[Challenge] Gesammelte Schätze – August

Das Bücherzimmer – Rosemarie Marschner

Wie hätte sie sich je hier zurechtfinden können? Wie sich Achtung erwerben unter diesen Menschen, denen der Schein nicht weniger galt als das Sein? (Seite 78)

Alles lag so lange zurück. Und doch war es nicht vergessen. Wie kann es sein, dass Menschen einander solchen Schmerz zufügten? Sogar Menschen, die einander geliebt hatten. Oder gerade sie? (Seite 187)

Ein Regime plante, die Welt zu erobern: Aus den Nachrichtenfetzen im Radio, die Marie kaum beachtet hatte, hatte sie dieses eine entnommen und gleich wieder vergessen, weil sie nun in einer Wirklichkeit lebte, die viel kleiner war und in der sich keiner für die Begierden der Mächtigen und der Machthungrigen interessierte. Leben wollte man. Gesund sein wollte man. Und vor allem nicht einsam sein wollte man. Doch Marie war nun einsam. Sie hatte alles verloren. Alles. (Seite 211/212)

Auf immer? Während der Wind ihr trauerlose Tränen in die Augen trieb, dachte Marie, dass sie gar nicht wusste, was das war: immer. Kein fester Zustand wohl, sondern eine ständige Entwicklung. Doch wohin führte diese Entwicklung? Was würde in zehn Jahren sein? Oder in zwanzig? Oder gar noch mehr? (Seite 221)

Noch immer schien die Sonne, ein mildes Licht des Spätnachmittags, begleitet von einem sirrenden Wind aus der Tiefebene im Osten. Sehnsucht nach Weite schwebte in dieser Luft, nach Unendlichkeit. Sehnsucht nach der Kraft der Gefühle und nach dem Tod. Eine Stadt, zum Weinen schön. In ihrem Lächeln Traurigkeit und in ihrer Trauer Ironie. (Seite 222)

Von dem jungen Mädchen, das sich nach Wissen sehnte und vielleicht sogar danach, es später einmal weiterzureichen, auch wenn es sich nicht vorstellen konnte, wie, schien nicht mehr viel übriggeblieben zu sein. Es war wohl verlorengegangen irgendwo im Labyrinth der Straßen […]. Nur in der Nacht, wenn es im Haus so still war, dass man das Rascheln der Mäuse vernehmen konnte, kam es wieder zum Vorschein, hockte wie ein kleines Gespenst aus einer gutgläubigen Vergangenheit am Küchentisch, die Wangen in die Hände gestützt, die Augenwinkel gerötet von der Anstrengung, sich wach zu halten und auf den Buchseiten andere Welten zu entdecken. (Seite 284)

“Ich habe noch nie irgendwo dazugehört, Herr Ohnesorg!”, entgegnete sie mit fester Stimme. Noch während sie es sagte, wurde ihr bewusst, wie sehr dies der Wahrheit entsprach. Nirgendwo dazuzugehören – der Schmerz ihres Lebens, aber vielleicht auch seine Chance. (Seite 329)

Außer Atem und vom Regen durchnässt, blieb sie stehen. Sie sah nur noch seine Hände, die ihr zuwinkten, bis die Regenschleier alles verhüllten und sie allein zurückließen, den einsamsten Menschen der Welt. (Seite 331)

 

Evermore/Das dunkle Feuer – Alyson Noel

Meine Gefühle für dich sind nicht von irgendetwas abhängig. Ich urteile nicht über dich. Ich bestrafe dich nicht. Ich liebe dich einfach. Das ist alles. Schlicht und einfach. (Seite 110)

Genau das ist wahre Liebe. Sie kann nicht zerschlagen, kann nicht langsam abgetragen werden, sie ist ewig, alles überdauernd und sie kann jeden Sturm abwettern. (Seite 354)

 

Der Alchimist – Paulo Coelho

“Welches ist denn die größte Lüge der Welt?” fragte der Jüngling überrascht. “Es ist diese: In einem bestimmten Moment unserer Existenz verlieren wir die Macht über unser Leben, und es wird dann vom Schicksal gelenkt. Das ist die größte Lüge der Welt!” (Seite 25)

Ich möchte mich nicht mehr verändern, weil ich nicht wüsste, wie ich mich verändern soll. Ich habe mich schon zu sehr an mich selbst gewöhnt.” (Seite 63)

Die Entscheidungen waren nur der Anfang von etwas. Wenn man einen Entschluss gefasst hatte, dann tauchte man damit in eine gewaltige Strömung, die einen mit sich riss, zu einem Ort, den man sich bei dem Entschluss niemals hätte träumen lassen. (Seite 74)

Alles, was der Jüngling plötzlich erkannt, war, dass vor ihm die Frau seines Lebens stand, und ohne Worte zu gebrauchen, musste auch sie das erkannt haben. Das hielt er für sicherer als alles sonst auf der Welt, selbst wenn seine Eltern und die Eltern seiner Eltern behaupteten, man müsse seine Liebe erklären, sich verloben, sich erst richtig kennenlernen und dann genug Geld haben, um zu heiraten. Wer so denkt, hat wohl nie die universelle Sprache kennengelernt, denn wenn man in sie eintaucht, ist es ein leichtes zu verstehen, dass es auf der Welt immer einen Menschen gibt, der auf einen wartet, sei es in mitten der Wüste oder einer Großstadt. Und wenn diese Menschen einander begegnen und ihre Augen sich finden, dann verliert die ganze Vergangenheit und die ganze Zukunft an Gewicht, und es gibt nur noch diesen Augenblick und diese absolute Gewissheit, dass alle Dinge unter der Sonne von ein und derselben Hand geschrieben wurden, von der Hand, welche die Liebe erweckt und die eine Zwillingsseele für jeden Menschen vorgesehen hat, der unter der Sonne arbeitet, ausruht und Schätze sucht. Denn sonst hätten die Träume der Menschen nicht den geringsten Sinn. (Seite 100)

“Wenn wir die wirklich großen Schätze vor uns haben, erkennen wir es nie. Und weißt du auch, warum? Weil die Menschen nicht an Schätze glauben. (Seite 141)

“Ein Sprichwort heißt: Alles, was dir einmal passiert, passiert möglicherweise nie wieder. Aber alles, was zweimal passiert, wird sicher auch ein drittes Mal passieren.” (Seite 162)

 

Es begann mit einem Kuss – Karin Kallmaker

Was immer mir geschieht, geschieht, weil ich mich so entschieden habe – nicht weil ich dich liebe. (Seite 270)

Es war keine Frage von Frosch oder Prinzessin, keine Zerstörerin aller Magie sah sie voller Furcht und Verlangen an. Eine Frau, nichts weiter. Und doch – alles. (Seite 271)

Karitas Berührung war so überwältigend, so rückhaltlos, so etwas konnte man nicht stehlen, man konnte es nur geschenkt bekommen. (Seite 280)

 

Alles, was wir geben mussten – Kazuo Ishiguro

Sie warten also, wenn auch unbewusst, auf den Augenblick, in dem Sie erkennen, dass Sie tatsächlich anders sind; dass dort draußen Menschen sind wie Madame, die Ihnen weder Übles wollen noch Hass gegen Sie empfinden, und doch schon beim Gedanken an Ihre Existenz, an die Art und Weise, wie Sie zur Welt kamen und warum, erschaudern und sich vor der Vorstellung Wenn Sie sich das erste Mal mit den Augen einer solchen Person sehen, wird Ihnen kalt ums Herz. Es ist, als sähen Sie einen Spiegel, an dem Sie jeden Tag Ihres Lebens vorbeigekommen sind, und auf einmal zeigt er Ihnen etwas anderes, etwas Fremdes, Verstörendes. (Seite 50)

Wichtig war uns etwas ganz anderes, nämlich, wie Ruth eines Abends, als wir in ihrem gefliesten Zimmer in Dover saßen und in den Sonnenuntergang hinausblickten, sehr treffend formulierte: “Wenn wir etwas Kostbares verloren hatten und es überall wie verrückt suchten, aber nicht fanden, brauchten wir trotzdem nicht völlig verzweifeln, weil wir uns als letzten Trost vorstellen konnten, dass wir eines Tages, wenn wir erwachsen wären und überallhin fahren könnten, nach Norfolk gehen und es dort wiederfinden würden.” (Seite 86)

Wenn heute jemand die Cottages erwähnt, denke ich an unbeschwerte Tage, an denen wir uns treiben ließen, uns gegenseitig in unseren Zimmern besuchten, denke daran, wie der Nachmittag gemächlich in den Abend überging und der Abend in die Nacht. Ich denke an meinen Stapel alter Taschenbücher, deren Seiten sich schon wellten, als hätten sie einst dem Meer gehört. Ich denke daran, wie ich sie las, an warmen Nachmittagen bäuchlings im Gras, während mir die Haare, die ich mir damals lang wachsen ließ, ständig in die Augen fielen. Ich denke daran, wie ich morgens in meinem Zimmer unter dem Dach der Schwarzen Scheune von Stimmen erwachte, die draußen in der Wiese über Dichtung und Philosophie diskutierten; und an die langen Winter, das Frühstück in dampfigen Küchen, an dahinplätschernde Gespräche über Kafka und Picasso. Es ging immer um solche Themen beim Frühstück; nie sprachen wir davon, wer mit wem die letzte Nacht geschlafen hatte oder warum Larry und Helen nicht mehr miteinander redeten. Aber gleichzeitig habe ich bei solchen Erinnerungen auch das Gefühl, dass dieses Bild von uns am ersten Tag, als wir uns dort vor dem Bauernhaus aneinander drängten, gar nicht so falsch ist. Denn in gewisser Weise sind wir aus diesem Bild nie so recht herausgewachsen, auch wenn wir uns das später einredeten. Tief im Inneren war ein Teil von uns immer noch so wie am ersten Tag: voller Furcht vor der Außenwelt und – egal, wie sehr wir uns dafür verachteten – nicht imstande, einander ganz loszulassen. (Seite 146/147)

Natürlich ist das Schwimmbecken heute aufgeschüttet und planiert, aber die Umrisse sind noch deutlich erkennbar, und an einem Ende – dies als Beispiel für den allgemeinen Eindruck von Unfertigkeit – haben sie sogar das Metallgerüst des hohen Sprungbretts stehen lassen. Erst als ich dieses alte Foto sah, wurde mir klar, was dieses Gerüst eigentlich darstellte und warum es da stand, und wenn ich es heute sehe, stelle ich mir unwillkürlich einen Schwimmer vor, der oben zum Kopfsprung ansetzt und im nächsten Moment unten auf den Beton kracht.    (Seite 266)

 

Angriff aus dem Netz – Brian Falkner

“Wir sind unsere eigenen Erinnerungen”, sagte Dodge plötzlich. “Sonst sind wir nichts. Die Erinnerungen machen uns zu dem, was wir sind. Die Summe aller Erinnerungen, vom Tag unserer Geburt an. Wenn du sämtliche Erinnerungen eines Menschen gegen die eines anderen Menschen austauschst, wird er ein anderer Mensch. Dann denkt, fühlt und handelt er anders.” (Seite 297)

“Alles, was ich weiß, ist Erinnerung”, fuhr Sam nachdenklich fort. “Jeder Mensch, den ich jemals im Leben kennengelernt habe, alles, was ich jemals getan habe. Alles könnte falsch sein. In mein Gehirn implantiert.” Es war ein atemberaubender, ein entsetzlicher Gedanke. Was wäre, wenn nichts wirklich gewesen wäre, was er jemals erlebt hatte? Waren die Leute, die er als Vater und Mutter kannte, wirklich seine Eltern? Hatte Fargas jemals gelebt, außerhalb von Sams Gedankenwelt?“ “Ich glaube, du würdest es wissen”, sagte Vienna leise. “Ich weiß nicht, warum, aber ich glaube, du würdest es wissen.” (Seite 299)

War es wirklich nur wenige Monate her, dass er ein Schüler in New York City gewesen war? Die Stadt, in der er seit seiner Geburt gelebt hatte. Wochen, Monate, Jahre waren vergangen, aber seine Welt war immer mehr oder weniger die gleiche geblieben. Zur Schule gehen. Mit Fargas rumhängen. Abendessen mit seiner Mutter. Aber seither war er offensichtlich von eine, Tornado gepackt und von einem Ereignis zum nächsten gewirbelt worden, ohne jemals genug Zeit zu finden, Atem zu holen und nachzudenken. Aber vielleicht war es auch ganz gut so. Denn wenn er erst einmal innehielt und sich die Zeit nahm, gründlich nachzudenken, stellten sich entsetzlich düstere Gedanken ein. (Seite 327)

Sam schloss die Augen. Als Kind hatte er sich manchmal gefragt, wie es wohl sei, wenn man tot war, Plötzlich tot. Ohne jede Vorwarnung, vielleicht durch eine Kugel, einen Herzstillstand, einen Hirnschlag. In einem Augenblick läufst du noch durch dein Leben, bist hundertprozentig lebendig, denkst an alles, und jedes, überlegst, was du zu Mittag essen willst und mit wem du nach der Schule anhängst. Und im nächsten Augenblick kommt alles zum Stillstand. Weil du tot bist. Du denkst an gar nichts mehr. Machst keine Pläne mehr. Weil es dich nicht mehr gibt. (Seite 352)

 

Die verborgene Welt – Shamim Sarif

Amina gehörte nicht zu den Menschen, die ihren Ärger genossen oder hegten – sie hatte schon immer die Fähigkeit besessen, in einer gegebenen Situation eine Reihe von Alternativen zu erblicken, eine Eigenschaft, die es ihr kaum erlaubte, über irgendetwas länger verstimmt zu sein. (Seite 63)

Jacob lächelte in sich hinein und seufzte gleichzeitig. Er saß mit Amina im Café und sie tranken Kaffee. Es war früh am Morgen, noch war es ruhig – die wenigen Minuten der Stille, bevor die ersten Frühstücksgäste eintrafen, obwohl wegen der heftigen Regenfälle weniger zu erwarten waren als sonst. Seit drei Tagen regnete es unablässig, und das Wasser sammelte sich in immer größeren Lachen und breitete sich wie geschmolzenes Glas über die Straßen und Gehwege aus. Der Regen war warm und roch seltsam nach Gras, dachte Jacob, ein Geruch aus seiner Kindheit, die schon 50 Jahre zurücklag. Er mochte das metallische Pling!, mit dem der Regen vom Dach tropfte und auf die Pfützen traf. Er lauschte dem Getrommel auf dem Dach und fühlte sich von der Wärme und dem Licht im Café getröstet. (Seite 224 / 225)

 

Das verbotene Eden/David und Juna – Thomas Thiemeyer

Männer, die Frauen lieben”, sagte der Irokese. “Was für’n perverser Scheiß. Bei der Vorstellung dreht sich mir der Magen um.” (Seite 187)

Der Teufel stand Pate, als das Weib erschaffen wurde. Wie sonst hätte er so viel Versuchung und Verlockung in ein einzelnen Geschöpf legen können? (Seite 419)

 

Dead Beautiful/Deine Seele in mir – Yvonne Woon

“Was, wenn das bedeutet, dass ich dich verletzen kann?” “Dann würde ich sagen, dass ich keine Angst habe. Jeder hat die Fähigkeit, anderen wehzutun. Es zählt nur die Entscheidung.” (Seite 339)

Ich vermisse es, mit meinem Vater den Baum zu fällen und ihn dann nicht in den Kombi zu reinzukriegen. Kakao zu trinken und nervtötende Weihnachtslieder zu hören, wenn wir zusammen den Baum schmücken. Wie mein Vater immer noch Milch und Kekse für den Weihnachtsmann an den Kamin gestellt hat, als ich schon längst ein Teenager war. Hier ist der Baum viel zu perfekt. Noch nicht mal ein kleines bisschen krumm ist er. Völlig unnatürlich. (Seite 340)

“Der Tod ist nichts, vor dem man sich fürchten muss.” “Ich fürchte mich nicht vor dem Tod.” “Wovor dann?”, fragte er. “Dem Leben.” (Seite 358)

Dieses niemals existiert nur in Ihrem Kopf. Alles ist möglich. (Seite 395)

 

Poison Diaries 1 – Maryrose Wood

Dieser Kuss ist keine zarte Frage, sondern der besitzergreifende Kuss von jemandem, der weiß, dass seine Gefühle erwidert werden. Der süße Geschmack von Honig und Apfelwein vermischt sich auf unseren Lippen. Mein schneller schlagendes Herz rauscht mir in den Ohren, wie der Wind im Gras, wie die Brandung des Meeres. Nach einer Ewigkeit, so will mir scheinen, löst er sich von mir und betrachtet mich. Sein Blick ist so voller Unschuld, wie der eines ungezähmten Wesens – gänzlich ohne Falsch und gleichzeitig voller Geheimnisse. (Seite 133)

Wenn Sie nach der Macht verlangen, das Schicksal zu ändern, müssen Sie auch in der Lage sein, die Konsequenzen zu tragen. Denn das Schicksal eines Einzigen zu verändern ist unmöglich – alle Schicksale sind miteinander verbunden. (Seite 225)

 

Ashes/Brennendes Herz – Ilsa J. Bick

Ich sage euch, die Vergangenheit ist ein Eimer voll Asche. (Carl Sandburg) (Seite 5)

Sie wusste nicht, ob die Enge in ihrer Kehle oder dieses Überfließen in ihrem Herzen bedeutete, dass er da war, dass sie irgendwie miteinander verbunden waren. Oder ob all das, was sie sah und fühlte, eine in sinnlicher Fülle schwelgende Erinnerung war: etwas Verweilendes, nicht mehr als die Ahnung einer Berührung, der Hauch eines Worts, ein sich verflüchtigender Duft. Doch sie spürte ihn trotzdem und dachte sich, dass es vielleicht deshalb manchen Menschen nichts ausmachte, von Geistern heimgesucht zu werden. (Seite 405)

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