die denken, dass sie dich nie wieder sehen. (Seite 84)

Es gibt keinen Typ Frau, der einem Mann erlaubt, sie zu schlagen. Es gibt nur den Typ Mann, der seine Frau schlägt. (Seite 154)

Lass dich ja nicht dazu verleiten, Frauen für das schwache Geschlecht zu halten, Joseph. Von ihnen wird einfach nur erwartet, dass sie sich mehr Scheiß gefallen lassen als wir. (Seite 154)

Kleinstädte haben die Eigenart, dir bei der erstbesten Gelegenheit genau die Dinge oder die Menschen über den Weg zu schicken, denen du am wenigsten begegnen möchtest. (Seite 220)

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Ein Kommentar zu “[Challenge] Gesammelte Schätze – Juni

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