Archiv | September 2011

Tales of Partholon/Verbannt – P.C.Cast

partholon Vielen Dank an mira_logo1 für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Divine by Choice

Verlag: Mira

ISBN: 978-3-89941-893-4

Bekommen: Juli 2011

Angefangen: August 2011

Ausgelesen: 08.09.2011

Seiten: 368

Bewertung: 3sterne

Klappentext:

Shannon liebt ihr Leben in Partholon! Lächelnd bleibt sie vor dem Bach stehen, blickt auf das Wasser und sieht mit einem Mal Orte ihrer Vergangenheit vor sich. Es ist, als würden sie nach ihr rufen und plötzlich ist Shannon zurück in Oklahoma!
Als sie aufwacht, hört Shannon eine vertraute Stimme und blickt in das Gesicht eines Mannes, der ClanFintan zwar zum Verwechseln ähnlich sieht, sich aber als Clint Freeman vorstellt. Staunend erfährt sie, was sich im vergangenen halben Jahr ereignet und was Rhiannon alles angerichtet hat. Und dennoch sehnt Shannon sich nur danach, nach Partholon und dem Leben als Eponas Hohepriesterin zurückzukehren! Clint bietet ihr seine Hilfe an Doch Shannon ist nicht die Einzige, die auf magische Weise nach Oklahoma gelangt ist. Eine dunkle Macht, die Shannon nur allzu gut kennt, hat sich in diese Welt geschlichen und kennt nur ein Ziel: Shannons Tod.

Rezension:

Im zweiten Buch der Reihe verlässt Shannon Partholon und findet sich in ihrer eigenen Welt wieder. Nur dass sie eigentlich gar nicht mehr nach Hause wollte, weil Partholon ihr längst ein Zuhause geworden war. Dort hatte sie einen Mann, der sie liebt und ein Volk, das sie schätzt und ihr vertraut. Am liebsten würde sie gleich wieder zurückkehren, doch bevor sie das kann, muss sie die Menschen, die sie liebt vor Nuada retten, dem Dämon, den sie eigentlich ins Totenreich befördert zu haben glaubte. In ihrer Welt trifft sie Clan Fintans Doppelgänger, Clint, aber auch Rihannon, die ihr bis zu den Haarspitzen gleicht.

Die Idee, die hinter „Verbannt“ steckt gefällt mir gut, auch wenn der Autorin die Umsetzung nicht so gut gelungen ist, wie im ersten Band der Reihe. Leider erschienen mir die Geschichte, sowie die Darsteller weniger einfallsreich und schlechter ausgearbeitet als in „Ausersehen“. Shannon ist nach wie vor lustig, selbstironisch und eigentlich eine ganz normale Englischlehrerin aus dem kleinen Oklahoma. Der Autorin schien es jedoch schwer zu fallen diese Charakterzüge beizubehalten und sie gleichzeitig in ihre Rolle als Geliebte der Göttin Epona hinein wachsen zu lassen.

Shannon hat eine gute Verbindung zu ihrem Vater und seiner Frau und P.C. Cast arbeitet diese liebevolle und wichtige Beziehung meiner Meinung nach wirklich aus, sodass man mit um das Leben ebendieser bangt. Das ist der Autorin aber leider nicht überall gelungen. An manchen Stellen wirkt die Geschichte auf mich hektisch und dadurch gehen viele Gefühle in der Handlung unter. Das ist sehr schade, besonders da einige dieser Stellen einfach emotionsgeladen sein müssen und durch das Fehlen der Gefühle nicht richtig verstanden werden. Auch einige Logikfehler stören den Lesegenuss empfindlich.

Leider bin ich etwas enttäuscht, vom zweiten Teil der „Tales of Partholon“, besonders weil der erste Band mir sehr gefallen und mich sehr gespannt zurückgelassen hat.

Ich hoffe sehr, dass die Autorin in Band 3 wieder den hohen Ansprüchen genügen wird, die man nach „Ausersehen“ unweigerlich hatte.

Leseprobe

P.C. CAST

P.C. Cast ist in Illinois geboren und pendelte während ihrer Jugend oft nach Oklahoma. Dort hat sie ihre Liebe für Quarter Horses und Mythologie entdeckt. Im Gegensatz zu anderen Kindern konnte sie zuerst reiten und lernte danach das Gehen. Später las sie jedes Buch, das sie in die Hände bekommen hat, bis ihr Vater der Zehnjährigen den Herr der Ringe geschenkt hat. Nach Tolkiens Meisterwerk hat sie Anne McCafferys Pern-Romane für sich entdeckt, und damit war ihre Leidenschaft für Fantasy vollends entbrannt.
Fünf Tage nach ihrem Highschoolabschluss ging sie zur Air Force, wo sie angefangen hat, professionell Reden zu halten und zu schreiben. Nach ihrer Zeit dort hat P.C. Cast 15 Jahre lang unterrichtet, bis sie sich ganz dem Schreiben widmen konnte.
Weltweit ist sie mit den House-of-Night-Romanen bekannt geworden, die P.C. Cast zusammen mit ihrer Tochter schreibt. Ihr allererster Roman – der erste Teil der Tales of Partholon – ist zunächst bei einem kleinen amerikanischen Verlag erschienen. Für die Autorin sehr überraschend gewann ihr Erstlingswerk verschiedene Preise und gehörte zu den Finalisten des National Reader’s Award. Seitdem ist P.C. Cast mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Sie hat sich riesig darüber gefreut, dass sie die Welt, die sie in ihrem ersten Roman geschaffen hat, in weiteren Teilen der Partholon-Serie weiterentwickeln konnte.
Die New-York-Times-Bestsellerautorin lebt mit ihrer fabelhaften Tochter, ihrer verwöhnten Katze und ihren Scotties – besser bekannt als Scottinators – in Oklahoma. Die Tochter studiert. Die Katze hat sich gegen eine Weiterbildung entschieden. Die Scottinators haben noch keine Zukunftspläne geschmiedet.

http://www.pccast.net/

http://www.houseofnightseries.com/

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Schicksal! – Scott G. Browne

schicksal Danke an droemerknaur für dieses Rezensionsexemplar :)

Erscheinungstermin: 04.10.2011

Originaltitel: Fated

Verlag: Droemer

ISBN: 978-3-426-22604-9

Bekommen: 13.09.2011

Angefangen: 16.09.2011

Ausgelesen: 16.09.2011

Seiten: 416

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Das Glück leidet unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, der Tod fühlt sich unverstanden… und das Schicksal? Sergio ist schwer genervt – denn er ist das Schicksal und seit über 257 000 Jahren dafür zuständig, Menschen auf ihren vorbestimmten Lebensweg zu führen. Doch dann verliebt er sich in die schöne Sara. Zugegeben, das ist ein Verstoß gegen das oberste Gesetz seines Arbeitgebers – aber Jerry (auch bekannt als Gott, der Allmächtige) wird davon in seinem Büro am anderen Ende des Universums sicher nichts mitbekommen. Das stellt sich bald als folgenschwere Fehleinschätzung heraus…

Rezension:

Was tust du, wenn du deinen Job satt hast? Was tust du, wenn du deinen Job satt hast und dich in eine Menschenfrau verliebst, dir aber eine Beziehung zu Menschen verboten ist? Welche Wahl hast du, wenn du das Schicksal bist, dein bester Freund der Tod und dein Boss Gott der Allmächtige persönlich?

Dieses Szenario hat sich S.G. Browne für seine Hauptfigur Sergio ausgedacht. Und was zunächst einfach nur dramatisch klingt, ist am Ende genauso bekloppt, wie es beim zweiten Hinsehen wirkt. Man muss schon entweder total bekifft, verrückt oder absolut genial sein, um so eine Geschichte zu schreiben. S.G. Browne ist vermutlich von allem ein bisschen und so hat er einen Roman auf die Menschheit losgelassen, der lustiger, spannender, dramatischer und bekloppter nicht sein könnte.

Seine Charaktere sind genauso abgedreht, wie er es vermutlich selbst ist. Der Plot ist absolut nicht vorhersehbar und mit seinen vielen unerwarteten Wendungen und dem genialen Schluss einfach perfekt und die Übersetzung absolut stimmig. Dabei birgt das Buch bei aller Verrücktheit auch viele tiefe Wahrheiten und so rundet sich das Gesamtpaket bis zur Vollkommenheit ab, wozu auch die tolle Einbandgestaltung mit ihren abgerundeten Ecken und den knalligen Farben ihren Teil beiträgt.

Vergleichen lässt sich das Buch noch am ehesten mit den Büchern von David Safier, dessen “Mieses Karma” ich damals regelrecht verschlungen habe. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte war, dass es da einen Amerikaner gibt, der es sogar noch besser kann.

Ein grandioses Buch!

Um es auf den Punkt zu bringen: Unbedingt lesen!!!

Zitate:

Klar: Nicht jeder Mensch hat sexuelle Komplexe, Störungen oder anderweitige zweifelhafte Vorlieben, die nur darauf warten befriedigt zu werden. Die meisten Amerikaner allerdings schon. Das liegt vermutlich daran, dass die Vereinigten Staaten Sex dämonisieren und sexuelle Energien unterdrücken. Ich persönlich bevorzuge da die Italiener und Franzosen. Für sie ist Sex einfach Teil ihrer Kultur. (Seite 11)

Sara fixiert mich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. “Du bist nicht so für Small Talk, oder?” Ich zucke mit den Schultern. “Möchtest du lieber ein bisschen rummachen?” “Steht das tatsächlich zur Wahl?”, gebe ich zurück. “Ich dachte, wir müssen zuerst aufessen.” Sara lacht. “Denken eigentlich alle Männer ständig nur an Sex?” Du kurze Antwort lautet: ja. Alle Männer denken ständig nur an Sex. Zumindest diejenigen, mit denen ich zu tun habe. Sex ist einer der Hauptgründe, der sie von ihren vorgesehenen Pfaden ablenkt. Single-Treffs. Strip-Klubs. Internetpornos. Mir ging bisher mehr produktive, menschliche Zeit durch die Jagd nach Sex verloren als durch Seuchen, Genozide und alle Kriege zusammen. (Seite 103-104)

Sara schaut mich an und lächelt. “Da ist etwas an dir. Etwas Ungewöhnliches. Etwas. durch das ich mich mit dir verbunden fühle. Etwas, das ich nicht genau beschreiben kann.” “Ich kann dir ein paar Vorschläge machen.” “Ich meine das ernst”, gibt die zurück. “Es ist, als wäre ein Teil in meinem Inneren endlich eingerastet, und alles fühlt sich richtig an. Macht dir das Angst?” “Nein”, sage ich. “Den meisten Typen würde es schon Angst machen.” “Ich bin nicht die meisten Typen.” “Ich weiß”, entgegnet sie. “Das ist es, was ich so an dir mag.” (Seite 105)

Ein nettes Wort, das eine Person zu einer anderen sagt, kann zu einem weiteren netten Wort führen, und so kann sich das Gute in einer Kettenreaktion von weiteren Taten oder Worten fortpflanzen und schließlich den Pfad jedes einzelnen Beteiligten verändern. Genauso können aber eben auch geringschätzige Worte oder Gewalt größeren Einfluss gewinnen und mehrere Ziele als nur den ursprünglichen Empfänger treffen. (Seite 125)

Hoffnungslosigkeit, Misserfolg und Verzweiflung sind Teil meines Alltags. Sind Teil meines Lifestyles. Teil meiner Natur. Und plötzlich wird mir bewusst, dass ich bisher im Grunde nicht viel anders als meine Menschen gewesen bin: gefangen in meinen Gewohnheiten und so daran gewöhnt, die Dinge nach Schema F zu erledigen, dass ich für jede Möglichkeit einer Alternative blind gewesen bin, Diese Erkenntnis macht mich auf eine Art betroffen, die über Ekel und Selbsthass weit hinausgeht. Ich bin wie meine Menschen. Wir gleichen uns. Sie sind mein Speigelbild. Ich bin ihr Spiegelbild. Und das ist eine größere Portion Realität, als ich zurzeit verkraften kann. (Seite 148)

Menschen sind so simpel. Besonders menschliche Männer. Verrate ihnen, wie sie es schaffen, nicht jede Nacht masturbierend und allein zu verbringen, und schön folgen sie dir überallhin. Der einzig nennenswerte Unterschied zwischen männlichen Menschen und männlichen Hunden ist, dass die Menschen nicht versuchen, dein Bein zu bespringen. Normalerweise. (Seite 215)

Er, der ohne zu verletzen und ehrlich spricht, erzeigt positives Karma”, erläutert er nun mit geschlossenen Augen die buddhistische Philosophie des Karma. “Geht ganz auf in dem, was ihr macht, und vermeidet, was Schaden zufügt.” “Lebt euer Leben, ohne anderen oder euch selbst zu schaden.” “Vergeltet Ungerechtigkeit nicht mit Verletzung. Vergeltet Ungerechtigkeit mit Freundlichkeit.” Ich bin mir ziemlich sicher, dass der letzte Satz eigentlich von Laotse und nicht von Buddha stammt, aber die Leute hier kennen den Unterschied sowieso nicht. “Was ist mit dem Pfad der Bestimmung?”, frage ich. “Der Mensch schafft erschafft sich seine eigene Bestimmung. Der Pfad, den du suchst, ist dein eigener.” Es ist wirklich frustrierend, wenn Karma in philosophischen Axiomen spricht.  (Seite 224)

Jeder Mensch hat eine Wahl. Die Wahl zwischen Glück und Elend. Vergebung und Groll. Liebe und Zorn. Es gibt keine Endgültigkeit. Jede Situation erfordert einen Entschluss. Und jeder Mensch wählt selbst, wie er oder sie reagieren will. Aber viel zu oft entscheiden sie die Menschen dafür, sich elend zu fühlen. Viel zu oft entscheiden sie sich dafür, einem anderen nicht zu vergeben. Viel zu oft entscheiden sie sich für den Zorn. (Seite 250)

“Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst?” Nachdem ich mich unzählige Jahrhunderte mit Menschen beschäftigt habe, habe ich etwas Entscheidendes über menschliche Frauen gelernt: Es gibt gewisse Fragen, die man niemals ehrlich beantworten sollte. Sehe ich fett aus? Stellst du dir vor, wie du Sex mit anderen Frauen hast? Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst? (Seite 264)

Der Urknall, wie er von Menschen genannt wird, war eigentlich eher der Ur-Unfall. Vor fast vierzehn Millionen Jahren stümperte Jerry in seinem Labor herum. Er vermischte Wissenschaft, Theologie, Philosophie, reinigungsalkohol und Abflussfrei mit ein bisschen Backpulver und – puff! – schon war das Universum entstanden. (Seite 276)

Vielleicht ist es das, was das Menschsein ausmacht. Sich mit anderen zusammenzutun. Ein Gefühl von Kameradschaft zu vermitteln. Die Erfahrung des Lebens miteinander zu teilen, statt seine Erfolge zu horten und sich allein abzurackern. (Seite 380)

Ich muss nicht die Vergangenheit von jemandem kennen, um ihm Mut für die Zukunft zu machen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand hungrig ist, um ihm etwas zu essen zu besorgen. Ich muss nicht wissen, wieso jemandem kalt ist, um ihn zu wärmen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand deprimiert ist, um ihm Hoffnung zu geben.   (Seite 381)

Leseprobe

 

S. G. Browne

Bild von S. G. Browne

 

Scott G. Browne wurde in Arizona geboren und wuchs in der Nähe von San Francisco auf. Er absolvierte ein Managementstudium in Kalifornien und stellte dabei fest, dass seine eigentliche Leidenschaft das Schreiben ist. Trotzdem arbeitete Scott eine Zeit lang als Produzent für Fernsehspots und Filmtrailer bei den Disney-Studios und als Büromanager. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „Anonyme Untote“, dem 2011 „Schicksal!“ folgte.

http://sgbrowne.com/

Interview mit dem Autor 

©Leslie Laurence

Der Augenjäger – Sebastian Fitzek

978-3-426-19881-0.jpg.29696869 Vielen Dank an droemerfür dieses Rezensionsexemplar :)

Verlag: Droemer

ISBN: 978-3-426-19881-0

Bekommen: 24.09.2011

Angefangen: 26.09.2011

Ausgelesen: 26.09.2011

Gelesene Seiten: 432

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Dr. Suker ist einer der besten Augenchirurgen der Welt. Und Psychopath. Tagsüber führt er die kompliziertesten Operationen am menschlichen Auge durch. Nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: Frauen, denen er im wahrsten Sinne des Wortes die Augen öffnet. Denn bevor er sie vergewaltigt, entfernt er ihnen sorgfältig die Augenlider. Bisher haben alle Opfer kurz danach Selbstmord begangen.
Aus Mangel an Zeugen und Beweisen bittet die Polizei Alina Gregoriev um Mithilfe. Die blinde Physiotherapeutin, die seit dem Fall des Augensammlers als Medium gilt, soll Hinweise auf Sukers nächste „Patientin“ geben. Zögernd lässt sich Alina darauf ein – und wird von dieser Sekunde an in einen Strudel aus Wahn und Gewalt gerissen …

Rezension:

Zum Inhalt dieses neuen, von Meisterspinner Sebastian Fitzek in seinem äußerst fähigen, aber durchaus auch leicht gestörten Hirn erdachten Thrillers kann ich kaum mehr verraten, als sowieso schon im Klappentext steht. Jedes Wort mehr wäre ein Wort zu viel.

Viele Menschen haben sicher die Fähigkeit, sich ähnliche Szenarien auszudenken wie sie in diesem Roman zu finden sind. Die meisten belassen sie in ihrem Hirn und teilen sie mit niemandem, weil sie sich für ein wenig spinnert halten. Einige wenige (zum Glück sind es wenige!!!) kommen zu dem Schluss, dass sie diese Phantasien ausleben müssen. Diesen Menschen möchte ich, ehrlich gesagt, weder im Hellen noch im Dunklen so gerne begegnen. Und ein paar wenige Auserwählte finden sich mit ihrer kranken Phantasie ab, stellen sich ihr und schreiben sie auf. So einer ist Sebastian Fitzek, in dem ich mit diesem Thriller nun wirklich und endgültig meinen Meister gefunden habe.

Kein Thriller vorher, noch nicht einmal “Der Augensammler”, der diesem voranging und der erste dieser Reihe ist, hat mich so mitgenommen. Und dabei dachte ich doch nach der Lektüre eben dieses Augensammlers, dass man es besser einfach nicht mehr machen kann. Aber bei einem wie Fitzek sollte man eben niemals nie sagen, denn er hat eindeutig bewiesen, dass es immer noch eine Steigerung gibt. Eine Steigerung des Kranken, eine Steigerung des Perfiden, eine Steigerung von Spannung und Unfassbarkeit.

Dieses Buch hat mir den Atem geraubt. Ich habe es begonnen und nicht mehr aus der Hand gelegt, bis die allerletzte Seite, inklusive Danksagung des Autors, verschlungen war und ich hatte das Gefühl während des Lesens keinen einzigen Atemzug getan zu haben. Protagonisten, Antagonisten, Schauplätze, Spannungsaufbau, Sprachgefühl… es gibt nichts, was man in diesem Thriller hätte besser machen können – obwohl… ich bin fast sicher, dass Fitzek mich spätestens in seinem nächsten Buch Lügen strafen wird. Wenn das einer schafft, dann er!

Ich lese sehr sehr wenige Thriller und bin bei ihrer Auswahl unheimlich wählerisch und anspruchsvoll. Aber einen Fitzek würde ich jederzeit blind kaufen, ohne auch nur zu ahnen, worum es eigentlich geht.

Um es kurz zu machen: Lesen Sie dieses Buch!!!

Zitate:

Als Nächstes geschah etwas noch viel Verstörenderes: Es wurde ruhig. Schlagartig. So abrupt, als hätte das Haus jegliches Leben in seinem Inneren mit einem einzigen Atemzug verschluckt. (Seite 196)

Kein Knacken, kein Rauschen. Nichts. Heute war die Melodie des Hauses verstummt, nur die Geister meiner Erinnerungen hallten als Echo in meinem Kopf umher. (Seite 200)

Aus irgendeinem Grund ist es für die Menschen leichter, die Existenz eines Kinderschänders in ihrer Mitte zu akzeptieren, wenn man ein traumatisierendes Ereignis in seiner Jugend findet, als sich  mit der Vorstellung abfinden zu müssen, dass manche widerwärtigen Subjekte schlicht Natur aus böse sind. Man will es nicht wahrhaben, dass einer Kreatur die Lust am Foltern und Morden angeboren ist wie ihre Augenfarbe oder die Eigenschaft, Rechtshänder zu sein.  (Seite 217)

„Negative Gedanken sind wie Bakterien“, hatte John ihr einmal erklärt. „Haben sie sich einmal in dir festgesetzt, vermehren sie sich und töten jeden Lebensmut in dir.“

„Und welches Antibiotikum empfiehlst du dagegen?“, hatte sie ihn scherzhaft gefragt, und er hatte, ohne zu zögern, eine ernsthafte Antwort darauf gegeben: „Da gibt es nur ein Gegenmittel: Freundschaft.“ (Seite 266)

Es heißt, um ein großes Haus zu zerstören, reiche es aus, einfach nur eine kleine Scheibe einzuschmeißen und abzuwarten. Hat man erst einmal Wind, Regen und Tieren den Zugang ermöglicht, ist der Zerfall  nur noch eine Frage der Zeit. Ich beobachte den Alten auf der Couch, wie er sich seine Lesebrille zurechtrückte, und fragte mich, ob das auch für Menschen galt. Ob irgendwann das Schicksal einen Stein durch die Scheibe unseres Lebens wirft und wir die Folgen dieses Einschlags nicht mehr korrigieren können, sosehr wir uns auch bemühen.        (Seite 310)

Leseprobe

 

 

Sebastian Fitzek

Bild von Sebastian FitzekSebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Gleich sein erster Psychothriller „Die Therapie“ eroberte die Taschenbuch-Bestsellerliste, wurde als bestes Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und begeisterte Kritiker wie Leser gleichermaßen. Mit den darauf folgenden Bestsellern „Amokspiel“, „Das Kind“, „Der Seelenbrecher“, „Splitter“ und „Der Augensammler“ festigte er seinen Ruf als DER deutsche Star des Psychothrillers. Seine Bücher werden in vierundzwanzig Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren erscheint Sebastian Fitzek auch in den USA und England, der Heimat des Spannungsromans.

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©FinePic / München / Helmut Henkensiefken

Memory – Stadt der Träume – Christoph Marzi

Vielen Dank an arena für dieses Rezensionsexemplar :)

Verlag: Arena

ISBN: 978-3401066226

Bekommen: 23.09.2011

Angefangen: 23.09.2011

Ausgelesen: 25.09.2011

Gelesene Seiten: 321

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Jude Finney hat eine besondere Fähigkeit: Er kann die Träume der Toten sehen. Auf dem Highgate Cemetery, in einer Welt zwischen Realität und Traum, begegnet er der geheimnisvollen Story, einem Mädchen, das tausend Geschichten kennt, aber sich an seine eigene nicht erinnern kann. Jude ahnt, dass Story noch lebt, irgendwo in den Straßen von London. Und dass es höchste Zeit wird, sie zu finden.

Rezension:

Als der mausgraue Junge begann Geister zu sehen, veränderte sich sein Leben und als er auf dem Highgate Cemetery, einem der ältesten Friedhöfe Londons, eines Nachts ein geheimnisvolles Mädchen findet, das zwar ein Geist ist, aber dennoch ganz anders, beginnt ein Abenteuer, das er sich in seinen wildesten Träumen nicht hätte ausmalen können. Das Mädchen, das nichts besitzt, nicht einmal mehr einen eigenen Namen, nennt er Story und die beiden machen sich auf die Suche nach ihrer Geschichte, die nicht erst am Anfang des Buches beginnt und auf der letzten Seite noch längst nicht zu Ende ist.

“Die Stunde, als das Mädchen ohne Namen seine Geschichte verlor, war die letzte des Tages. Die Nacht aber, in deren gläsernem Gewand diese Stunde schlug, schien der Anfang von allem zu sein.”…
So beginnt der Prolog dieses Buches und gleich nach diesen beiden ersten Sätzen war ich zurück in Christoph Marzis Welt. Sogleich war ich gefangen in seinem fast märchenhaften Erzählstil und einmal mehr hat er mich für die Zeit der Lektüre aus meiner eigenen Welt entführt in sein London, das mir seit Lycidas eine literarisch zweite Heimat geworden ist. Die Atmosphäre ist so wundervoll und was ihm bereits in Heaven – Stadt der Feen gelungen ist, nämlich die Wiedergeburt des Lycidas-Londons, ist ihm auch hier wieder wahrlich meisterhaft geglückt. Man sieht in Gedanken Emily Laing und Wittgenstein immer zwei Straßen weiter in die Uralte Metropole hinabsteigen und wartet nahezu darauf, dass eine Trafalgar-Taube, natürlich eine halberfrorene, vor dem Fenster sitzt.

Marzis Schreibstil und seine Art, selbst in einer Geschichte wie dieser, die im Hier und Jetzt spielt, ein fast viktorianisches London zu beschreiben, ist wie eine Hommage an Charles Dickens, den er auch als eines seiner größten Vorbilder benennt.

Wie bereits in seinen vorherigen Romanen gelingt es dem Autor auch in Memory seinen Protagonisten mit wenigen Sätzen einen unverwechselbaren Charakter zu schenken, der dem Leser sofort ein Gefühl für den fiktiven Menschen hinter dem Namen gibt. Seine Antagonisten umgibt eine Düsternis, die Gänsehaut verursacht und im Zusammenspiel mit den großartigen Schauplätzen, die nicht passender gewählt sein könnten, eine so beklemmende Schaurigkeit, dass einem die Haare zu Berge stehen.

Einmal mehr bin ich von Christoph Marzi hingerissen. Einmal mehr will ich es gar nicht verlassen – sein London. Einmal mehr bleibe ich zurück mit dem Gefühl eines Verlustes.

Ich wünsche mir von Herzen, dass Marzi sie noch alle erzählen wird, die Geschichten, die ihm diese unglaubliche Stadt zuflüstert, die schönen und die traurigen, die romantischen und die unglaublichen. Hoffentlich ist es bald wieder soweit. Hoffentlich ist bald wieder Storytime. Denn dann werde ich wieder verreisen – in die Stadt von Dickens und Marzi.

Zitate:

“Eine Geschichte, wovon immer sie handeln mag, ist nur so gut, wie sie erzählt wird”, gab Gaskell zu bedenken. “Das haben gute Geschichten mit guten Rocksongs gemeinsam.” (Seite 80)

Story und Jude lauschten gebannt den Worten, die ihnen geschenkt wurden. Denn das gehörte sich so, wenn jemand auf dem Friedhof eine alte verstaubte Geschichte mit einem teilte. Geschichten, das wusste Jude, waren wertvoll, denn sie halfen einem, die Welt zu verstehen. Sie lenkten von den wirklich schlimmen Dingen ab und manchmal, in den besten Fällen, ließen sie Hoffnung aufkeimen. (Seite 93)

Dann überließ er sich der Melodie, die gerade zu ihm kam, und half ihr, sich zu entfalten. Er spürte das Lied, das in ihm geschlummert hatte, nannte es in Gedanken, die kaum mehr als eine Ahnung waren, Storytime. Die Melodie war schlicht und gleichzeitig elegant, sie begann langsam wie ein Lächeln und steigerte sich zu einem Tanz, zu dem man ein junges Mädchen auffordert, das nicht wie die anderen ist. Judes Finger streiften die Saiten und das Lied, das er nie zuvor gehört hatte, floss ins Licht des Zimmers und verharrte dort, auch noch als es längst verklungen war. (Seite 200)

Die Passanten in ihren Rüstungen aus Designeranzügen und teuren Kostümen eilten mit gewichtiger Miene vorbei, als könnten sie nicht schnell genug zu ihren Geschäften zurückkehren, um noch reicher zu werden, als sie es offensichtlich schon waren. Im Hintergrund wirkte die Kathedrale wie ein Relikt aus alter Zeit, dem niemand mehr Glauben schenkte. (Seite 232)

Sie gingen den Rosenweg entlang, doch die Rosen waren schon seit Wochen verblüht. Nir noch vereinzelt hingen verdorrte Knospen an den dornenbewehrten Ranken, die, ihrer Blütenpracht beraubt, zänkisch und wankelmütig wirkten. (Seite 288)

Christoph Marzi

Christoph Marzi (geboren 1970 in Mayen und aufgewachsen in Obermendig) lebt heute mit seiner Familie im Saarland und denkt sich dort und woanders Geschichten aus, während der Garten, der das Haus umgibt, immer wilder und seltsamer wird.
Seine Romane erscheinen bei Heyne und Arena, die vielen Kurzgeschichten fühlen sich in diversen Anthologien wohl.
Der Roman LYCIDAS wurde 2005 mit dem Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie „Bestes Roman-Debüt Deutschsprachig“ ausgezeichnet, die Kurzgeschichten-sammlung NIMMERMEHR erhielt den Deutschen Phantastik Preis 2009 in der Kategorie „Beste Kurzgeschichtensammlung“.
Einige seiner Bücher wurden ins Englische, Holländische, Spanische, Italienische, Rumänische, Tschechische, Serbische, Norwegische und Japanische übersetzt.

www.christoph-marzi.de

http://www.marzi-lesen.de

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0.4 / Eine perfekte neue Welt – Mike Lancaster

Originaltitel: 0.4

Verlag: Oetinger

ISBN: 978-3789141201

Gekauft: 18.09.2011

Angefangen: 19.09.2011

Ausgelesen: 19.09.2011

Gelesene Seiten: 271

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 17.909

Bewertung:

Klappentext:

Ein einziger Moment, eine einzige Entscheidung, können manchmal das ganze Leben verändern. Als der fünfzehnjährige Kyle Straker sich als Freiwilliger für eine Hypnosevorführung meldet, ahnt er nicht, dass er damit sein Schicksal besiegelt. Denn als Kyle aus seiner Trance erwacht, erwartet ihn ein unglaublicher Anblick: Alle anderen Einwohner seiner Stadt, seine Familie und Freunde sind reglos eingefroren. Kein Blinzeln, kein Beben der Nasenflügel – nichts und niemand bewegt sich mehr. Als die Menschen endlich erwachen, wird alles nur noch schlimmer. Für Kyle beginnt ein wahrer Albtraum: Alle um ihn herum sind wie ausgewechselt und er fühlt sich zunehmend bedroht. Zwar ist er angeblich in einer perfekten neuen Welt erwacht. Doch wie perfekt ist eine Welt, in der er nicht sein darf, wer er ist?

Rezension:

Vorsicht – winzige Spoiler ließen sich ausnahmsweise nicht vermeiden!

Aufgenommen auf Kassetten –zeitlich scheinbar ungefähr in unserer Gegenwart – werden in der Zukunft die Aufzeichnungen von Kyle Straker gefunden. Der Roman enthält deren Text in Skriptform und richtet sich an einen Leser, der offenbar so weit in der Zukunft lebt, dass am Anfang des Romans eine Erklärung zu finden ist, was ein „Buch“ überhaupt ist.

Kyle erzählt auf insgesamt drei Kassetten davon, wie die Welt um ihn herum sich von einer Sekunde zur nächsten von Grund auf verändert hat und wie nur er – gemeinsam mit drei anderen Bewohnern seiner Heimatstadt – noch in der „alten Welt“ zurück geblieben ist. Gibt es eine Möglichkeit für die vier weiterzumachen wie bisher? Oder werden sie sich der neuen Weltordnung beugen? Haben sie überhaupt die Wahl?

Die mangelhafte Ausarbeitung der Charaktere ist meiner Meinung nach der größte Schwachpunkt des Romans. Schon jetzt, nach zwei Tagen, kann ich mich kaum noch an einen der Protagonisten erinnern und ich hatte auch während des Lesens nie das Gefühl, einen von ihnen kennenzulernen. Mike Lancaster bleibt sehr an der Oberfläche, vermeidet Ecken und Kanten. Zu vieles wird einfach nur kurz angerissen. So ist Lilly, eine der vier „Überlebenden“, Kyles Ex-Freundin, inzwischen mit Kyles bestem Freund zusammen. Als sich Kyle und Lilly gegen Ende des Buches schließlich küssen spielt das aber scheinbar keine große Rolle mehr und der Autor geht beinahe kommentarlos darüber hinweg.

Leider lässt sich zur Idee und deren Umsetzung nicht viel sagen, ohne zu viel zu verraten. Grundsätzlich finde ich die Idee nach wie vor mehr als spannend und ich würde mich über Empfehlungen von Romanen mit der gleichen oder einer ähnlichen Idee (Wie wirklich ist die Welt? Wie real ist das, was wir täglich erleben?) sehr freuen! Die Umsetzung ist meiner Meinung nach leider überhaupt nicht geglückt. Zu lange zieht es sich hin, bis Kyle, und damit auch der Leser, herausfindet, was überhaupt los ist und zu oft hatte ich beim Lesen das Gefühl, vieles davon schon in schlechten Science Fiction-Thrillern gesehen zu haben. Ebenso wie bei den Charakteren fehlte mir ein klarer Höhepunkt oder eine wirklich Überraschung.

Auf Grund des Schreibstils würde ich das Buch für eher junge Leser (11 – 13 Jahre) empfehlen, auf Grund des Inhalts für ältere (ab 15). Die einfache Sprache macht es leicht und locker zu lesen auch wenn die Übersetzung stellenweise ein wenig holprig war.

Sehr gut gefallen haben mir die in den Text eingestreuten „Anmerkungen der Herausgeber“, die ich wirklich witzig fand und auch die Zitate am Anfang des Buches und das Cover der englischen Originalausgabe gefallen mir gut.

Fazit: Schade! Ich hatte mich so sehr auf „0.4 / Eine perfekte neue Welt “ gefreut und leider bin ich wirklich sehr enttäuscht. Eine mögliche Fortsetzung werde ich sehr wahrscheinlich nicht lesen.

Ich wünschte, ich könnte dich hassen – Lucy Christopher

Originaltitel: Stolen

Verlag: Carlsen Verlag GmbH

ISBN: 978-3551520081

Gekauft: 18.09.2011

Angefangen: 18.09.2011

Ausgelesen: 18.09.2011

Gelesene Seiten: 368dasstecktdrin

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 17.638

Bewertung:

Klappentext:

Du hast mich zuerst gesehen. Auf dem Flughafen, an jenem Tag im August. Dein intensiver Blick, noch nie hat mich jemand so angeschaut. Ich hab dir vertraut. Dann hast du mich entführt. Raus aus meinem Leben, weg von allem, was ich kannte. Hinein ins Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Du hast geglaubt, dass ich mich in dich verliebe. Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr, hab ich mich in dich verliebt. Doch ich wünschte, ich könnte dich hassen. Die Geschichte einer Entführung – sensibel, verstörend, dramatisch.

Rezension:

Auf eine Zusammenfassung des Inhalts möchte ich ausnahmsweise verzichten, weil der Klappentext schon alles sagt.

Mit „Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ legt Lucy Christopher ein sehr überzeugendes Debut vor. Es ist ein Roman in Briefform – geschrieben von Gemma an Ty, ihren Entführer. Ab der ersten Zeile hat mich die Geschichte der Beiden in ihren Bann gezogen und mich atemlos in einem Rutsch bis zur letzten Seite durchlesen lassen.

Befürchtete ich anfangs noch, ich käme mit der Briefform nicht zurecht, wurde sehr schnell klar, dass die Autorin genau den richtigen Weg gewählt hat um Gemma und Tys gemeinsame Geschichte zu erzählen. Man kommt beiden unglaublich nah und man begreift einmal mehr: die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiß. So ist Ty nicht nur Täter sondern auch Opfer und mein Empfinden für Recht / Unrecht wurde auf beinahe jeder Seite neu auf die Probe gestellt.

Der Roman entwickelt in sehr kurzer Zeit eine spannende Dynamik, die gut zu der erzählten Geschichte passt. Stehen am Anfang noch Angst und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund mischen sich im Laufe der Zeit beim Leser, genauso wie bei Gemma, immer mehr andere Gefühle wie Faszination, Verständnis und auch Zuneigung dazwischen. Und auch wenn man es sicher bei der Thematik nicht erwartet, habe ich schon das ein oder andere Mal sehr grinsen müssen.

Selbst die zum Teil recht ausführlichen Beschreibungen des Australischen Outbacks haben mich nicht gelangweilt (das passiert mir bei Umgebungsbeschreibungen sonst recht schnell) und es gab keine Längen.

Absolut glaubhaft und völlig kitschfrei wird eine (Liebes-?)Geschichte erzählt, die so komplex ist, dass sie sich unmöglich in 368 Seiten stecken lässt und deshalb im Kopf des Lesers weiter gesponnen werden muss. Es ist kein Buch, nach dem man sich gut fühlt. Kein Buch, das man weglegt und vergisst.

Lediglich das Cover spricht mich nicht besonders an und mich hätte ein kleiner Hinweis darauf (wie auch bei der englischen Originalausgabe geschehen), dass es sich um einen Roman in Briefform handelt, gefreut.

„Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ hat mich sprach- und ratlos gemacht. Es hat mich betroffen gemacht und mich tief berührt. 5 Sterne dafür und die Aufforderung an Lucy Christopher bitte sehr bald für Nachschub zu sorgen.

Zitate:

Ich spitze angestrengt die Ohren, um das Brummen eines Motors aufzuspüren, lauschte auf ein Auto oder ein Flugzeug, das näher kam. Ich staunte, als mir klar wurde, dass ich mich nach einer Autobahn sehnte. Aber ich hörte nie irgendwas. Es war verrückt, wie still es hier war. Daran war ich nicht gewöhnt. Ein paar Tage überlegte ich sogar, ob ich einen Hörschaden hätte. Es kam mir vor, als wären alle Geräusche, die mir vertraut waren, einfach abgetrennt und weggeschmissen worden. Im Vergleich zu dem Lärm, der einen in London bombardierte, gab mir die Wüste das Gefühl, taub zu sein. (Seite 59)

Ich war fest entschlossen, nicht aufzugeben. Mir war klar, dass alles zu Ende wäre, wenn ich das tat. Wenn ich aufgab, war ich so gut wie tot. (Seite 60)

Er war so groß, dieser Ausblick, unvorstellbar groß. Ich werde mich nie mehr wirklich an ihn erinnern können. Wie soll man sich an etwas so überwältigend großes erinnern? Ich glaube, das Gehirn normaler Menschen ist für Erinnerungen dieser Art nicht geschaffen. (Seite 65)

„Die Menschen lieben, was ihnen vertraut ist.“ „Nein.“ Du schütteltest den Kopf. „Die Leute sollten das lieben, was ihre Liebe braucht. Damit sie es retten können.“ (Seite 266)

Leseprobe 

Autoreninformationen:

 

Lucy Christopher wurde 1981 in Wales geboren und wuchs in Australien auf. Bis zum Hauptstudium lebte sie in Melbourne. Nachdem sie sich als Schauspielerin, Kellnerin und Wanderführerin versuchte hatte, zog sie nach England und machte ihren Magister in Kreativem Schreiben. Sie unterrichtet an der Bath Spa University.

 

 

 

Romane (erschienen bei Chicken House):

  • Ich wünschte, ich könnte Dich hassen (Originaltitel: Stolen)
  • Isla Schwanenmädchen (Originaltitel: Flyaway)

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Quelle und weitere Infos