Ich wünschte, ich könnte dich hassen – Lucy Christopher

Originaltitel: Stolen

Verlag: Carlsen Verlag GmbH

ISBN: 978-3551520081

Gekauft: 18.09.2011

Angefangen: 18.09.2011

Ausgelesen: 18.09.2011

Gelesene Seiten: 368dasstecktdrin

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 17.638

Bewertung:

Klappentext:

Du hast mich zuerst gesehen. Auf dem Flughafen, an jenem Tag im August. Dein intensiver Blick, noch nie hat mich jemand so angeschaut. Ich hab dir vertraut. Dann hast du mich entführt. Raus aus meinem Leben, weg von allem, was ich kannte. Hinein ins Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr. Du hast geglaubt, dass ich mich in dich verliebe. Und dort im Nirgendwo, in Sand und Hitze und Dreck und Gefahr, hab ich mich in dich verliebt. Doch ich wünschte, ich könnte dich hassen. Die Geschichte einer Entführung – sensibel, verstörend, dramatisch.

Rezension:

Auf eine Zusammenfassung des Inhalts möchte ich ausnahmsweise verzichten, weil der Klappentext schon alles sagt.

Mit „Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ legt Lucy Christopher ein sehr überzeugendes Debut vor. Es ist ein Roman in Briefform – geschrieben von Gemma an Ty, ihren Entführer. Ab der ersten Zeile hat mich die Geschichte der Beiden in ihren Bann gezogen und mich atemlos in einem Rutsch bis zur letzten Seite durchlesen lassen.

Befürchtete ich anfangs noch, ich käme mit der Briefform nicht zurecht, wurde sehr schnell klar, dass die Autorin genau den richtigen Weg gewählt hat um Gemma und Tys gemeinsame Geschichte zu erzählen. Man kommt beiden unglaublich nah und man begreift einmal mehr: die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiß. So ist Ty nicht nur Täter sondern auch Opfer und mein Empfinden für Recht / Unrecht wurde auf beinahe jeder Seite neu auf die Probe gestellt.

Der Roman entwickelt in sehr kurzer Zeit eine spannende Dynamik, die gut zu der erzählten Geschichte passt. Stehen am Anfang noch Angst und Hoffnungslosigkeit im Vordergrund mischen sich im Laufe der Zeit beim Leser, genauso wie bei Gemma, immer mehr andere Gefühle wie Faszination, Verständnis und auch Zuneigung dazwischen. Und auch wenn man es sicher bei der Thematik nicht erwartet, habe ich schon das ein oder andere Mal sehr grinsen müssen.

Selbst die zum Teil recht ausführlichen Beschreibungen des Australischen Outbacks haben mich nicht gelangweilt (das passiert mir bei Umgebungsbeschreibungen sonst recht schnell) und es gab keine Längen.

Absolut glaubhaft und völlig kitschfrei wird eine (Liebes-?)Geschichte erzählt, die so komplex ist, dass sie sich unmöglich in 368 Seiten stecken lässt und deshalb im Kopf des Lesers weiter gesponnen werden muss. Es ist kein Buch, nach dem man sich gut fühlt. Kein Buch, das man weglegt und vergisst.

Lediglich das Cover spricht mich nicht besonders an und mich hätte ein kleiner Hinweis darauf (wie auch bei der englischen Originalausgabe geschehen), dass es sich um einen Roman in Briefform handelt, gefreut.

„Ich wünschte, ich könnte Dich hassen“ hat mich sprach- und ratlos gemacht. Es hat mich betroffen gemacht und mich tief berührt. 5 Sterne dafür und die Aufforderung an Lucy Christopher bitte sehr bald für Nachschub zu sorgen.

Zitate:

Ich spitze angestrengt die Ohren, um das Brummen eines Motors aufzuspüren, lauschte auf ein Auto oder ein Flugzeug, das näher kam. Ich staunte, als mir klar wurde, dass ich mich nach einer Autobahn sehnte. Aber ich hörte nie irgendwas. Es war verrückt, wie still es hier war. Daran war ich nicht gewöhnt. Ein paar Tage überlegte ich sogar, ob ich einen Hörschaden hätte. Es kam mir vor, als wären alle Geräusche, die mir vertraut waren, einfach abgetrennt und weggeschmissen worden. Im Vergleich zu dem Lärm, der einen in London bombardierte, gab mir die Wüste das Gefühl, taub zu sein. (Seite 59)

Ich war fest entschlossen, nicht aufzugeben. Mir war klar, dass alles zu Ende wäre, wenn ich das tat. Wenn ich aufgab, war ich so gut wie tot. (Seite 60)

Er war so groß, dieser Ausblick, unvorstellbar groß. Ich werde mich nie mehr wirklich an ihn erinnern können. Wie soll man sich an etwas so überwältigend großes erinnern? Ich glaube, das Gehirn normaler Menschen ist für Erinnerungen dieser Art nicht geschaffen. (Seite 65)

„Die Menschen lieben, was ihnen vertraut ist.“ „Nein.“ Du schütteltest den Kopf. „Die Leute sollten das lieben, was ihre Liebe braucht. Damit sie es retten können.“ (Seite 266)

Leseprobe 

Autoreninformationen:

 

Lucy Christopher wurde 1981 in Wales geboren und wuchs in Australien auf. Bis zum Hauptstudium lebte sie in Melbourne. Nachdem sie sich als Schauspielerin, Kellnerin und Wanderführerin versuchte hatte, zog sie nach England und machte ihren Magister in Kreativem Schreiben. Sie unterrichtet an der Bath Spa University.

 

 

 

Romane (erschienen bei Chicken House):

  • Ich wünschte, ich könnte Dich hassen (Originaltitel: Stolen)
  • Isla Schwanenmädchen (Originaltitel: Flyaway)

Homepage der Autorin
Lucy Christopher bei Twitter
Lucy Christopher bei Facebook

Quelle und weitere Infos

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