Schicksal! – Scott G. Browne

schicksal Danke an droemerknaur für dieses Rezensionsexemplar :)

Erscheinungstermin: 04.10.2011

Originaltitel: Fated

Verlag: Droemer

ISBN: 978-3-426-22604-9

Bekommen: 13.09.2011

Angefangen: 16.09.2011

Ausgelesen: 16.09.2011

Seiten: 416

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Das Glück leidet unter dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, der Tod fühlt sich unverstanden… und das Schicksal? Sergio ist schwer genervt – denn er ist das Schicksal und seit über 257 000 Jahren dafür zuständig, Menschen auf ihren vorbestimmten Lebensweg zu führen. Doch dann verliebt er sich in die schöne Sara. Zugegeben, das ist ein Verstoß gegen das oberste Gesetz seines Arbeitgebers – aber Jerry (auch bekannt als Gott, der Allmächtige) wird davon in seinem Büro am anderen Ende des Universums sicher nichts mitbekommen. Das stellt sich bald als folgenschwere Fehleinschätzung heraus…

Rezension:

Was tust du, wenn du deinen Job satt hast? Was tust du, wenn du deinen Job satt hast und dich in eine Menschenfrau verliebst, dir aber eine Beziehung zu Menschen verboten ist? Welche Wahl hast du, wenn du das Schicksal bist, dein bester Freund der Tod und dein Boss Gott der Allmächtige persönlich?

Dieses Szenario hat sich S.G. Browne für seine Hauptfigur Sergio ausgedacht. Und was zunächst einfach nur dramatisch klingt, ist am Ende genauso bekloppt, wie es beim zweiten Hinsehen wirkt. Man muss schon entweder total bekifft, verrückt oder absolut genial sein, um so eine Geschichte zu schreiben. S.G. Browne ist vermutlich von allem ein bisschen und so hat er einen Roman auf die Menschheit losgelassen, der lustiger, spannender, dramatischer und bekloppter nicht sein könnte.

Seine Charaktere sind genauso abgedreht, wie er es vermutlich selbst ist. Der Plot ist absolut nicht vorhersehbar und mit seinen vielen unerwarteten Wendungen und dem genialen Schluss einfach perfekt und die Übersetzung absolut stimmig. Dabei birgt das Buch bei aller Verrücktheit auch viele tiefe Wahrheiten und so rundet sich das Gesamtpaket bis zur Vollkommenheit ab, wozu auch die tolle Einbandgestaltung mit ihren abgerundeten Ecken und den knalligen Farben ihren Teil beiträgt.

Vergleichen lässt sich das Buch noch am ehesten mit den Büchern von David Safier, dessen “Mieses Karma” ich damals regelrecht verschlungen habe. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte war, dass es da einen Amerikaner gibt, der es sogar noch besser kann.

Ein grandioses Buch!

Um es auf den Punkt zu bringen: Unbedingt lesen!!!

Zitate:

Klar: Nicht jeder Mensch hat sexuelle Komplexe, Störungen oder anderweitige zweifelhafte Vorlieben, die nur darauf warten befriedigt zu werden. Die meisten Amerikaner allerdings schon. Das liegt vermutlich daran, dass die Vereinigten Staaten Sex dämonisieren und sexuelle Energien unterdrücken. Ich persönlich bevorzuge da die Italiener und Franzosen. Für sie ist Sex einfach Teil ihrer Kultur. (Seite 11)

Sara fixiert mich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. “Du bist nicht so für Small Talk, oder?” Ich zucke mit den Schultern. “Möchtest du lieber ein bisschen rummachen?” “Steht das tatsächlich zur Wahl?”, gebe ich zurück. “Ich dachte, wir müssen zuerst aufessen.” Sara lacht. “Denken eigentlich alle Männer ständig nur an Sex?” Du kurze Antwort lautet: ja. Alle Männer denken ständig nur an Sex. Zumindest diejenigen, mit denen ich zu tun habe. Sex ist einer der Hauptgründe, der sie von ihren vorgesehenen Pfaden ablenkt. Single-Treffs. Strip-Klubs. Internetpornos. Mir ging bisher mehr produktive, menschliche Zeit durch die Jagd nach Sex verloren als durch Seuchen, Genozide und alle Kriege zusammen. (Seite 103-104)

Sara schaut mich an und lächelt. “Da ist etwas an dir. Etwas Ungewöhnliches. Etwas. durch das ich mich mit dir verbunden fühle. Etwas, das ich nicht genau beschreiben kann.” “Ich kann dir ein paar Vorschläge machen.” “Ich meine das ernst”, gibt die zurück. “Es ist, als wäre ein Teil in meinem Inneren endlich eingerastet, und alles fühlt sich richtig an. Macht dir das Angst?” “Nein”, sage ich. “Den meisten Typen würde es schon Angst machen.” “Ich bin nicht die meisten Typen.” “Ich weiß”, entgegnet sie. “Das ist es, was ich so an dir mag.” (Seite 105)

Ein nettes Wort, das eine Person zu einer anderen sagt, kann zu einem weiteren netten Wort führen, und so kann sich das Gute in einer Kettenreaktion von weiteren Taten oder Worten fortpflanzen und schließlich den Pfad jedes einzelnen Beteiligten verändern. Genauso können aber eben auch geringschätzige Worte oder Gewalt größeren Einfluss gewinnen und mehrere Ziele als nur den ursprünglichen Empfänger treffen. (Seite 125)

Hoffnungslosigkeit, Misserfolg und Verzweiflung sind Teil meines Alltags. Sind Teil meines Lifestyles. Teil meiner Natur. Und plötzlich wird mir bewusst, dass ich bisher im Grunde nicht viel anders als meine Menschen gewesen bin: gefangen in meinen Gewohnheiten und so daran gewöhnt, die Dinge nach Schema F zu erledigen, dass ich für jede Möglichkeit einer Alternative blind gewesen bin, Diese Erkenntnis macht mich auf eine Art betroffen, die über Ekel und Selbsthass weit hinausgeht. Ich bin wie meine Menschen. Wir gleichen uns. Sie sind mein Speigelbild. Ich bin ihr Spiegelbild. Und das ist eine größere Portion Realität, als ich zurzeit verkraften kann. (Seite 148)

Menschen sind so simpel. Besonders menschliche Männer. Verrate ihnen, wie sie es schaffen, nicht jede Nacht masturbierend und allein zu verbringen, und schön folgen sie dir überallhin. Der einzig nennenswerte Unterschied zwischen männlichen Menschen und männlichen Hunden ist, dass die Menschen nicht versuchen, dein Bein zu bespringen. Normalerweise. (Seite 215)

Er, der ohne zu verletzen und ehrlich spricht, erzeigt positives Karma”, erläutert er nun mit geschlossenen Augen die buddhistische Philosophie des Karma. “Geht ganz auf in dem, was ihr macht, und vermeidet, was Schaden zufügt.” “Lebt euer Leben, ohne anderen oder euch selbst zu schaden.” “Vergeltet Ungerechtigkeit nicht mit Verletzung. Vergeltet Ungerechtigkeit mit Freundlichkeit.” Ich bin mir ziemlich sicher, dass der letzte Satz eigentlich von Laotse und nicht von Buddha stammt, aber die Leute hier kennen den Unterschied sowieso nicht. “Was ist mit dem Pfad der Bestimmung?”, frage ich. “Der Mensch schafft erschafft sich seine eigene Bestimmung. Der Pfad, den du suchst, ist dein eigener.” Es ist wirklich frustrierend, wenn Karma in philosophischen Axiomen spricht.  (Seite 224)

Jeder Mensch hat eine Wahl. Die Wahl zwischen Glück und Elend. Vergebung und Groll. Liebe und Zorn. Es gibt keine Endgültigkeit. Jede Situation erfordert einen Entschluss. Und jeder Mensch wählt selbst, wie er oder sie reagieren will. Aber viel zu oft entscheiden sie die Menschen dafür, sich elend zu fühlen. Viel zu oft entscheiden sie sich dafür, einem anderen nicht zu vergeben. Viel zu oft entscheiden sie sich für den Zorn. (Seite 250)

“Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst?” Nachdem ich mich unzählige Jahrhunderte mit Menschen beschäftigt habe, habe ich etwas Entscheidendes über menschliche Frauen gelernt: Es gibt gewisse Fragen, die man niemals ehrlich beantworten sollte. Sehe ich fett aus? Stellst du dir vor, wie du Sex mit anderen Frauen hast? Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst? (Seite 264)

Der Urknall, wie er von Menschen genannt wird, war eigentlich eher der Ur-Unfall. Vor fast vierzehn Millionen Jahren stümperte Jerry in seinem Labor herum. Er vermischte Wissenschaft, Theologie, Philosophie, reinigungsalkohol und Abflussfrei mit ein bisschen Backpulver und – puff! – schon war das Universum entstanden. (Seite 276)

Vielleicht ist es das, was das Menschsein ausmacht. Sich mit anderen zusammenzutun. Ein Gefühl von Kameradschaft zu vermitteln. Die Erfahrung des Lebens miteinander zu teilen, statt seine Erfolge zu horten und sich allein abzurackern. (Seite 380)

Ich muss nicht die Vergangenheit von jemandem kennen, um ihm Mut für die Zukunft zu machen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand hungrig ist, um ihm etwas zu essen zu besorgen. Ich muss nicht wissen, wieso jemandem kalt ist, um ihn zu wärmen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand deprimiert ist, um ihm Hoffnung zu geben.   (Seite 381)

Leseprobe

 

S. G. Browne

Bild von S. G. Browne

 

Scott G. Browne wurde in Arizona geboren und wuchs in der Nähe von San Francisco auf. Er absolvierte ein Managementstudium in Kalifornien und stellte dabei fest, dass seine eigentliche Leidenschaft das Schreiben ist. Trotzdem arbeitete Scott eine Zeit lang als Produzent für Fernsehspots und Filmtrailer bei den Disney-Studios und als Büromanager. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „Anonyme Untote“, dem 2011 „Schicksal!“ folgte.

http://sgbrowne.com/

Interview mit dem Autor 

©Leslie Laurence

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2 Kommentare zu “Schicksal! – Scott G. Browne

  1. Awwwww…um das hatte ich mich bei vorablesen.de ‚beworben‘ habs aber leider nicht gekriegt. Aber so begeistert wie das klingt werde ichs mir vielleicht dann doch, selber zulegen.

    • Das solltest du auf JEDEN Fall tun. Es lohnt sich definitiv :)
      Ich wünsche dir ganz viel Spaß damit und vielleicht gibst du mal eine Rückmeldung, wie es dir gefallen hat, wenn du es gelesen hast.

      Liebe Grüße,
      Heike

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