Delirium – Lauren Oliver

9783551582324 Vielen Dank an lovelybooks:)

Originaltitel: Delirium

Verlag: Carlsen

ISBN: 978-3-551-58232-4

Bekommen: 10.11.2011

Angefangen: 20.11.2011

Ausgelesen: 28.11.2011

Gelesene Seiten: 416

Bewertung: 5sterne

Klappentext:

Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals.
Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll.

Rezension:

Eine zukünftige Welt in der die Liebe eine Krankheit ist. Eine Welt, in der sie operativ entfernt wird. Nach dem Eingriff soll alles besser sein, alle Probleme gelöst. Auch die 17jährige Lena glaubt an die Heilung. Bis sie den ungewöhnlichen Alex kennenlernt. Plötzlich kann sie sich nicht mehr vorstellen ohne dieses Gefühl zu leben, das sie bei jedem Gedanken an ihn durchströmt. Aber Alex ist ein Geheilter. Oder?

Was im Klappentext wie eine der typischen Dystopien klingt, die momentan zu Hauf den Buchmarkt überschwemmen, wird bei näherem Hinlesen zu einer außergewöhnlichen Geschichte. Die ganze Story basiert auf der einen Frage: “Was wäre, wenn es die Liebe nicht mehr gäbe?”, und das bringt unweigerlich viele weitere Fragen mit sich. Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, der Mitgefühlt fremd ist? Wie können Menschen ohne Liebe miteinander existieren? Wie ziehen Eltern ihre Kinder ohne Liebe groß? Wie wachsen Kinder ohne Liebe auf? Wie finden sich Paare, wie gründen sich Familien?

Und so entwirft Lauren Oliver ein Szenario, dass ohne mit viel Action aufzuwarten, eine ungeahnte Dramatik entwickelt. Gerade die Gleichgültigkeit der Gesellschaft lässt einem so manchen Schauer über den Rücken laufen und die im Verborgenen schwelende Verzweiflung ist stellenweise fast greifbar.

Die Autorin geht mit so viel Gefühl für Charaktere und Situationen vor, dass der vollkommen stimmige Plot den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Die Liebesgeschichte ist essentiell und schön, ohne aber zu irgendeinem Zeitpunkt zu kitschig zu werden und bleibt erfrischend realistisch, so dass sie diesen ersten Teil der Trilogie perfekt abrundet.

Ich war und bin begeistert und kann “Delirium” nur jedem, der Dystopien mag wärmstens ans Herz legen.

Zitate:

Alles scheint weggezoomt zu werden und sich plötzlich von mir zurückzuziehen. Die Stimmen vermischen sich und lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden – wie das gleichmäßige Rauschen des Meeres, das den Rhythmus von Portland untermalt, so gleichmäßig, dass man es kaum bemerkt. Alles sieht schlicht und klar aus und reglos, als wäre es genau skizziert und dann mit Tinte nachgezeichnet worden – das starre Lächeln der Eltern, die blendenden Blitzlichter der Kameras, offene Münder und leuchtend weiße Zähne, dunkles glänzendes Haar, tiefblauer Himmel und unerbittliches Licht, alle ertrinken in Licht. Alles ist so deutlich zu sehen und so perfekt, dass ich mir sicher bin, es ist bereits eine Erinnerung oder ein Traum. (Seite 95)

Ich verstand, dass die glücklichsten Momente meiner Kindheit eine Lüge waren. Sie waren falsch, gefährlich und illegal. Sie waren sonderbar. Meine Mutter war sonderbar, ein Freak, und wahrscheinlich habe ich diese Sonderbarkeit von ihr geerbt. (Seite 112)

Ich habe so viel daran gedacht, was die Grenzen aussperren, dass ich nie darauf gekommen bin, dass sie uns gleichzeitig einsperren. (Seite 218)

Sie haben gesagt, die Razzien dienten unserem eigenen Schutz. Sie haben gesagt, den Aufsehern ginge es nur um den Frieden. Sie haben gesagt, Liebe sei eine Krankheit. Sie haben gesagt, wir würden daran sterben. Zum ersten Mal war mir klar, dass auch das eine Lüge sein könnte. (Seite 265)

Was mir am Meisten auffällt, sind die Bücher: Unregelmäßige Umrisse, die im Halbdunkel wie Möbel aussehen, werden jetzt zu hohen Bücherstapeln – mehr Bücher, als ich je irgendwo gesehen habe, außer in der Bücherei. Drei Bücherregale stehen an der Wand. Sogar der Kühlschrank, dessen Tür fehlt, ist mit Büchern gefüllt. (Seite 277)

Liebe: ein einzelnes Wort, ein schmächtiges Ding, ein Wort, nicht breiter oder länger als eine Schneide. Das ist es auch: eine Schneide, eine Klinge. Es fährt durch das Zentrum deines Lebens und schneides alles mittendurch. Vorher und nachher. Der Rest fällt auf beiden Seiten hinunter. Vorher und nachherund währenddessen, ein Moment, nicht breiter oder länger als eine Schneide. (Seite 284)

Ich habe gesagt, ohne Liebe könne es auch keinen Hass geben und ohne Hass keine Gewalt. Hass ist nicht das Gefährlichste, sagte er. Sondern Gleichgültigkeit. (Seite 339)

Man muss weitermachen: Das ist die einzige Möglichkeit. Man muss weitermachen, egal was passiert. Das ist das Gesetz der Welt. (Seite 361)

Leseprobe  //  Hörprobe

 

Lauren Oliver

person_566819 Schon als Kind hat Lauren Oliver leidenschaftlich gern Bücher gelesen und dann Fortsetzungen dazu geschrieben. Irgendwann wurden daraus ihre eigenen Geschichten. Sie hat Philosophie und Literatur studiert und kurz bei einem Verlag in New York gearbeitet. Dort bestand ihr Beitrag hauptsächlich darin, die Kleiderordnung zu missachten und immer wieder den Drucker kaputt zu machen. Lauren Oliver lebt in Brooklyn. Nach „Wenn du stirbst …“ erscheint nun ihr zweiter Roman bei Carlsen.

http://www.laurenoliverbooks.com/

https://www.facebook.com/laurenoliverbooks

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