Fast ein bisschen Frühling – Alex Capus

fast_ein_bisschen_fruehling Vielen Dank an  logo-detail für dieses Rezensionsexemplar :)

Verlag: dtv

ISBN: 978-3423131674

Bekommen: 02.09.2011

Angefangen: 01.10.2011

Ausgelesen: 01.10.2011

Gelesene Seiten: 160

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 19.238

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Fernweh und Heimweh zugleich – die Geschichte zweier Bankräuber, die 1933 aus Wuppertal nach Indien fliehen wollten, der Liebe wegen aber nur bis Basel kamen. Zwei arbeitslose Burschen, Kurt Sandweg und Waldemar Velte, suchten im Winter 1933 den Seeweg von Wuppertal nach Indien. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfielen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschossen. Auf der Flucht vor ihren Verfolgern kamen sie nicht sehr weit: In Basel verliebte Kurt Sandweg sich in die Schallplatten-Verkäuferin Dorly Schupp. Tag für Tag kauften er und sein Freund eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht war und der nächste Banküberfall nötig wurde. Abend für Abend gingen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie war die junge Sportartikelverkäuferin Marie Stifter, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers wurde und die sich entscheiden musste zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten.

Rezension:

Waldemar Velte und Kurt Sandweg wissen: daheim in Wuppertal wollen und können sie nicht bleiben. Also wollen sie nach Indien. Gar nicht so leicht 1933. Trotzdem machen sie sich auf den Weg. Das nötige Reisegeld beschaffen sie sich durch einen Banküberfall in Stuttgart. Bis Basel immerhin schaffen sie es, wo sie auf Dorly und Marie treffen. Gerne würden sie bleiben, aber das Geld wird knapp und damit der nächste Banküberfall fällig…

Selten ist mir eine Rezension so schwer gefallen wie diese. Was soll man auch schreiben, wenn man auch nach einer ganzen Woche nachdenken noch immer nicht weiß, was für ein Buch man da gelesen hat!? Eine halbfiktive Road-Movie Krimi-Dokumentation gepaart mit ein bisschen Romantik und ein bisschen Zeitgeiststudie vielleicht. Und das alles auf nur 160 Seiten. Denn den Kriminalfall “Sandweg und Velte” hat es tatsächlich gegeben.

Viele Versuche (nach eigener Aussage von Alex Capus genau 22) und über zehn lange Jahre hat der Autor gebraucht um aus  Realität und Fiktion eine Geschichte zu spinnen, die einerseits sehr nüchtern und dokumentarisch, andererseits aber auch eindringlich und unglaublich spannend daher kommt. Der schnelle Wechsel vieler verschiedener Erzählperspektiven tut sein Übriges. Keine der Personen in Capus Roman wirkt zufällig platziert, jede hat ihren eigenen Platz und ihre eigene Geschichte, die zumindest kurz angerissen wird. Nicht alle der Geschichten werden bis ins letzte Detail erzählt, aber das ist erstens auf 160 Seiten schlicht unmöglich und zweitens auch eigentlich gar nicht nötig.

“Fast ein bisschen Frühling” ist ein gegensätzliches Buch. Man spürt die Melancholie der beiden fern der Heimat von noch mehr Ferne träumenden jungenhaften Freunde Waldemar und Kurt. Man spürt aber genauso die kaltblütige Wut und den unbändigen Hass der beiden letztlich an ihrer eigenen Verzweiflung zu Grunde gehenden Bankräuber. Der Autor beschönigt nichts, vermeidet es Stellung zu beziehen zu den Verbrechen seiner Protagonisten. Das muss der Leser dann schon für sich selbst tun.

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 5 Sterne für einen kleinen, aber sehr feinen Roman.

Leider offenbar im Moment vergriffen ist der bereits 2002 im Residenz Verlag erschienene Doppelband aus “Fast ein bisschen Frühling” und einem “Buch zum Buch”, das zusätzlich eine CD mit den Original-Tango-Aufnahmen von Willi Kollo enthält, die Waldemar und Kurt bei Dorly erstanden haben.

Ähnlich fesselnd wie den Roman finde ich übrigens die beiden unten verlinkten Artikel / Interviews von und mit Alex Capus.

fasteinbisschenfruehling

Interview mit Alex Capus

Artikel auf www.zeit.de

 

 

Waldemar Velte, Dorly Schupp und Kurt Sandweg am Rhein in Basel

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