Archiv | August 2011

Wahre Worte #28

 

alte_buecher

 

When writers die they become books, which is, after all, not too bad an incarnation. 

~Jorge Luis Borges 

 

 

 

 

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Alles, was wir geben mussten – Kazuo Ishiguro

Kazuo  Ishiguro - Alles, was wir geben musstenVielen Dank an btb für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Never let me go

Verlag: btb

ISBN: 978-3-442-74266-0

Bekommen: 16.08.2011

Angefangen: 23.08.2011

Ausgelesen: 26.08.2011

Gelesene Seiten: 352

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 15.936

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen …

Zitate:

Sie warten also, wenn auch unbewusst, auf den Augenblick, in dem Sie erkennen, dass Sie tatsächlich anders sind; dass dort draußen Menschen sind wie Madame, die Ihnen weder Übles wollen noch Hass gegen Sie empfinden, und doch schon beim Gedanken an Ihre Existenz, an die Art und Weise, wie Sie zur Welt kamen und warum, erschaudern und sich vor der Vorstellung Wenn Sie sich das erste Mal mit den Augen einer solchen Person sehen, wird Ihnen kalt ums Herz. Es ist, als sähen Sie einen Spiegel, an dem Sie jeden Tag Ihres Lebens vorbeigekommen sind, und auf einmal zeigt er Ihnen etwas anderes, etwas Fremdes, Verstörendes. (Seite 50)

 Rezension von Heike mit Infos zu Verfilmung und Autor

Das verbotene Eden/David und Juna – Thomas Thiemeyer

Danke an pan für dieses Rezensionsexemplar:)

Verlag: Pan

ISBN: 978-3-426-28360-8

Bekommen: 21.08.2011

Angefangen: 24.08.2011

Ausgelesen: 25.08.2011

Gelesene Seiten: 464

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

Männer und Frauen. Feuer und Wasser. David und Juna.
Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen. Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer …

Rezension:

2080: Durch ein mutiertes Virus hat es die Menschheit geschafft, sich an den Rand der Ausrottung zu katapultieren. Männer und Frauen sind nicht mehr in der Lage zusammen zu leben und bekämpfen sich bis aufs Blut. Fünfundsechzig Jahre schon wütet der Hass. Aber als die junge Kriegerin Juna dem Mönch David begegnet, scheint das Undenkbare in den Bereich des Möglichen zu rücken. Ein Mann, der sich in eine Frau verliebt und eine Frau, die seine Liebe erwidert. Ist ihre Liebe der Silberstreif am Horizont oder der endgültige Untergang?

Ich habe mich schon sehr oft gefragt wie es wohl wäre, wenn plötzlich gleichgeschlechtliche Liebe die Norm wäre und Heterosexualität das, was aus dem Rahmen fällt. Ein interessantes Gedankenspiel, dem sich offenbar auch Thomas Thiemeyer nicht entziehen konnte. Eine Welt, in der Männer und Frauen sich abstoßend finden, sich sogar hassen und bekämpfen und in der eine Beziehung zu einem Vertreter des anderen Geschlechts als totales Absurdum gilt.

Eine wirklich interessante Welt, die der Autor da erschaffen hat. Eine eigentlich ganz simple und doch hochspannende Idee für eine Dystopie.

Dabei hat er sich bei der Erschaffung seines Eden-Universums richtig ins Zeug gelegt und einen durchaus überzeugenden Rahmen geschaffen für seine Geschichte einer verbotenen Liebe, und auch die ganz entfernte Anlehnung an das bekannteste Werk William Shakespears ist durchaus gelungen und gewollt.

Eine mittelalterliche Welt, in der es Überbleibsel der Moderne gibt – das hat schon was. Dass “Die alte Stadt” nicht irgendeine fiktive Stadt ist, sondern eine real existierende, bekannte Stadt, hat mir extrem gut gefallen und auch, dass man zwar gleich zu Anfang darauf kommen kann welche es ist, sich der Verdacht aber für den ein oder anderen vielleicht erst langsam im Laufe der Story bestätigt und der Name nie genannt wird, hat mich sehr angesprochen.

Die Charaktere sind gut durchdacht und durchaus überzeugend, auch wenn Junas Sinneswandel mir an einer Stelle ein bisschen zu plötzlich kam. Aber das ist ein Kritikpunkt, über den man aufgrund der sonstigen Qualität des Plots fast hinwegsehen kann.

Die wechselnde Erzählperspektive bietet dem Leser die Möglichkeit die Welt aus der Sicht der Männer und der Sicht der Frauen zu sehen und trägt sehr gut zum Verständnis der jeweiligen Situationen bei. Dass sich die Institution Kirche auch in dieser Welt durchsetzen konnte hat mich zuerst ein wenig genervt, aber realistisch betrachtet nicht wirklich gewundert. Eine Institution, die von Intoleranz, Hass und Diskriminierung lebt, MUSS in einer solchen Welt einfach Konjunktur haben.

Der Anfang war ein wenig schleppend, aber die Story nahm dann doch noch ordentlich Fahrt auf, weshalb ich gerne vier Sterne vergebe und auf den nächsten Band aus Thomas Thiemeyers Feder schon sehr gespannt bin.

Zitate:

Männer, die Frauen lieben”, sagte der Irokese. “Was für’n perverser Scheiß. Bei der Vorstellung dreht sich mir der Magen um.” (Seite 187)

Der Teufel stand Pate, als das Weib erschaffen wurde. Wie sonst hätte er so viel Versuchung und Verlockung in ein einzelnen Geschöpf legen können? (Seite 419)

Leseprobe

 

Thomas Thiemeyer

 

Thomas Thiemeyer, geboren 1963, lebt in Stuttgart und arbeitete zunächst als Illustrator. Nach fünf rasanten mystischen Wissenschaftsthrillern – zuletzt „Korona“ –, entdeckte er mit den „Chroniken der Weltensucher“ höchst erfolgreich das Jugendbuch für sich. Mit „Das verbotene Eden – David und Juna“ beginnt ein neuer großer Zyklus, der in einer bedrohlichen Zukunft spielt. Mehr Informationen zum Autor unter www.thiemeyer.de

 

 

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Mortal Kiss: Ist deine Liebe unsterblich? – Alice Moss

Danke an  ink für dieses Rezensionsexemplar:)

Originaltitel: Mortal Kiss

Verlag: Egmont-Ink

ISBN: 978-3863960186

Bekommen: 12.08.2011

Angefangen: 22.08.2011

Ausgelesen: 22.08.2011

Gelesene Seiten: 347

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 15.584

Bewertung:

Klappentext:

Als ihre Blicke sich zum ersten Mal treffen, steht für Faye die Welt still. Ihr Herz erinnert sich an diesen Jungen, scheint ihn seit einer Ewigkeit zu kennen. Dabei sind sie sich nie begegnet. Doch Finn gibt sich distanziert, geht ihr demonstrativ aus dem Weg. Ganz im Gegensatz zu Lucas, der mit Faye flirtet, als gäbe es kein Morgen. Faye weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Und das ausgerechnet jetzt, wo alles um sie herum aus den Fugen gerät: Unheimliche Wölfe streifen durch die Wälder, eine Motorradgang hält die Stadt in Atem und die Polizei findet die Leiche eines Fremden im Schnee. Der Tote trug ein Foto bei sich. Ein Foto von Faye.

Rezension:

 Faye und Liz sind beste Freundinnen; gehen zusammen zur Schule und shoppen. Winter Mills, ein beschauliches Städtchen versinkt zur Verwunderung der Einwohner mitten im September schon im Schnee als sich die Ereignisse plötzlich überschlagen. Wölfe werden gesichtet, eine im Wald zeltende Motoradgang zieht die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich und ein Mord geschieht. Das alles ist für Faye und Liz allerdings erst in zweiter Linie wichtig, denn da sind auch noch Lucas, der mit seiner berühmten und scheinbar schwerreichen Mutter auftaucht und Finn, das jüngste Mitglied der Motoradgang von dem sich Faye unerklärlich stark angezogen fühlt.

Was macht einen guten Roman aus? Eine innovative Idee? Gut ausgearbeitete Charaktere mit denen man sich identifizieren kann? Ein flüssiger Schreibstil, der es einem leicht macht, dranzubleiben? Wenn nicht wenigstens ein oder zwei Dinge davon zutreffen, dann wird es meiner Meinung nach schwierig für den Leser.

Deshalb hat auch „Mortal Kiss“, Alice Moss Erstlingswerk, mich nicht überzeugen können.

 Man muss sicher das Rad genauso wenig neu erfinden, wie eine Mädchen-liebt-Junge/Junge-liebt-Mädchen Geschichte mit fantastischem Hintergrund. Trotzdem wären ein paar eigene Ideen wirklich nett gewesen! Es genügt nicht die Tagebuch eines Vampirs-Reihe von Lisa J. Smith einmal durchzurühren, mit ein paar weiteren Klischees zu versehen und das Ganze dann als großartige Liebesgeschichte zu verkaufen.

Ziemlich zügig werden die vermeintlich wichtigsten Zutaten für einen Jugend-Fantasyroman abgearbeitet. Man hat den Eindruck, als würden einfach nur Stichpunkte eines (noch dazu unstrukturierten) Exposés abgearbeitet. Die Jungs erscheinen auf der Bildfläche, Herzklopfen stellt sich ein, ein Mord geschieht, der Bösewicht betritt die Bühne und ein bisschen Übernatürliches darf auch nicht fehlen

Dass trotzdem erst im letzten Drittel des Buches dann der übernatürlich / mysteriöse Teil anfängt, liegt hauptsächlich an der ziemlich ausführlichen Beschreibung von Make-up und Klamotten von Faye und Liz. Eine auch nur im Ansatz tiefergehende Charakterisierung der Protagonisten findet jedenfalls nicht statt und die Autorin schafft es nicht, Emotionen so zu schildern, dass man mitfiebern oder sich in die Gefühlswelt von Faye oder der anderen Personen hineinversetzen kann. Der übernatürliche Teil konnte es dann leider auch nicht mehr rausreißen.

Warum die am Anfang des Romans gefundene Leiche später nicht weiter erwähnt wird, warum Lucas und Finn sich von Anfang an so gar nicht riechen können und ob es normal ist, dass 16-jährige Teenies teure Spiegelreflexkameras mit zum shoppen und auf Partys nehmen, ist mir leider nach wie vor völlig unklar.

Ein Teil der oben geäußerten Kritik ist vielleicht allerdings auch der Übersetzung geschuldet. Ich habe ein wenig den Eindruck, als gebe es zur Zeit zu wenig gute Übersetzer für die vielen Neuerscheinungen. Textstellen wie diese tragen leider ganz und gar nicht zum Lesevergnügen bei: „Sie sah die ganze Zeit auf seine kleine Haartolle und versuchte herauszufinden, ob seine Frisur süß war, wie Faye zu denken schien, oder einfach nur blöd. Doch dieser Gedanke brachte Faye und Lucas wieder aufs Taplet, und das war einfach unerträglich grässlich.“ (Seite 71) „Er gab ihr einen zarten Kuss auf den Mund, der sie flau in den Knien werden ließ.“ (Seite 346)

Ja, das Cover ist ein bisschen kitschig. Ja, der Titel auch. Aber so will man‘s ja schließlich gelegentlich haben, oder? Mir gefällt die Aufmachung jedenfalls gut, lediglich ein Lesebändchen fehlt.

Fazit: Sicher keine völlig verschwendete Lesezeit, aber auf Folgebände werde ich verzichten.

Angriff aus dem Netz – Brian Falkner

Vielen Dank an    für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Brainjack

Verlag: dtv

ISBN: 978-3-423-24841-9

Bekommen: 03.08.2011

Angefangen: 22.08.2011

Ausgelesen: 23.08.2011

Gelesene Seiten: 420

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Man muss schon ziemlich ausgebufft sein, um das Computersystem des Weißen Hauses zu knacken. Ein Superhirn, ein teuflisches Genie. Oder Sam Wilson, der 16-jährige Computerhacker, der zu seiner eigenen Überraschung zu einem Sicherheitsrisiko für die USA wird. Dabei wollte er nur Spaß haben, sehen, wie weit er mit seinen kleinen Tricks und Kniffen kommt.

Zu weit, meinen die Verantwortlichen der Cyber Defense Division und ziehen Sam auf ihre Seite. In der Abteilung zur Abwehr von Cyber-Verbrechen steht Sam plötzlich einem unglaublich starken Feind gegenüber …

Rezension:

Als Sam wegen eines Megahacks verhaftet wird, sieht er sich schon die nächsten Jahre hinter Gittern. Aber dann bietet ihm die CDD, eine Spezialeinheit der Homeland Security einen Job im Silicon Valley an. Zusammen mit anderen ehemaligen Hackern wird ihm die Verantwortung für die Cybersicherheit des ganzen Landes übertragen und plötzlich steht Sam einem Feind gegenüber, der unschlagbar zu sein scheint.

Was, wenn das Internet plötzlich Zugriff auf dein Gehirn hat? Auf die Gehirne aller Nutzer. Was, wenn es sich verselbständigt? Was, wenn plötzlich das Netz selbst dein größter Feind ist?

Mit “Der Tomorrow-Code“ hat Brian Falkner mich im letzten Jahr sofort überzeugt. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an seinen zweiten in Deutschland veröffentlichten Thriller und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil!

“Angriff aus dem Netz” steht seinem Vorgänger wirklich in nichts nach und fesselt den Leser von der ersten bis zu letzten Seite. Unglaublich spannend hält es einen in Atem und man hat keine Ruhe, bis auch die letzte Seite verschlungen ist.

Wie auch in seinem fulminanten Debut hat es Falkner geschafft seinen Figuren und Schauplätzen Leben einzuhauchen und seiner Story einen passenden Rahmen zu verleihen. Besonders gefallen haben mir seine wirklich grandiosen Beschreibungen von Las Vegas und die feinfühlige Schilderung der Beziehungen untereinander.

Wem “Der Tomorrow-Code” gefallen hat, sollte sich diesen Cyber-Thriller auf keinen Fall entgehen lassen. Viel mehr Spannung geht einfach nicht und man bleibt unweigerlich mit der Frage zurück, wie futuristisch das Szenario wirklich ist, das Falkner darstellt. Sind wir wirklich so weit von der absoluten Kontrolle entfernt? Und wie nah ist der Mensch der Auslöschung durch die eigene Spezies wirklich?

Zitate:

“Wir sind unsere eigenen Erinnerungen”, sagte Dodge plötzlich. “Sonst sind wir nichts. Die Erinnerungen machen uns zu dem, was wir sind. Die Summe aller Erinnerungen, vom Tag unserer Geburt an. Wenn du sämtliche Erinnerungen eines Menschen gegen die eines anderen Menschen austauschst, wird er ein anderer Mensch. Dann denkt, fühlt und handelt er anders.” (Seite 297)

“Alles, was ich weiß, ist Erinnerung”, fuhr Sam nachdenklich fort. “Jeder Mensch, den ich jemals im Leben kennengelernt habe, alles, was ich jemals getan habe. Alles könnte falsch sein. In mein Gehirn implantiert.” Es war ein atemberaubender, ein entsetzlicher Gedanke. Was wäre, wenn nichts wirklich gewesen wäre, was er jemals erlebt hatte? Waren die Leute, die er als Vater und Mutter kannte, wirklich seine Eltern? Hatte Fargas jemals gelebt, außerhalb von Sams Gedankenwelt?“ “Ich glaube, du würdest es wissen”, sagte Vienna leise. “Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, du würdest es wissen.” (Seite 299)

War es wirklich nur wenige Monate her, dass er ein Schüler in New York City gewesen war? Die Stadt, in der er seit seiner Geburt gelebt hatte. Wochen, Monate, Jahre waren vergangen, aber seine Welt war immer mehr oder weniger die gleiche geblieben. Zur Schule gehen. Mit Fargas rumhängen. Abendessen mit seiner Mutter. Aber seither war er offensichtlich von eine, Tornado gepackt und von einem Ereignis zum nächsten gewirbelt worden, ohne jemals genug Zeit zu finden, Atem zu holen und nachzudenken. Aber vielleicht war es auch ganz gut so. Denn wenn er erst einmal innehielt und sich die Zeit nahm, gründlich nachzudenken, stellten sich entsetzlich düstere Gedanken ein. (Seite 327)

Sam schloss die Augen. Als Kind hatte er sich manchmal gefragt, wie es wohl sei, wenn man tot war, Plötzlich tot. Ohne jede Vorwarnung, vielleicht durch eine Kugel, einen Herzstillstand, einen Hirnschlag. In einem Augenblick läufst du noch durch dein Leben, bist hundertprozentig lebendig, denkst an alles, und jedes, überlegst, was du zu Mittag essen willst und mit wem du nach der Schule anhängst. Und im nächsten Augenblick kommt alles zum Stillstand. Weil du tot bist. Du denkst an gar nichts mehr. Machst keine Pläne mehr. Weil es dich nicht mehr gibt. (Seite 352)

Leseprobe

 

Brian Falkner

ImageBereits in der Schule wusste Brian Falkner, dass er gerne Schriftsteller werden würde. Es vergingen 30 Jahre, bis sich sein Traum erfüllte – mit seinem ersten Jugendbuch, das 2003 veröffentlicht wurde. Heute ist er mehrfach preisgekrönter Kinder- und Jugendbuchautor. Nach dem Umweltthriller ›Der Tomorrow Code‹ erschien nun erstmals auf Deutsch in der dtv Reihe Hanser ›Angriff aus dem Netz‹ und weitere Bücher werden voraussichtlich folgen.

Brian Falkner lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Auckland, Neuseeland. Seine Hobbies sind Theaterspielen, Fotografieren, Rugby, Radfahren, Tauchen und Reisen.

Mehr über Brian Falkner erfährst du auf seinen Websites:

www.brianfalkner.co.nz 

www.tomorrowcode.com

und auf seiner facebook-Seite.
© Laura Falkner

Alles, was wir geben mussten – Kazuo Ishiguro

Kazuo  Ishiguro - Alles, was wir geben musstenVielen Dank an  btb für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Never let me go

Verlag: btb

ISBN: 978-3-442-74266-0

Bekommen:  16.08.2011

Angefangen: 19.08.2011

Ausgelesen: 22.08.2011

Gelesene Seiten: 352

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen …

Rezension:

Hailsham, ein Internat in England: Kathy, Ruth und Tommy sind Freunde und kennen sich, seit sie denken können, denn sie haben nie woanders gelebt. Es gibt keine Familien, bei denen die Kollegiaten ihre Ferien verbringen, kein Zuhause, außer Hailsham. Kollegiaten? Oder doch eher Insassen? Denn die Lehrer heißen in Hailsham Aufseher und für die Kinder und Jugendlichen, die hier leben, gibt es nichts außerhalb der Mauern und Zäune des Internats. Aber sie sind nicht unglücklich, denn sie wissen nicht, dass es da etwas geben sollte. Sie leben, lernen, weinen und lachen zusammen – bis sie ihrer Bestimmung, ihrem einzigen Daseinszweck, folgen müssen.

Neulich las ich im Kulturteil von Zeit-Online einen Artikel von Christoph Schröder über moderne Klappentexte und er bemängelt, dass offenbar in letzter Zeit besonders das Attribut “verstörend” mit der ganz großen Kelle verteilt wird. Nun, ich gebe ihm grundsätzlich recht und in neunzig Prozent der Fälle ist es nichts anderes als eine Masche des Verlages, um dem Buch eine interessante Note zu geben, die es in dem Maß gar nicht hat. Aber im Falle dieses Romans von Kazuo Ishiguro fällt mir kein einziges Wort ein, welches dieses Buch besser charakterisieren könnte.

Verstörend, wie die Ich-Erzählerin Kathy einfach so ihre Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die durch die streckenweise völlig wertungsfreie Erzählweise eine Dichte und Kraft aufbaut, die fassungslos macht. Die vielen unglaublich geschickt eingewobenen Stellen, die, der Erzählerin offensichtlich nicht wirklich klar, dem Leser umso spürbarer deutlich machen, wie ungeheuerlich die Situation der Hauptfiguren und, damit verbunden, der ganzen Welt ist, zeugen von großem Können und einem ausgeprägten Bewusstsein für Sprache.

Ishiguro verleiht seinen Charakteren eine so intensive Tiefe, dass man sich ihnen unmöglich entziehen kann. Die Schauplätze unterstreichen die teilweise klaustrophobische Atmosphäre beängstigend perfekt und geben der Geschichte einen vollkommenen Rahmen. Eindringlich beweist dieser Roman, dass es keiner künstlichen Dramatik, keiner Action und keiner großen Worte bedarf um eine Geschichte zu erzählen, die den Leser in tiefster Seele berührt und bis in seine Träume verfolgt.

“Alles, was wir geben mussten” entließ mich mit dem Gefühl absoluter Hoffnungslosigkeit und tiefer Traurigkeit. Verstört!

Stil und Aufbau können nur als herausragend bezeichnet werden. Herausragend aus einer Fülle von Büchern, die Herausragendes versprechen und am Ende allenfalls großartig sind.

Zitate:

Wichtig war uns etwas ganz anderes, nämlich, wie Ruth eines Abends, als wir in ihrem gefliesten Zimmer in Dover saßen und in den Sonnenuntergang hinausblickten, sehr treffend formulierte: “Wenn wir etwas Kostbares verloren hatten und es überall wie verrückt suchten, aber nicht fanden, brauchten wir trotzdem nicht völlig verzweifeln, weil wir uns als letzten Trost vorstellen konnten, dass wir eines Tages, wenn wir erwachsen wären und überallhin fahren könnten, nach Norfolk gehen und es dort wiederfinden würden.” (Seite 86)

Wenn heute jemand die Cottages erwähnt, denke ich an unbeschwerte Tage, an denen wir uns treiben ließen, uns gegenseitig in unseren Zimmern besuchten, denke daran, wie der Nachmittag gemächlich in den Abend überging und der Abend in die Nacht. Ich denke an meinen Stapel alter Taschenbücher, deren Seiten sich schon wellten, als hätten sie einst dem Meer gehört. Ich denke daran, wie ich sie las, an warmen Nachmittagen bäuchlings im Gras, während mir die Haare, die ich mir damals lang wachsen ließ, ständig in die Augen fielen. Ich denke daran, wie ich morgens in meinem Zimmer unter dem Dach der Schwarzen Scheune von Stimmen erwachte, die draußen in der Wiese über Dichtung und Philosophie diskutierten; und an die langen Winter, das Frühstück in dampfigen Küchen, an dahinplätschernde Gespräche über Kafka und Picasso. Es ging immer um solche Themen beim Frühstück; nie sprachen wir davon, wer mit wem die letzte Nacht geschlafen hatte oder warum Larry und Helen nicht mehr miteinander redeten. Aber gleichzeitig habe ich bei solchen Erinnerungen auch das Gefühl, dass dieses Bild von uns am ersten Tag, als wir uns dort vor dem Bauernhaus aneinander drängten, gar nicht so falsch ist. Denn in gewisser Weise sind wir aus diesem Bild nie so recht herausgewachsen, auch wenn wir uns das später einredeten. Tief im Inneren war ein Teil von uns immer noch so wie am ersten Tag: voller Furcht vor der Außenwelt und – egal, wie sehr wir uns dafür verachteten – nicht imstande, einander ganz loszulassen. (Seite 146/147)

Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht.    (Seite 266)

Website zum Film

Kazuo Ishiguro im Interview

Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er Englisch und Philosophie studierte. Schon sein Erstling »Damals in Nagasaki« wurde mit dem Winifred-Holtby-Award der Royal Society of Literature ausgezeichnet. Es folgten weitere Preise und Auszeichnungen: u.a. der Whitbread Award und der Cheltenham Prize. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 28 Sprachen übersetzt. Für »Alles, was wir geben mussten« erhielt Ishiguro 2006 den Corine Preis. Der Autor  lebt mit  Frau  und  Kind  in  London.

„Seufzen, vor Genuss. Auflachen, voller Mitleid. Kopfschütteln, in heilloser Verwirrung innehalten, verwundert, vorsichtig umblättern, langsam, weil so gierig – solcher Art sind die Reaktionen, die sich beim Lesen eines Romans von Kazuo Ishiguro einstellen können, etwa alle fünf Jahre, wenn ein neues Buch erscheint, was das Erlebnis um so kostbarer macht. Und wieder heißt es warten, für uns Süchtigen.“ [Die Zeit]

Es begann mit einem Kuss – Karin Kallmaker

Vielen Dank an krugschadenberg1 für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: The Kiss that counted

Verlag: Krug und Schadenberg

ISBN: 978-3-930041-67-1

Bekommen: Juni 2011

Angefangen: 14.08.2011

Ausgelesen: 18.08.2011

Gelesene Seiten: 336

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

CJ ist cool. Erfolgreiche Immobilienmaklerin. Mit dunkler Vergangenheit und einem Faible für schöne Frauen. Doch bleibt es bei Affären. Verbindlichkeit ist ihre Sache nicht. Ihr Koffer ist stets gepackt. Eines Tages gerät CJ in eine Polizeikontrolle. Nur knapp kann sie ihren Fluchtreflex bezwingen. Wegen eines Verkehrsvergehens muss sie Sozialstunden ableisten. In einem Frauenhaus. Dort begegnet sie Karita Hanssen, die sich ehrenamtlich engagiert. Karita verliebt sich in CJ, und CJ ist von der großherzigen nordischen Schönheit fasziniert. Doch kann CJ sich wirklich auf Karita einlassen? Wer ist CJ überhaupt? Wie lautet ihr richtiger Name? Und wovor ist sie stets auf der Flucht? Wird sie sich den dunklen Schatten ihrer Vergangenheit stellen und ihrer Liebe zu Karita eine Chance geben?

Rezension:

Als CJ, erfolgsverwöhnte Immobilienmaklerin, bei Sozialstunden in einem Frauenhaus die schöne Karita kennenlernt, ahnt sie gleich, dass die blonde Schönheit Schwierigkeiten für sie bedeuten. Denn CJ ist keine Frau, sie auf feste Beziehungen aus ist. Denn sie verbirgt ein Geheimnis und dieses Geheimnis zwingt sie dazu, allein zu bleiben und sich auf keinen Menschen intensiver einzulassen. Wird CJ auch jetzt wieder flüchten oder kann die Liebe ihr dieses Mal einen Ausweg zeigen?

Spannend, lustig, romantisch, traurig – Karin Kallmaker hat ihrem Namen als “Queen of Lesbian Romance” wieder alle Ehre gemacht und mich mit “Es begann mit einem Kuss” prächtig unterhalten.

Das Geheimnis um CJ ist toll ausgearbeitet und gibt der Lovestory einen wunderbaren Rahmen, der sie kurzweilig und spannend macht und der Schreibstil, dem die wirklich gute Übersetzung durchaus gerecht wird, ist wie immer wunderbar leicht und stellenweise richtig beschwingt, ohne den nötigen Ernst vermissen zu lassen. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet und man kann herrlich mit ihnen mitleiden, mitfiebern und vor allem mitlieben.

Der Originaltitel “The Kiss that counted” erscheint mir noch passender als der deutsche und trifft den Kern der Story ganz wunderbar.

Dieser Roman ist durch und durch ein Kallmaker. Genau das Richtige für einen gemütlichen Abend auf der Couch oder einen verregneten Samstag im Bett.

Zitate:

Was immer mir geschieht, geschieht, weil ich mich so entschieden habe – nicht weil ich dich liebe. (Seite 270)

Es war keine Frage von Frosch oder Prinzessin, keine Zerstörerin aller Magie sah sie voller Furcht und Verlangen an. Eine Frau, nichts weiter. Und doch – alles. (Seite 271)

Karitas Berührung war so überwältigend, so rückhaltlos, so etwas konnte man nicht stehlen, man konnte es nur geschenkt bekommen. (Seite 280)

 

Karin Kallmaker

Karin Kallmaker, 2009

Karin Kallmaker, Jahrgang 1960, lebt mit ihrer Lebensgefährtin und ihren zwei Kindern in Castro Valley, Kalifornien. In den USA gilt sie längst als die »Queen of Lesbian Romance«, und auch hierzulande hat sie eine wachsende Fangemeinde. Mittlerweile sind sechs ihrer Romane ins Deutsche übertragen worden, von denen fünf zur Zeit lieferbar sind: Unvergessen, Liebe im Sternenlicht, Dein Herz sei mein, Es begann mit einem Kuss und Tanz auf dem Eis. Karin Kallmakers Internetanschluss muss schnell sein, ihr iPod laut und ihre Schokolade dunkel.

Website der Autorin