[Challenge] Gesammelte Schätze – September

Der Augenjäger – Sebastian Fitzek

Es war, wie Alina mir einmal erklärt hatte: Es sind nicht die Augen, mit denen wir die Welt erkennen. Es sind unsere Gefühle, die uns sehen lassen. (Seite 194)

Als Nächstes geschah etwas noch viel Verstörenderes: Es wurde ruhig. Schlagartig. So abrupt, als hätte das Haus jegliches Leben in seinem Inneren mit einem einzigen Atemzug verschluckt. (Seite 196)

Kein Knacken, kein Rauschen. Nichts. Heute war die Melodie des Hauses verstummt, nur die Geister meiner Erinnerungen hallten als Echo in meinem Kopf umher. (Seite 200)

Aus irgendeinem Grund ist es für die Menschen leichter, die Existenz eines Kinderschänders in ihrer Mitte zu akzeptieren, wenn man ein traumatisierendes Ereignis in seiner Jugend findet, als sich  mit der Vorstellung abfinden zu müssen, dass manche widerwärtigen Subjekte schlicht Natur aus böse sind. Man will es nicht wahrhaben, dass einer Kreatur die Lust am Foltern und Morden angeboren ist wie ihre Augenfarbe oder die Eigenschaft, Rechtshänder zu sein.  (Seite 217)

Sie können sich ihre bescheuerte Autoanalogie in ihren verdammten Auspuff stecken, sie Arschloch. (Seite 252)

„Negative Gedanken sind wie Bakterien“, hatte John ihr einmal erklärt. „Haben sie sich einmal in dir festgesetzt, vermehren sie sich und töten jeden Lebensmut in dir.“ „Und welches Antibiotikum empfiehlst du dagegen?“, hatte sie ihn scherzhaft gefragt, und er hatte, ohne zu zögern, eine ernsthafte Antwort darauf gegeben: „Da gibt es nur ein Gegenmittel: Freundschaft.“ (Seite 266)

Trauer ist wie ein Erdbeben. Sie übermannt einen ohne Vorwarnung mit unkontrollierbaren Auswirkungen. (Seite 273)

Es heißt, um ein großes Haus zu zerstören, reiche es aus, einfach nur eine kleine Scheibe einzuschmeißen und abzuwarten. Hat man erst einmal Wind, Regen und Tieren den Zugang ermöglicht, ist der Zerfall  nur noch eine Frage der Zeit. Ich beobachte den Alten auf der Couch, wie er sich seine Lesebrille zurechtrückte, und fragte mich, ob das auch für Menschen galt. Ob irgendwann das Schicksal einen Stein durch die Scheibe unseres Lebens wirft und wir die Folgen dieses Einschlags nicht mehr korrigieren können, sosehr wir uns auch bemühen.        (Seite 310)

“Die Zeit heilt alle Wunden”, zitierte Roth den Volksmund […]. “Nein”, widersprach ich.“ “Sie macht einen nur älter.” (Seite 417)

 

Schicksal! – Scott G. Browne

Klar: Nicht jeder Mensch hat sexuelle Komplexe, Störungen oder anderweitige zweifelhafte Vorlieben, die nur darauf warten befriedigt zu werden. Die meisten Amerikaner allerdings schon. Das liegt vermutlich daran, dass die Vereinigten Staaten Sex dämonisieren und sexuelle Energien unterdrücken. Ich persönlich bevorzuge da die Italiener und Franzosen. Für sie ist Sex einfach Teil ihrer Kultur. (Seite 11)

Sara fixiert mich mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen. “Du bist nicht so für Small Talk, oder?” Ich zucke mit den Schultern. “Möchtest du lieber ein bisschen rummachen?” “Steht das tatsächlich zur Wahl?”, gebe ich zurück. “Ich dachte, wir müssen zuerst aufessen.” Sara lacht. “Denken eigentlich alle Männer ständig nur an Sex?” Du kurze Antwort lautet: ja. Alle Männer denken ständig nur an Sex. Zumindest diejenigen, mit denen ich zu tun habe. Sex ist einer der Hauptgründe, der sie von ihren vorgesehenen Pfaden ablenkt. Single-Treffs. Strip-Klubs. Internetpornos. Mir ging bisher mehr produktive, menschliche Zeit durch die Jagd nach Sex verloren als durch Seuchen, Genozide und alle Kriege zusammen. (Seite 103-104)

Sara schaut mich an und lächelt. “Da ist etwas an dir. Etwas Ungewöhnliches. Etwas. durch das ich mich mit dir verbunden fühle. Etwas, das ich nicht genau beschreiben kann.” “Ich kann dir ein paar Vorschläge machen.” “Ich meine das ernst”, gibt die zurück. “Es ist, als wäre ein Teil in meinem Inneren endlich eingerastet, und alles fühlt sich richtig an. Macht dir das Angst?” “Nein”, sage ich. “Den meisten Typen würde es schon Angst machen.” “Ich bin nicht die meisten Typen.” “Ich weiß”, entgegnet sie. “Das ist es, was ich so an dir mag.” (Seite 105)

Ein nettes Wort, das eine Person zu einer anderen sagt, kann zu einem weiteren netten Wort führen, und so kann sich das Gute in einer Kettenreaktion von weiteren Taten oder Worten fortpflanzen und schließlich den Pfad jedes einzelnen Beteiligten verändern. Genauso können aber eben auch geringschätzige Worte oder Gewalt größeren Einfluss gewinnen und mehrere Ziele als nur den ursprünglichen Empfänger treffen. (Seite 125)

Hoffnungslosigkeit, Misserfolg und Verzweiflung sind Teil meines Alltags. Sind Teil meines Lifestyles. Teil meiner Natur. Und plötzlich wird mir bewusst, dass ich bisher im Grunde nicht viel anders als meine Menschen gewesen bin: gefangen in meinen Gewohnheiten und so daran gewöhnt, die Dinge nach Schema F zu erledigen, dass ich für jede Möglichkeit einer Alternative blind gewesen bin, Diese Erkenntnis macht mich auf eine Art betroffen, die über Ekel und Selbsthass weit hinausgeht. Ich bin wie meine Menschen. Wir gleichen uns. Sie sind mein Speigelbild. Ich bin ihr Spiegelbild. Und das ist eine größere Portion Realität, als ich zurzeit verkraften kann. (Seite 148)

“Wenn du mich fragen würdest, was an dir und mir besonders ist, dann würde meine Antwort lauten: Du bist es.” (Seite 195)

Menschen sind so simpel. Besonders menschliche Männer. Verrate ihnen, wie sie es schaffen, nicht jede Nacht masturbierend und allein zu verbringen, und schön folgen sie dir überallhin. Der einzig nennenswerte Unterschied zwischen männlichen Menschen und männlichen Hunden ist, dass die Menschen nicht versuchen, dein Bein zu bespringen. Normalerweise. (Seite 215)

Er, der ohne zu verletzen und ehrlich spricht, erzeigt positives Karma”, erläutert er nun mit geschlossenen Augen die buddhistische Philosophie des Karma. “Geht ganz auf in dem, was ihr macht, und vermeidet, was Schaden zufügt.” “Lebt euer Leben, ohne anderen oder euch selbst zu schaden.” “Vergeltet Ungerechtigkeit nicht mit Verletzung. Vergeltet Ungerechtigkeit mit Freundlichkeit.” Ich bin mir ziemlich sicher, dass der letzte Satz eigentlich von Laotse und nicht von Buddha stammt, aber die Leute hier kennen den Unterschied sowieso nicht. “Was ist mit dem Pfad der Bestimmung?”, frage ich. “Der Mensch schafft erschafft sich seine eigene Bestimmung. Der Pfad, den du suchst, ist dein eigener.” Es ist wirklich frustrierend, wenn Karma in philosophischen Axiomen spricht. (Seite 224)

Jeder Mensch hat eine Wahl. Die Wahl zwischen Glück und Elend. Vergebung und Groll. Liebe und Zorn. Es gibt keine Endgültigkeit. Jede Situation erfordert einen Entschluss. Und jeder Mensch wählt selbst, wie er oder sie reagieren will. Aber viel zu oft entscheiden sie die Menschen dafür, sich elend zu fühlen. Viel zu oft entscheiden sie sich dafür, einem anderen nicht zu vergeben. Viel zu oft entscheiden sie sich für den Zorn. (Seite 250)

“Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst?” Nachdem ich mich unzählige Jahrhunderte mit Menschen beschäftigt habe, habe ich etwas Entscheidendes über menschliche Frauen gelernt: Es gibt gewisse Fragen, die man niemals ehrlich beantworten sollte. Sehe ich fett aus? Stellst du dir vor, wie du Sex mit anderen Frauen hast? Hast du dich wirklich in Luft aufgelöst? (Seite 264)

Der Urknall, wie er von Menschen genannt wird, war eigentlich eher der Ur-Unfall. Vor fast vierzehn Millionen Jahren stümperte Jerry in seinem Labor herum. Er vermischte Wissenschaft, Theologie, Philosophie, reinigungsalkohol und Abflussfrei mit ein bisschen Backpulver und – puff! – schon war das Universum entstanden. (Seite 276)

“Dann werden wir eben zusammen alt”, meint Sara, und ich spüre das Vibrieren ihrer Stimme an meiner Brust. “Wenn du krank wirst, werde ich mich um dich kümmern. Wenn dein Haar grau wird, werde ich dir sagen, dass du damit vornehm wirkst. Wenn du Speckröllchen bekommst, werde ich dich damit aufziehen. Und wenn du eine Brille brauchst, werde ich es bewundern, wie du damit aussiehst.” (Seite 322 / 323)

“Schlaf ist so wichtig”, schaltet Faulheit sich ein. “Ist sowas wie die wichtigste Mahlzeit des Tages.” “Schlaf ist keine Mahlzeit, Alter”, brummt Völlerei. “Ja, na ja, das sollte er aber sein”, meint Faulheit. “Wenn Schlaf eine Mahlzeit wäre”, erwidert Völlerei und schiebt sich ein Stück Kuchen in den Mund, “würde ich dich mit Haut und Haaren auffressen und die Reste auflecken.” “Alter, das ist nicht cool”, gibt Faulheit zurück. “Das Bild in meinem Kopf werde ich das gesamte nächste Jahrhundert nicht mehr los.” (Seite 326)

Vielleicht ist es das, was das Menschsein ausmacht. Sich mit anderen zusammenzutun. Ein Gefühl von Kameradschaft zu vermitteln. Die Erfahrung des Lebens miteinander zu teilen, statt seine Erfolge zu horten und sich allein abzurackern. (Seite 380)

Ich muss nicht die Vergangenheit von jemandem kennen, um ihm Mut für die Zukunft zu machen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand hungrig ist, um ihm etwas zu essen zu besorgen. Ich muss nicht wissen, wieso jemandem kalt ist, um ihn zu wärmen. Ich muss nicht wissen, wieso jemand deprimiert ist, um ihm Hoffnung zu geben.   (Seite 381)

 

Memory / Stadt der Träume – Christoph Marzi

“Eine Geschichte, wovon immer sie handeln mag, ist nur so gut, wie sie erzählt wird”, gab Gaskell zu bedenken. “Das haben gute Geschichten mit guten Rocksongs gemeinsam.” (Seite 80)

Story und Jude lauschten gebannt den Worten, die ihnen geschenkt wurden. Denn das gehörte sich so, wenn jemand auf dem Friedhof eine alte verstaubte Geschichte mit einem teilte. Geschichten, das wusste Jude, waren wertvoll, denn sie halfen einem, die Welt zu verstehen. Sie lenkten von den wirklich schlimmen Dingen ab und manchmal, in den besten Fällen, ließen sie Hoffnung aufkeimen. (Seite 93)

Dann überließ er sich der Melodie, die gerade zu ihm kam, und half ihr, sich zu entfalten. Er spürte das Lied, das in ihm geschlummert hatte, nannte es in Gedanken, die kaum mehr als eine Ahnung waren, Storytime. Die Melodie war schlicht und gleichzeitig elegant, sie begann langsam wie ein Lächeln und steigerte sich zu einem Tanz, zu dem man ein junges Mädchen auffordert, das nicht wie die anderen ist. Judes Finger streiften die Saiten und das Lied, das er nie zuvor gehört hatte, floss ins Licht des Zimmers und verharrte dort, auch noch als es längst verklungen war. (Seite 200)

Die Passanten in ihren Rüstungen aus Designeranzügen und teuren Kostümen eilten mit gewichtiger Miene vorbei, als könnten sie nicht schnell genug zu ihren Geschäften zurückkehren, um noch reicher zu werden, als sie es offensichtlich schon waren. Im Hintergrund wirkte die Kathedrale wie ein Relikt aus alter Zeit, dem niemand mehr Glauben schenkte. (Seite 232)

Sie gingen den Rosenweg entlang, doch die Rosen waren schon seit Wochen verblüht. Nir noch vereinzelt hingen verdorrte Knospen an den dornenbewehrten Ranken, die, ihrer Blütenpracht beraubt, zänkisch und wankelmütig wirkten. (Seite 288)

 

Ich wünschte, ich könnte dich hassen – Lucy Christopher

Ich spitze angestrengt die Ohren, um das Brummen eines Motors aufzuspüren, lauschte auf ein Auto oder ein Flugzeug, das näher kam. Ich staunte, als mir klar wurde, dass ich mich nach einer Autobahn sehnte. Aber ich hörte nie irgendwas. Es war verrückt, wie still es hier war. Daran war ich nicht gewöhnt. Ein paar Tage überlegte ich sogar, ob ich einen Hörschaden hätte. Es kam mir vor, als wären alle Geräusche, die mir vertraut waren, einfach abgetrennt und weggeschmissen worden. Im Vergleich zu dem Lärm, der einen in London bombardierte, gab mir die Wüste das Gefühl, taub zu sein. (Seite 59)

Ich war fest entschlossen, nicht aufzugeben. Mir war klar, dass alles zu Ende wäre, wenn ich das tat. Wenn ich aufgab, war ich so gut wie tot. (Seite 60)

Er war so groß, dieser Ausblick, unvorstellbar groß. Ich werde mich nie mehr wirklich an ihn erinnern können. Wie soll man sich an etwas so überwältigend großes erinnern? Ich glaube, das Gehirn normaler Menschen ist für Erinnerungen dieser Art nicht geschaffen. (Seite 65)

„Die Menschen lieben, was ihnen vertraut ist.“ „Nein.“ Du schütteltest den Kopf. „Die Leute sollten das lieben, was ihre Liebe braucht. Damit sie es retten können.“ (Seite 266)

 

Liebe am Ende der Welt – Anthony McCarten

Leidenschaft hauste in ihm wie ein verkümmertes Tier, das nach Nahrung schrie. Er wusste, wie unglücklich Liebende es meistens wissen, dass es nun nicht mehr lange dauern konnte, bis dieses Tier sich in seinem Hunger auf seinen Herrn stürzen würde. […] Er sah ihr nach und konnte nur noch bestätigen, dass er keinerlei Eindruck auf sie gemacht hatte, dass er seit je keinerlei Eindruck auf sie machte. Und drinnen leckte das hungrige Tier von neuem an seinem bleischweren Herzen, schnüffelte mit heißem Atem und feuchter Schnauze, entblößte die Reißzähne, und dann biss es ein Stück von seinem Herzen ab. Das tat weh. Zum ersten Mal spürte Gilbert Haines das Elend, die ganze Wucht einer unerwiderten Liebe. (Seite 49 / 50)

Das feine Gewebe der Ehe besteht aus mannigfaltigen Fäden, und vielleicht ist es die größte Herausforderung einer lebenslangen Gemeinschaft, der Versuchung zu widerstehen, an denen, die lose heraushängen, zu ziehen. Stattdessen braucht man Geduld, um sie behutsam, mit Ruhe und Gelassenheit wieder in die Textur der Zweisamkeit hineinzuflechten, und darf sich nie den Verdacht bestätigen lassen, dass ein kleines Fädchen, wenn man einmal daran zieht, das Ganze aufribbeln wird. (Seite 86)

Am Montag kamen die langerwarteten Bücher aus Wellington in fünfunddreißig identischen Pappkartons. Zwei Möbelpacker trugen sie in die Bibliothek, und dann hielten sie Phillip ein dickes Bündel Papiere unter die Nase, eine Liste sämtlicher gelieferter Bände – eine veritable Sturzflut aus Klassikern. Als der Lastwagen wieder fort war, erhob Phillip sich von seinem Platz und betrachtete die vielversprechende Ansammlung. Kein Pirat mit einer solchen Zahl an Schatztruhen hätte glücklicher über seine Beute sein können. Schier unglaublich, dass solcher Reichtum mit einer einzigen Lieferung gekommen war. (Seite 244 / 245)

 

Totentöchter / Die dritte Generation – Lauren DeStefano

Der Mann in Weiß sagt: ”Was das Schicksal zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.” Das Schicksal, denke ich, ist ein Dieb. (Seite 58)

Das ist die Stille, wie ich sie mir im Rest der Welt vorstelle, die Stille eines endlosen Ozeans und unbewohnter Inseln, eine Stille, die vom Weltraum aus sichtbar ist. (Seite 85)

Das Leben ist ganz anders als in den Tagen, in denen es noch Lilien im Garten meiner Mutter gab und alle meine Träume in einen Pappbecher passten. (Seite 226)

Cecily sagt: “Ich wünschte, wir hätten ein echtes Klavier. Sogar das schäbige Waisenhaus hatte ein echtes Klavier.” Jenna steht in der Tür – Mund und Hand voll geschälter Pistazien – und sagt: “Echt ist an diesem Ort ein unanständiges Wort.” (Seite 300)

 

Auszeit – Claudia Breitsprecher

“Das Glück kommt in der Beobachtung. Dazu müssen wir sehen können. Und zum Sehen braucht es Licht. Außen und innen.” ~Miriam Meckel

Fast wäre mir das Leben aus den Händen gerutscht. Gerade noch habe ich es festgehalten, und so lege ich meine Finger darum und betrachte es. Wie farbig kann es schillern, wenn die Zeit nicht ausgefüllt ist mit Drucksachennummern und Plenarsaalscharmützeln. Ich esse langsamer als sonst und kaue gründlich, schmecke jedem einzelnen Bissen nach. Wie köstlich kann sein, was meine Sinne aufzunehmen vermögen, wenn ich sie lasse. Wie kostbar. (Seite 15)

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem sich das Innehalten nicht länger vermeiden lässt, und diese Einsicht erleichtert mich auf wundersame Weise. (Seite 16-17)

Ich will mich nicht quälen und nicht hetzen. Ich gebe mich der Langsamkeit hin und lasse mich von Nichtigkeiten fesseln, die ich noch nie wahrgenommen habe; da dreht die Stubenfliege auf dem Rand des benutzten Tellers ihre Runden, ein Traktor knattert durchs Dorf, die Stimme von Edith Piaf erscheint mir wie wütendes Klagen, im ersten, wie begeistertes Entzücken im zweiten Moment. Fernab der Hektik in der Stadt und der Tumulte im Plenarsaal bade ich in dem, was um mich herum geschieht. (Seite 39-40)

Das Paradies ist nicht im Himmel, sondern in den Augenblicken, in denen wir kein Unheil erwarten. Wir wandeln darin in einem Morgen, an dem wir in den Armen der Geliebten erwachen, die noch schläft, der Atem ruhig und gleichmäßig an unserer Schulter kitzelt. Manchmal lässt es sich ahnen, wenn wir an einem Fluss im Gras sitzen, mit Blick auf einen Schleppkahn, der gleichmäßig tuckernd vorüberzieht und Wellen gegen das Ufer treibt. Es berührt uns, wenn die Sonne auf unser Gesicht scheint und neben uns jemand lacht. Oder schweigt. Das Paradies ist nicht dort, wo es laut ist. Es sickert still in unsere Poren wie Honig in den Teig einer Scheibe Toast, und wenn es eingedrungen ist, fühlt es sich an wie stehengebliebene Zeit; Sekunden voller Kraft für ein ganzes Leben […]. (Seite 111-112)

Ich will sie wieder beim Frühstück beobachten, wenn sie noch müde den Kopf in die Hand legt und zusieht, wie der Honig zäh vom Löffel auf ihr Sesambrötchen tropft. Ich will, dass sie wieder den Schaum von ihrer Handfläche in meine Richtung pustet, während wir zusammen in de Badewanne liegen. Ich würde sie bei jeder Radtour die Karte lesen lassen. Es würde mich nie mehr stören, wenn sie uns in die verkehrte Richtung lotst. Entschuldige, soll sie sagen und mich ansehen mit diesem Blick, der voll ist von Gram und Charme und Augenzwinkern. Ich will die richtigen Wege mit ihr nehmen und die falschen, solange es nur wieder gemeinsame Wege sind. (Seite 145)

 

Dead Beautiful / Deine Seele in mir – Yvonne Woon

“Was, wenn das bedeutet, dass ich dich verletzen kann?” “Dann würde ich sagen, dass ich keine Angst habe. Jeder hat die Fähigkeit, anderen wehzutun. Es zählt nur die Entscheidung.” (Seite 339)

Ich vermisse es, mit meinem Vater den Baum zu fällen und ihn dann nicht in den Kombi zu reinzukriegen. Kakao zu trinken und nervtötende Weihnachtslieder zu hören, wenn wir zusammen den Baum schmücken. Wie mein Vater immer noch Milch und Kekse für den Weihnachtsmann an den Kamin gestellt hat, als ich schon längst ein Teenager war. Hier ist der Baum viel zu perfekt. Noch nicht mal ein kleines bisschen krumm ist er. Völlig unnatürlich.      (Seite 340)

“Der Tod ist nichts, vor dem man sich fürchten muss.” “Ich fürchte mich nicht vor dem Tod.” “Wovor dann?”, fragte er. “Dem Leben.” (Seite 358)

Dieses niemals existiert nur in Ihrem Kopf. Alles ist möglich. (Seite 395)

 

Evermore / Stern der Nacht – Alyson Noël

Er nickte mit geduldiger, freundlicher Miene. “Wir entwickeln unser Karma durch die Entscheidungen, die wir treffen, dadurch, wie schnell – oder wie langsam wir erfassen, was in der Welt wirklich zählt – wie schnell wir uns dem wahren Grund dafür unterwerfen, aus dem wir hier sind.” “Und der wäre?”, frage ich, immer noch reichlich durcheinander. “Der wahre Grund, meine ich?” “Einander zu lieben.” Er zuckt die Achseln. “Nicht mehr und nicht weniger.“ (Seite 26)

Es gibt keine Schnellkur gegen Kummer. Keine Abkürzungen, keine einfachen Lösungen, keinen Weg, ihn auszulöschen. Nur die Zeit schafft das, und auch nur mit Mühe. Auch wenn ich sonst nichts gelernt haben sollte, das hat sich mir eingeprägt. (Seite 97)

Es kommt alles auf deine Absichten an. Wenn du dich ausschließlich auf ein Problem konzentrierst, bekommst du nur mehr von dem Problem. Aber wenn du dich darauf konzentrierst, hilfreich zu sein, dann wird deine Energie auf die Hilfe gerichtet statt auf das Problem. (Seite 254)

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