[Challenge] Gesammelte Schätze – Dezember

Delirium – Lauren Oliver

Alles scheint weggezoomt zu werden und sich plötzlich von mir zurückzuziehen. Die Stimmen vermischen sich und lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden – wie das gleichmäßige Rauschen des Meeres, das den Rhythmus von Portland untermalt, so gleichmäßig, dass man es kaum bemerkt. Alles sieht schlicht und klar aus und reglos, als wäre es genau skizziert und dann mit Tinte nachgezeichnet worden – das starre Lächeln der Eltern, die blendenden Blitzlichter der Kameras, offene Münder und leuchtend weiße Zähne, dunkles glänzendes Haar, tiefblauer Himmel und unerbittliches Licht, alle ertrinken in Licht. Alles ist so deutlich zu sehen und so perfekt, dass ich mir sicher bin, es ist bereits eine Erinnerung oder ein Traum. (Seite 95)

Ich verstand, dass die glücklichsten Momente meiner Kindheit eine Lüge waren. Sie waren falsch, gefährlich und illegal. Sie waren sonderbar. Meine Mutter war sonderbar, ein Freak, und wahrscheinlich habe ich diese Sonderbarkeit von ihr geerbt. (Seite 112)

Ich habe so viel daran gedacht, was die Grenzen aussperren, dass ich nie darauf gekommen bin, dass sie uns gleichzeitig einsperren. (Seite 218)

Sie haben gesagt, die Razzien dienten unserem eigenen Schutz. Sie haben gesagt, den Aufsehern ginge es nur um den Frieden. Sie haben gesagt, Liebe sei eine Krankheit. Sie haben gesagt, wir würden daran sterben. Zum ersten Mal war mir klar, dass auch das eine Lüge sein könnte. (Seite 265)

Was mir am Meisten auffällt, sind die Bücher: Unregelmäßige Umrisse, die im Halbdunkel wie Möbel aussehen, werden jetzt zu hohen Bücherstapeln – mehr Bücher, als ich je irgendwo gesehen habe, außer in der Bücherei. Drei Bücherregale stehen an der Wand. Sogar der Kühlschrank, dessen Tür fehlt, ist mit Büchern gefüllt. (Seite 277)

Liebe: ein einzelnes Wort, ein schmächtiges Ding, ein Wort, nicht breiter oder länger als eine Schneide. Das ist es auch: eine Schneide, eine Klinge. Es fährt durch das Zentrum deines Lebens und schneidet alles mittendurch. Vorher und nachher. Der Rest fällt auf beiden Seiten hinunter. Vorher und nachherund währenddessen, ein Moment, nicht breiter oder länger als eine Schneide. (Seite 284)

Ich habe gesagt, ohne Liebe könne es auch keinen Hass geben und ohne Hass keine Gewalt. Hass ist nicht das Gefährlichste, sagte er. Sondern Gleichgültigkeit. (Seite 339)

Man muss weitermachen: Das ist die einzige Möglichkeit. Man muss weitermachen, egal was passiert. Das ist das Gesetz der Welt. (Seite 361)

 

Hide*Out – Andreas Eschbach

Ein Mann muss klug sein, natürlich. Und wenn er lange genug lebt, wird er vielleicht irgendwann weise. Aber Klugheit, das ist etwas anderes als das, was ihr Intelligenz nennt. Klugheit sitzt im ganzen Körper. Klugheit muss auch das eigene Herz kennen, muss mit der Kraft des eigenen Körpers vertraut sein. Intelligenz dagegen sitzt nur im Kopf. Sie ist wie ein Fieber. Eine Krankheit. (Seite 233)

Anstatt einfach nur ihre Sicht der Welt erzählen zu können, kam es immer so weit, dass sie sich verteidigen musste, sich und ihr Recht, nicht so zu sein wie alle anderen. Offenbar war dieses Recht irgendwann abgeschafft worden, ohne dass sie es mitgekriegt hatte. (Seite 317)

“Okay”, sagte er. “Ich tu’s.” Weiter sagte er nichts. Vor allem sagte er nicht so etwas wie auf deine Verantwortung, wie es wohl die meisten anderen getan hätten. Und dass er das nicht tat, weckte in Christopher eine plötzliche Zuversicht, die ihm selber unerklärlich war. Sie hatte etwas mit der Einsicht zu tun, dass man in Wirklichkeit niemals etwas auf die Verantwortung von jemand anderem tun konnte. Egal was man tat, man tat es immer auf eigene Verantwortung. (Seite 398)

Es kommt nicht auf den Kuss an, sondern darauf, was er ausdrückt. Wenn er die Verbindung zwischen zwei Menschen ausdrückt, dann ist es wirklich ein Kuss. Ansonsten sind es nur Lippen, die sich berühren. (Seite 447)

 

Peace Food – Dr. Rüdiger Dahlke

Mir scheint, nach ungezählten Fleischskandalen, nach Giftorgien im Futter und im Verbraucher, nach aus der Tierzucht stammenden Vogel- und Schweinegrippeviren ist die Zeit reif für ein Umdenken und einen Neuanfang. Letzerer aber kann nur vom Einzelnen ausgehen, von ihm aber kann er sich ausbreiten wie ein Lauffeuer, von Mund zu Mund und Herz zu Herz. (Seite 11)

Es ist für die Seele wichtig, nur das zu sich zu nehmen, was wir von Anfang bis Ende problemlos und ohne Widerwillen selbst verarbeiten können. Da fallen dann für die meisten schon alle Geschöpfe weg, die ein Gesicht haben und eine Mutter, die sie geboren hat und ihr Gesicht erkennt. Für Körper und Seele einfacher wird es auch, wenn man sich auf Pflanzen beschränkt, die gewachsen sind, Wurzeln geschlagen und Blüten gebildet haben – etwas, das für Mars, Bounty und die meisten Süßigkeiten nicht gilt. Sie werden auch weder dazu beitragen, uns zu verwurzeln, noch unser wahres Wesen zur Blüten bringen. (Seite 91)

Der im Osten durchaus geläufige Gedanke, all jene Wesen, die unter uns gelitten hätten, erwarteten uns auf der anderen Seite zusammen mit denen, die wir gefördert und geliebt haben, mag erschrecken und trösten zugleich. So ernten wir spät, was wir beim Einkaufen entscheiden. (Seite 141)

[Nach einem Abschnitt über die Rinderschlachtung:] Das Ganze liest sich schon zum Wände hochgehen. Stellen Sie sich vielleicht besser nicht vor, so etwas mit ansehen zu müssen. Sie müssen nicht und Sie müssen das auch nicht weiter beim einkaufen und essen unterstützen. (Seite 150)

Insgesamt kann ich mich hier nur den Worten des Schweizer Arztes Dr. Ernst Walter Henrich anschließen: “(…) ich möchte und kann nicht wegschauen (…). Ich verabscheue das verbrecherische Treiben, das dazu führt, dass täglich etwa 40.000 Kinder an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, weil man mit der pflanzlichen Nahrung lieber die gequälten Tiere füttert, um Fleisch, Milch und Eier zu gewinnen. Mit diesen tierischen Produkten (fr)essen sich die Wohlstandsbürger ihre Wohlstandskrankheiten an, die dann als Gipfel der moralischen Verwahrlosung in der Gesundheitsindustrie zu fast immer nutzlosen Tierversuchen führen.” (Seite 154)

Wir leben in einer absurden Zeit, in der es als normal gilt, Tiere wie Dinge zu behandeln, in der entsetzlichste und unmenschlichste Tierquälerei hingenommen wird, allenfalls als nicht zu ahndendes Kavaliersdelikt. Wo Konzerne, die Millionen Wesen industriell quälen lassen, von Politiker und Gesetzen geschützt und mit großzügigen Subventionen aus Steuergeldern bedacht werden. Wohingegen Tierschützer, Vegetarier und Veganer als unnormal gelten, als Verrückte und jedenfalls nicht ernstzunehmende Außenseiter oder Sektierer. Bestenfalls werden sie belächelt. Aber unsere Haltung und unser Engagement erlauben es uns, hinsichtlich dieses Themas in den Spiegel zu schauen. Und die Zeiten werden sich ändern. Als Atomkraftgegner der ersten Stunde erinnere ich mich daran, wie wenige und wie isoliert wir vor 30 Jahren waren – inzwischen sind wir die Mehrheit und staunen, wer sich so alles zu uns gesellt. (Seite 179)

 

Dark Love – Lia Habel

Ich fragte mich, ob man wohl erst eine Lizenz zum Verrücktwerden beantragen musste, ob es da vielleicht ein Seminar gab oder ob man eines Tages einfach loslegen konnte. (Seit 98)

Der Mann leckte sich über die spröden Lippen. “Dann bin ich…also wirklich tot. Wie…die anderen.” Ich nickte. Dieser Moment war entscheidend. Die Welt um uns schien still zu stehen, das Salz vor der offenen Tür glühte gleißend rot im Licht des Sonnenuntergangs. Henry senkte den Blick und suchte nach seiner Seele. (Seite 128)

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4 Kommentare zu “[Challenge] Gesammelte Schätze – Dezember

  1. Huhu Anne, Heike und Nina!
    Die Verschollene meldet sich zurück! Mich plagt das schlechte Gewissen, dass ich euch alle so lange warten lassen habe. Aber es ging nicht anders! Zudem muss ich alle meine Listen aus dem Leuchtturm kopieren, weil ich einen neuen Rechner habe und zuvor nicht fähig war, alle Excel Tabellen abzuspeichern. Schande! Ich hoffe, ihr seid mir nicht böse! Die Beiträge von 12/2011 und der Beitrag der Verlosung sind in Arbeit und werden in Kürze folgen. Ich möchte euch für euer Durchhaltevermögen, die lieben Zeilen und natürlich für die vielen schönen tollen Schätze bedanken. Es war eine abenteuerliche Lesereise im Jahr 2011 und für 2012 wünsche ich euch alles erdenlich Gute!

    PS: Mir gefallen die Zitate aus Delirium sehr!

    LG, Tanja

    • Liebe Tanja,

      wie würde unsere Jüngste sagen: Chill mal!
      Soll heißen: Alles ist gut, mach Dir keinen Stress. Es läuft nichts weg und manchmal gibt es eben einfach wichtigeres als das www ;)
      Es hat uns viel Spaß gemacht und wir werden die Zitatechallenge auch dieses Jahr fortführen.

      Lass es Dir gut gehen und wir freuen uns immer von Dir zu hören :)

      Liebe Grüße,
      Heike

  2. Pingback: [Challenge] – Gesammelte Schätze 12-2011 | zu den Sternen

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