Archiv | Dezember 2011

Tschüss 2011!

2012 „May your coming year be filled with magic and dreams and good madness. I hope you read some fine books and kiss someone who thinks you’re wonderful, and don’t forget to make some art — write or draw or build or sing or live as only you can. And I hope, somewhere in the next year, you surprise yourself.“

~ Neil Gaiman

Skinny Bitch – Rory Freedman und Kim Barnouin

skinny Originaltitel: Skinny Bitch 

Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3442170395

Gekauft: Dezember 2011

Angefangen: Dezember 2011

Ausgelesen: Dezember 2011

Gelesene Seiten: 272

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 21.427

Bewertung: 4sterne

Klappentext:

Dieses Buch hat Millionen amerikanische und britische Frauen aufgerüttelt, denn es serviert unverblümt, ungehemmt und knallhart (aber herzlich) die ganze Wahrheit: Wer sich mit schlechtem Essen voll stopft, darf über seine Pfunde nicht jammern! In der Ernährung mit Köpfchen liegt der Erfolg! Voller Power versorgen die Autorinnen mit allem notwendigen Know-how, damit Frau gut informierte, intelligente Entscheidungen über ihre Ernährung treffen kann. Auf zum gesunden, schlanken Lifestyle!

Dark Love – Lia Habel

dark love Vielen Dank an ref_piper_logo  für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Dearly, Departed

Verlag: Piper

ISBN: 978-3492702195

Bekommen: Dezember 2011

Angefangen: Dezember 2011

Ausgelesen: Dezember 2011

Gelesene Seiten: 512

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 21.155

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher – das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tages entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt – und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut. Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe. Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht?

Rezension:

Langsam wird es Zeit für die 17-jährige Nora einen Mann zu finden. Ihr Vater ist tot und ihre Tante besteht darauf, dass sie möglichst bald debütiert um endlich eine gute Partie machen zu können. Doch als Nora für die Ferien aus dem Internat nach Hause kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Sie wird entführt und als sie herausfindet von wem und warum steht ihre Welt endgültig Kopf.

Klingt wie ein Roman, der im 19. Jahrhundert spielt? Klingt so, ist aber ganz anders. Denn es gibt auch Hologramme, unterirdische Städte und … Zombies! „Dark Love“ spielt im Jahr 2195 und alles hat sich irgendwie völlig anders entwickelt, als man es sich eigentlich vorstellen würde.

Obwohl der Titel und das Herz auf dem Cover eine kitschige Liebesgeschichte vermuten lassen, ist das bei weitem nicht der Fall. Viel eher erwartet den Leser ein Ausflug in eine Zeit, die genauso faszinierend wie gefährlich ist und von der ich mir sehr gut vorstellen kann, noch einiges mehr zu erfahren.

Aus mehreren Erzählperspektiven hat Lia Habel eine wirklich sagenhafte Geschichte gesponnen, die romantisch ist ohne kitschig zu sein und gruselig, ohne blutrünstig zu werden. Anfangs haben mich die verschiedenen Erzählperspektiven noch ein wenig verwirrt, aber als die Story mich schließlich völlig gepackt hatte, hat es den Lesefluss überhaupt nicht mehr gestört.

Die Protagonisten sind durch die Bank gut ausgearbeitet, glaubwürdig und liebenswert. So wie Nora sich im Laufe des Romans mit einigen Zombies immer mehr anfreundet, so wird auch der Leser immer vertrauter mit der Welt, in der Nora lebt. Mit unheimlich viel Humor und Situationskomik wird die – verständlicherweise – stellenweise recht düstere Atmosphäre immer wieder gekonnt aufgelockert. Selten habe ich in einem Roman so viele Charaktere getroffen, die es wert gewesen wären, ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Roman, zu bekommen.

Besonders Pamela und Renfield sind mir ans Herz gewachsen und ich hoffe, von den beiden noch mehr zu lesen. Dark Love“ ist zwar in sich abgeschlossen, lässt aber dennoch eine Menge Platz in der Geschichte für kommende Fortsetzungen.

Abgerundet durch ein traumhaft schönes Cover, das ich beim Lesen immer wieder anschauen musste, stachelt „Dark Love“ die Lust auf eine Fortsetzung (die im Original voraussichtlich 2012 erscheint) gewaltig an! 5 Sterne für eine außergewöhnliche, romantische, spannende und dystopische (Liebes-)Geschichte.

Zitate:

Ich fragte mich, ob man wohl erst eine Lizenz zum Verrücktwerden beantragen musste, ob es da vielleicht ein Seminar gab oder ob man eines Tages einfach loslegen konnte. (Seit 98)

Der Mann leckte sich über die spröden Lippen. “Dann bin ich…also wirklich tot. Wie…die anderen.” Ich nickte. Dieser Moment war entscheidend. Die Welt um uns schien still zu stehen, das Salz vor der offenen Tür glühte gleißend rot im Licht des Sonnenuntergangs. Henry senkte den Blick und suchte nach seiner Seele. (Seite 128)

Leseprobe

lia Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu »Dark Love« hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte. (Quelle)

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Angelfire – Meine Seele gehört dir – Courtney Allison Moulton

angelfire Vielen Dank an pageturner  für dieses Rezensionsexemplar :)

Originaltitel: Angelfire

Verlag: Page & Turner

ISBN: 978-3442203949

Bekommen: Oktober 2011

Angefangen: November 2011

Ausgelesen: Dezember 2011

Gelesene Seiten: 416

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 21.643

Bewertung3sterne

Klappentext:

Sie ist stark. Sie ist kämpferisch. Nur sie kann die Welt retten.

Zuerst kamen die Albträume. Jede Nacht wurde Ellie von ihnen heimgesucht. Schreckliche Wesen verfolgen und töten sie dann. Aber sind es tatsächlich Träume – oder nicht doch Erinnerungen? Und dann ist da dieser mysteriöse Fremde, Will. Es kommt ihr vor, als würde ihre Seele ihn wiedererkennen. Und wirklich weiß er mehr über sie als sie selbst – denn er offenbart ihr, dass sie magische Kräfte besitzt, an die sie sich nicht mehr erinnern kann. Und dass die Wesen in ihren Träumen schreckliche Realität sind, finstere Kreaturen, die es auf die Seelen der Menschen abgesehen haben. Ellie ist die Einzige, die den Kampf gegen sie aufnehmen und ihnen Einhalt gebieten kann. Doch zuerst muss sie sich ihrer eigenen Vergangenheit stellen, auch wenn die Erinnerungen daran fast schmerzlicher sind, als sie ertragen kann.

Rezension:

An die Alpträume und ihren irgendwie komischen Dad hat Ellie sich schon fast gewöhnt wie es scheint. Doch dann taucht Will auf, ein mysteriöser Fremder, der sie völlig aus der Fassung bringt und ihr Dinge über sie selbst erzählt, die sie kaum glauben kann. Doch es scheint die Wahrheit zu sein, denn bald steckt sie mittendrin in Kämpfen zwischen Gut und Böse und ihr bleibt keine Wahl, als sich mit ihrem Schicksal zu arrangieren.

Der erste Band der „Angelfire“-Trilogie hat es gleich in sich! Sofort zu Beginn wird man gemeinsam mit Ellie mitten in die Handlung geworfen und muss sich erst mal ein wenig zurecht finden, denn der Kampf zwischen Himmel und Hölle beginnt recht unvermittelt und ich hatte anfangs einige Schwierigkeiten mit dem Tempo, das Courtney Allison Moulton vorlegt. Die Informationsflut hat mich ein wenig erschlagen und ich hatte stellenweise fast Mühe mitzukommen. Trotzdem hat es sich aber gelohnt durchzuhalten, denn der Humor und die liebevollen Sticheleien, mit denen Ellie und Will sich gegenseitig mindestens genauso harte „Kämpfe“ liefern, wie mit ihren anderen Gegnern, entschädigt schon für vieles.

Mit der weiteren Handlung entwickelte sich der anfangs noch ein wenig holprige Schreibstil in einen flüssigen, gut zu lesenden. Gekonnt verwebt die Autorin atemberaubende Kampfszenen mit leiseren, romantischeren Momenten und steigert die Ungeduld des Lesers schon sehr, da sich Ellie nur sehr langsam an ihre vorigen Leben erinnert. So erfährt man auch nur nach und nach mehr über Will, der recht verschlossen ist und auch gar nicht so recht in unsere Zeit zu passen scheint.

Insgesamt kam die Ausarbeitung der Charaktere zwischen all dem rätselraten und kämpfen für mich ein wenig zu kurz, so dass ich keine wirklich Verbindung aufbauen konnte. Wirklich neu ist die Thematik nicht und Courtney Allison Moulton fügt dem auch nur wenig hinzu. Das wenige jedoch hat Hand und Fuß und mir wirklich gut gefallen und auch, dass am Ende eigentlich keine Fragen offen bleiben, fand ich positiv.

3 Sterne für einen soliden Auftakt zu einer Trilogie, die hoffentlich bald fortgesetzt wird.

Leseprobe

Autoreninformationen:

Courtney Allison Moulton

Courtney Allison Moulton lebt in Michigan, USA, wo sie als Fotografin arbeitet. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit Pferden. Außerdem hat sie sich schon immer gern mit Mythen, alten Sprachen und dem Erzählen von schaurigen, romantischen Geschichten beschäftigt. „Angelfire – Meine Seele gehört dir“ ist der Beginn einer Trilogie und ihr erster Roman.

(Quelle)

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Peace Food: Wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt – Ruediger Dahlke

peace food Vielen Dank an gu für dieses Rezensionsexemplar :)

Verlag: Gräfe und Unzer 

ISBN: 978-3833822865

Bekommen: November 2011

Angefangen: November 2011

Ausgelesen: November 2011

Gelesene Seiten: 336

Gelesene Seiten insgesamt 2011: 21.227

Bewertung: 2sterne

Klappentext:

Unsere Ernährung kann uns krank machen – oder heilen. Dies ist das flammende Plädoyer des Ganzheitsmediziners Rüdiger Dahlke für eine Ernährung des Friedens. Aus seiner Sicht enthält unsere Nahrung zu viel Totes und macht deshalb unglücklich. Die Auswirkung der Angsthormone des Schlachtviehs auf unsere Seele sind zwar noch nicht erschöpfend erforscht, eine umfangreiche chinesische Langzeitstudie hat aber zweifelsfrei bewiesen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebsinzidenz gibt. Und Krebs ist aus Dahlkescher Sicht eindeutig eine Krankheit der Seele. Diesem Szenario stellt er die heilende Ernährung entgegen: Die neuesten neuroendokrinologischen Erkenntnisse zeigen welche Hormone unsere seelische Balance bestimmen und wie sie mit hochwertigen Kohlenhydraten und Fetten befeuert werden. Kein Dahlke-Buch ohne direkten Nutzen: Ein Rezeptteil mit dreißig veganen Genussrezepten zeigt, wie schmackhaft Nahrung für die Seele sein kann.

Rezension:

Nachdem im letzten Jahr Jonathan Safran Foer mit “Tiere essen” in Sachen Vegetarismus gewaltig vorgelegt hatte, zieht nun Ruediger Dahlke mit “Peace Food” nach und versucht eine Lanze für den Veganismus zu brechen.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert:

  1. Krank durch Fleisch- und Milchprodukte
  2. Das Leid der Tiere
  3. Das Beste für Körper und Seele
  4. 30 vegane Rezepte für ein glückliches Leben

Anschließend folgt ein Anhang, der unter anderem weitere Bücher des Autors auflistet und ein ausführliches Register.

Allem voran steht eine zehnseitige Einleitung, in der Ruediger Dahlke kurz den Inhalt des Buches und seine Beweggründe, sich mit dem Thema zu befassen, erläutert. Dieser Teil hat mir wirklich sehr gefallen und würde – für sich stehend – auch sicher 4 Sterne verdienen.

Bis dahin war ich also noch wirklich begeistert. Die weiteren Teile allerdings haben mich (als Veganerin!) nicht überzeugen können und ich befürchte, dass “Peace Food” bei Nicht-Veganern eher auf Ablehnung stoßen wird, als auf Zustimmung. Warum?

Teil eins beleuchtet die negative Wirkung, die der Verzehr tierischer Produkte in körperlicher und seelischer Hinsicht auf den Menschen haben kann. Dort zitiert Dahlke seitenweise Studienergebnisse, packt ein paar Allgemeinplätze und ein bisschen Pathos dazu. Der Leser wird erschlagen von Zahlen und Namen, statt von der an sich so wichtigen Botschaft überzeugt zu werden. Weiter geht es in Teil zwei mit dem Leid der Tiere, wo dem Autor scheinbar auch wenig Eigenes einfiel und er stattdessen die grausamsten Szenen aus “Tiere essen” und des erschütternden Berichts von Christiane Haupt über die Zustände in einem deutschen Schlachthof zitiert. Im dritten Teil erfährt der Leser noch etwas über Sonne und Schlaf als Heilquelle und es werden auf fünf Seiten Aussagen verschiedener Weltreligionen zum Thema abgearbeitet.

Fast im gesamten Buch finden sich außerdem sehr gehäuft nicht besonders subtile Hinweise auf andere Bücher des Autors, sowie ein von ihm kreiertes Nahrungsergänzungsmittel. Insgesamt wirkte “Peace Food” dadurch leider eher abstoßend als ansteckend.

Aus dem Rezeptteil habe ich bisher nichts gekocht, einige der Rezepte von Dorothea Neumayr klingen aber wirklich gut; wie zum Beispiel: Karotten-Ingwer-Suppe mit karamellisiertem Apfel oder Pasta mit Kirschtomaten und Rucola.

Fazit: Hier wurde ein extrem wichtige Botschaft für reine Selbstvermarktung missbraucht. Leider also nur 2 Sterne.

Zitate:

Mir scheint, nach ungezählten Fleischskandalen, nach Giftorgien im Futter und im Verbraucher, nach aus der Tierzucht stammenden Vogel- und Schweinegrippeviren ist die Zeit reif für ein Umdenken und einen Neuanfang. Letzerer aber kann nur vom Einzelnen ausgehen, von ihm aber kann er sich ausbreiten wie ein Lauffeuer, von Mund zu Mund und Herz zu Herz. (Seite 11)

Es ist für die Seele wichtig, nur das zu sich zu nehmen, was wir von Anfang bis Ende problemlos und ohne Widerwillen selbst verarbeiten können. Da fallen dann für die meisten schon alle Geschöpfe weg, die ein Gesicht haben und eine Mutter, die sie geboren hat und ihr Gesicht erkennt. Für Körper und Seele einfacher wird es auch, wenn man sich auf Pflanzen beschränkt, die gewachsen sind, Wurzeln geschlagen und Blüten gebildet haben – etwas, das für Mars, Bounty und die meisten Süßigkeiten nicht gilt. Sie werden auch weder dazu beitragen, uns zu verwurzeln, noch unser wahres Wesen zur Blüten bringen. (Seite 91)

Der im Osten durchaus geläufige Gedanke, all jene Wesen, die unter uns gelitten hätten, erwarteten uns auf der anderen Seite zusammen mit denen, die wir gefördert und geliebt haben, mag erschrecken und trösten zugleich. So ernten wir spät, was wir beim Einkaufen entscheiden. (Seite 141)

[Nach einem Abschnitt über die Rinderschlachtung:] Das Ganze liest sich schon zum Wände hochgehen. Stellen Sie sich vielleicht besser nicht vor, so etwas mit ansehen zu müssen. Sie müssen nicht und Sie müssen das auch nicht weiter beim einkaufen und essen unterstützen. (Seite 150)

Insgesamt kann ich mich hier nur den Worten des Schweizer Arztes Dr. Ernst Walter Henrich anschließen: “(…) ich möchte und kann nicht wegschauen (…). Ich verabscheue das verbrecherische Treiben, das dazu führt, dass täglich etwa 40.000 Kinder an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, weil man mit der pflanzlichen Nahrung lieber die gequälten Tiere füttert, um Fleisch, Milch und Eier zu gewinnen. Mit diesen tierischen Produkten (fr)essen sich die Wohlstandsbürger ihre Wohlstandskrankheiten an, die dann als Gipfel der moralischen Verwahrlosung in der Gesundheitsindustrie zu fast immer nutzlosen Tierversuchen führen.” (Seite 154)

Wir leben in einer absurden Zeit, in der es als normal gilt, Tiere wie Dinge zu behandeln, in der entsetzlichste und unmenschlichste Tierquälerei hingenommen wird, allenfalls als nicht zu ahndendes Kavaliersdelikt. Wo Konzerne, die Millionen Wesen industriell quälen lassen, von Politiker und Gesetzen geschützt und mit großzügigen Subventionen aus Steuergeldern bedacht werden. Wohingegen Tierschützer, Vegetarier und Veganer als unnormal gelten, als Verrückte und jedenfalls nicht ernstzunehmende Außenseiter oder Sektierer. Bestenfalls werden sie belächelt. Aber unsere Haltung und unser Engagement erlauben es uns, hinsichtlich dieses Themas in den Spiegel zu schauen. Und die Zeiten werden sich ändern. Als Atomkraftgegner der ersten Stunde erinnere ich mich daran, wie wenige und wie isoliert wir vor 30 Jahren waren – inzwischen sind wir die Mehrheit und staunen, wer sich so alles zu uns gesellt. (Seite 179)

Leseprobe

Hide*Out – Andreas Eschbach

6062_Eschbach Vielen Dank an arena für dieses Rezensionsexemplar :)

Verlag: Arena

ISBN: 978-3-401-06587-8

Bekommen: 05.11.2011

Angefangen: 11.11.2011

Ausgelesen: 18.11.2011

Gelesene Seiten: 456

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Hunderttausende Menschen, die im Gleichtakt denken, handeln, fühlen: Das ist die Kohärenz, die größte Bedrohung der Menschheit. Lediglich der 17jährige Christopher, einst der berühmteste Hacker der Welt, wagt es, den Kampf mit dieser gigantischen Macht aufzunehmen. Als die Gruppe um den Visionär Jeremiah Jones auffliegt, bei der Christopher Zuflucht gesucht hat, können er und Jones Tochter Serenity in letzter Sekunde fliehen. Doch dann stellt Christopher zu seinem Entsetzen fest, dass er es mit einem ganz besonderen Feind zu tun hat – einem Feind in seinem eigenen Kopf…

Rezension:

Für die Kohärenz ist Christopher mittlerweile zur echten Bedrohung geworden. Sie jagen ihn und mit ihm die ganze Gruppe um seinen Unterstützer Jeremiah Jones. Die Situation wird immer gefährlicher und niemand scheint mehr sicher zu sein vor der Allmacht der Kohärenz. Sie ist überall. Sie sieht alles, sie weiß alles, sie kann alles – kann Christopher es trotzdem schaffen, ihr den entscheidenden Schritt voraus zu sein?

Den in “Black*Out” begonnenen, unglaubliche spannenden Plot setzt Andreas Eschbach hier nicht minder fesselnd fort und gleich nach wenigen Seiten ist man wieder mittendrin in der Zukunftsvision einer vollständig vernetzten, ihrer Individualität beraubten Menschheit.

Gottgleich glaubt die Kohärenz unbesiegbar zu sein – allmächtig! Scheinbar unaufhaltsam schreitet sie voran, assimiliert Mensch um Mensch.

Eschbach spielt so gekonnt mit seinem Thema, dass beim Leser bald die Grenze zwischen Realität und Fiktion verschwimmt. Wie weit ist diese absolute Vernetzung wirklich weg? Ist die Technik längst soweit, ohne dass wir es auch nur ahnen? Sind wir wirklich allein in unserem Kopf?

Die Charaktere erreichen eine angemessene Komplexität und besonders die Entwicklung die Christopher durchlebt macht ihn glaubwürdig und verleiht ihm die nötige Tiefe. Die schwammige Ungreifbarkeit, die der Kohärenz hingegen anhaftet, macht sie nur umso beängstigender.

Rundherum eine perfekte Mischung aus Realität, Fiktion, Nervenkitzel und Erzählkunst, eine großartige Fortsetzung, die die Spannung auf das Finale ins Unermessliche steigert.

Zitate:

Ein Mann muss klug sein, natürlich. Und wenn er lange genug lebt, wird er vielleicht irgendwann weise. Aber Klugheit, das ist etwas anderes als das, was ihr Intelligenz nennt. Klugheit sitzt im ganzen Körper. Klugheit muss auch das eigene Herz kennen, muss mit der Kraft des eigenen Körpers vertraut sein. Intelligenz dagegen sitzt nur im Kopf. Sie ist wie ein Fieber. Eine Krankheit. (Seite 233)

Anstatt einfach nur ihre Sicht der Welt erzählen zu können, kam es immer so weit, dass sie sich verteidigen musste, sich und ihr Recht, nicht so zu sein wie alle anderen. Offenbar war dieses Recht irgendwann abgeschafft worden, ohne dass sie es mitgekriegt hatte. (Seite 317)

“Okay”, sagte er. “Ich tu’s.” Weiter sagte er nichts. Vor allem sagte er nicht so etwas wie auf deine Verantwortung, wie es wohl die meisten anderen getan hätten. Und dass er das nicht tat, weckte in Christopher eine plötzliche Zuversicht, die ihm selber unerklärlich war. Sie hatte etwas mit der Einsicht zu tun, dass man in Wirklichkeit niemals etwas auf die Verantwortung von jemand anderem tun konnte. Egal was man tat, man tat es immer auf eigene Verantwortung. (Seite 398)

Es kommt nicht auf den Kuss an, sondern darauf, was er ausdrückt. Wenn er die Verbindung zwischen zwei Menschen ausdrückt, dann ist es wirklich ein Kuss. Ansonsten sind es nur Lippen, die sich berühren. (Seite 447)

Andreas Eschbach

eschbach_andreas Andreas Eschbach wurde 1959 geboren und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Nach dem Abitur studierte er in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler, bevor er sich ausschließlich dem Schreiben widmete. Bekannt wurde er durch den Thriller „Das Jesus Video“, der monatelang auf den Bestsellerlisten stand und erfolgreich verfilmt wurde. Im Sommer 1994 erhielt Andreas Eschbach ein Stipendium der Arno-Schmidt-Stiftung „für schriftstellerisch hochbegabten Nachwuchs“. Im Frühjahr 1995 erschien der erste Erwachsenen-Roman, der auf Anhieb den Literaturpreis des Science Fiction Clubs Deutschland gewann. Alle weiteren Romane wurden ebenfalls mit mindestens einem Preis ausgezeichnet! Seit Mitte 1996 ist Andreas Eschbach als freier Schriftsteller tätig und lebt heute in der Bretagne.

http://www.andreaseschbach.de/ // http://www.eschbach-lesen.de

[Challenge] Gesammelte Schätze – November

Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich – Kjersti Annesdatter Skomsvold

Es ist ein Selbstbetrug zu glauben, dass man nicht einsam sein kann, nur weil man beschäftigt ist, aber das wichtigste ist, dass niemand anders glaubt, man wäre einsam. (Seite 74)

Es ist eine gute Sache, jemanden zu haben, der wach ist, während man schläft. (Seite 108)

(…) ich habe gelesen, dass man als Weltraumreisender bei seiner Rückkehr jünger ist, als man es wäre, wenn man auf der Erde geblieben wäre, denn Zeit ist relativ. Ein Tag mit Epsilon ist beispielsweise nicht dasselbe wie ein Tag ohne ihn. (Seite 109)

June kam als ganzer Mann von der Armee zurück. Er konnte sein Bett machen und einen Menschen erschießen, das sah ich ihm an. (Seite 121)