[Challenge] Gesammelte Schätze – Juli

Zweilicht – Nina Blazon

Der ganze Raum war erfüllt von Träumen. Wenn sie die Augen schloss konnte sie sie sogar hören – dünne Stimmen, die von Dingen erzählten, die ihr fremd waren. (Seite 10)

„Ich komme morgen wieder zu dir“, flüsterte sie. „Ich habe dich umarmt. Du gehörst mir.“ (Seite 25)

Es geht immer um das Abschiednehmen, Sohn. Wir müssen lernen, die Abschiede zu umarmen. (Seite 55)

Er ist…wie ein Vulkan, der denkt, er sei ein Gletscher. (Seite 133)

Verkehr hätte hier rauschen, die Werbetafeln farbige Lichtreflexe auf Scheiben werfen müssen. Doch es war still. Nur die Götterbäume wisperten in einer Brise und irgendwo bellte ein Fuchs. (Seite 257)

Wir glauben gern, dass etwas geschieht, während wir reden. Die Wahrheit ist, dass alles Wichtige geschieht, während wir schweigen. (Seite 337)

Und vielleicht geht es ja gerade darum, dachte er. Neue Enden für alte Geschichten zu finden. (Seite 351)

Er glaubte, inzwischen so ziemlich alles über Unglück zu wissen, aber jetzt lernte er so einiges über Glück: dass es einfach da sein konnte, auch wenn alle Wahrscheinlichkeiten und die Vernunft dagegen sprachen. Dass es Finsternis in Goldlicht verwandelte. Und dass sogar dann, wenn der Tod seine Finger nach ihnen ausstreckte, nichts so wichtig war wie dieser Augenblick. (Seite 352)

Eines habe ich gelernt: Wer liebt, wird leichtsinnig. Das Mädchen ist listig, aber es gibt immer einen Weg in ein verwundbares Herz. An der Stelle, an der es am heißesten brennt. (Seite 353)

 

Superhero – Anthony McCarten

Sophie: Hast du jemals geweint, Adrian? Weinst du eigentlich nie?
Adrian: Manchmal schon. Beim Cricket. […] Wie die meisten Männer weine ich, wenn es nicht wichtig ist. (Seite 100)

Jahre vergehen. Seine Gefühle sind nun schon so lange eingepfercht, dass sie für immer gezähmt sind. (Seite 160)

Donald: Wie ist das, wenn man Sex hat? […]
Tanya: Nun, wenn du mit der Richtigen zusammen bist…ich glaube, man könnte sagen, das ist…eine Art Wettbewerb. Ihr wollt beide, dass der andere gewinnt. (Seite 232)

Warum bewahren wir die Fassung, überlegt Adrian, warum sind wir konform, warum bleiben wir (darauf läuft es doch hinaus), wer wir sind? Weil wir immer das Schlimmste befürchten? Bauen wir unser ganzes Leben immer nur als Verteidigungsstellung gegen das Schlimmste auf, das uns widerfahren könnte? Das Merkwürdige ist: Wenn die meisten von uns nur einen unklaren oder sogar überhaupt keinen Begriff davon haben, was dieses Schlimmste ist, warum lassen wir dann jede unserer Handlungen von unserer Angst bestimmen? Wenn wir uns nur einen Augenblick lang vorstellen – denkt Adrian, als er über den Marmorboden schreitet, direkt aus dem Sitzungsraum, noch das vernichtende Urteil im Ohr, doch nicht überrascht von der Entscheidung – , wenn wir uns also vorstellen, dass das Schlimmste, sollte es jemals eintreffen, nicht halb so schlimm ist, wie wir gedacht haben. Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir stellen uns vor, dass dieses Schlimmste in Wirklichkeit das Beste ist, was uns überhaupt geschehen konnte. Wie schockierend hätten wir damit bewiesen, wie sinnlos all die Vorsicht unseres Lebens ist? (Seite 299 / 300)

 

Adrian Mayfield / Auf Leben und Tod – Floortje Zwigtman

[…] ich fürchte, die Menschheit wird immer Ausreden finden, um zu hassen. Wenn nicht im Namen der Religion, dann im Namen der Sittlichkeit oder, Krönung der Torheit, der Veredelung der Rasse. (Seite 50)

„Er sieht nicht, dass dieser Baum verzaubert ist. […] Er glaubt, das hier wäre ein hässlicher alter Apfelbaum. Aber das ist er nicht. Wenn du weißt, wie du hingucken musst, wirst du entdecken, dass alles eine verborgene Schönheit hat, selbst die gewöhnlichsten Dinge. Dann kannst du Glück aus dem Nichts zaubern und Menschen, Tiere und Bäume mit Schönheit bekleiden, bis die ganze Welt verzaubert scheint. Das ist Magie. Das hat ein Mann in London mir beigebracht.” “Ein Zauberer?” […] “Ja, ein Zauberer. Und was er mir beigebracht, ist ein großes Geheimnis. Die Leute in London wollen ihn dafür ins Gefängnis stecken. […] Heute Nacht, wenn ihr schlaft, fliegen die Lampions in den Himmel und brennen dort weiter, zwischen den Sternen, damit er sie in London auch sehen kann.“ (Seite 264)

In den letzten Wochen musste die Welt größer geworden sein oder ich kleiner. Nie war mir der Himmel so hoch vorgekommen und hatten die Gebäude solch lange, dunkle Schatten geworfen, waren die Straßen so breit gewesen und so voller Menschen. […] Zu groß! Zu laut! Zu voll! Zu viel, zu viel, zu viel!, schrie die Panik in mir. […] Ich wusste, dass ich es nicht ertragen würde, berührt zu werden. Meine Haut war zu dünn, fast verschwunden, meine Nerven lagen blank… (Seite 468)

Ich bleib zurück mit meinem Herzschlag und meiner Atmung, die mir erzählten, dass ich lebte, dass ich alles überlebt hatte. Der Schmerz, die Panik, die Liebe und der Hass und die Enttäuschung lagen sicher in meinem lebendigen Fleisch begraben. (Seite 475)

Zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich etwas, das mehr war als vage, abgestumpfte Trauer, Müdigkeit und Langeweile. Kein Schmerz, keine Verzweiflung. […] Was ich fühlte, war die Hoffnungslosigkeit aller Dinge, die unmöglich waren. (Seite 481)

“Ich kann nicht gehen.” “Wenn du nicht gehen kannst, dann tanzen wir.” (Seite 510)

Ich hatte zu lange tatenlos die Entscheidungen des Schicksals abgewartet, um diese noch ohne Widerworte akzeptieren zu können. Ich wollte selbst derjenige sein, der die Entscheidung traf, glücklich zu sein, aber notfalls auch unglücklich. Wenn ich genug von den Tränen hatte, würde ich lachen; wenn das Lachen wehtat, würde ich weinen. Ich würde selbst die Wahl treffen, wie verdammt schwierig das auch werden mochte. Jedes Wort in meinem Buch würde ab jetzt von mir sein. (Seite 576)

Ich blieb stehen, gefangen in seinem Griff, im strömenden Regen, und ließ die Tropfen wie Tränen über meine Wange rollen. “Ich liebe dich”, sagte ich, “und ich bereue gar nichts.“ (Seite 603)

 

 

 

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