[Challenge] Gesammelte Schätze – Januar 2012

Die Muschelöffnerin – Sarah Waters

“Wenn ich sie sehe”, sage ich, “ist es wie – ich weiß nicht wie. Es ist so, als hätte ich vorher überhaupt noch nie etwas gesehen. Es ist, als ob ich mich fülle wie ein Glas, das man mit Wein füllt. […] Sie macht, dass ich zugleich lächeln und weinen möchte. Sie tut mir weh – hier.” Ich lege eine Hand auf meine Rippen. “Ich habe noch nie ein Mädchen wie sie gesehen. Ich wusste gar nicht, dass es Mädchen wie sie gibt…” (Seite 27)

Ich erhaschte einen Blick auf Leitern und Gasschläuche und Jungen in Schürzen und Kappen, die Körbe herumschoben und Scheinwerfer in Position brachten. Damals hatte ich das Gefühl – und es ist in den darauffolgenden Jahren immer wiedergekehrt, wenn ich hinter eine Bühne ging –, dass ich in das Räderwerk einer riesigen Uhr eintrat, durch das elegante Uhrgehäuse hinein in die staubige, geschmierte rastlose Maschinerie, die dahinter lag, dem gewöhnlichen Auge verborgen. (Seite 37)

Es war Kitty, die ich als Erste und am leidenschaftlichsten geküsst hatte; und es war, als hätte ich seitdem immer und immer die Form, die Farbe, den Geschmack ihrer Küsse auf meinen Lippen gehabt. (Seite 513)

Wie die meisten Schwüre von Liebenden war wahrscheinlich auch dieser ziemlich kurios, aber immerhin waren wir ja auch zwei Mädchen mit kuriosen Vorgeschichten – Mädchen mit Vergangenheiten wie Kisten mit schlecht schließenden Deckeln. Wir mussten sie mitschleppen, diese Kisten, aber sehr vorsichtig. (Seite 514)

Ich konnte sie nicht ansehen, ohne sie berühren zu wollen. Ich konnte den Glanz auf ihren Lippen nicht sehen, ohne den Wunsch zu verspüren, zu ihr zu gehen und meinen Mund darauf zu drücken. Ich konnte ihre Hand nicht sehen, wenn sie müßig auf dem Tisch lag oder einen Federhalter hielt oder eine Tasse trug oder sonst irgendwas ganz Alltägliches tat, ohne mich danach zu sehnen, sie in meine Hand zu nehmen und die Fingerknöchel zu küssen oder meine Zunge auf die Handfläche zu drücken oder sie in meinen Schritt zu pressen. Ich konnte in einem Raum voller Menschen neben ihr stehen und spüren, wie mir die Härchen auf den Armen zu Berge standen und ich sah, dass auch sie eine Gänsehaut bekam und ihre Wangen heiß wurden, und ich wusste, dass sie genau so sehnlich nach mir verlangte wie ich nach ihr. (Seite 518)

Es war einfach so, dass wir so lange ohne Küsse gelebt hatten, dass wir, als wir einmal mit dem Küssen anfingen, nicht mehr damit aufhören konnten. Wir staunten selbst über unsere Dreistigkeit. (Seite 518)

 

Evermore/Für immer und ewig – Alyson Noël

Die Wahrheit unseres Daseins wird so deutlich dargelegt, dass mir unbegreiflich ist, warum ich sie nicht schon längst erkannt habe. Sämtliche Lebewesen, Pflanzen, Tiere und Menschen, die den Planeten bevölkern, hängen zusammen. Wir sind alle eins. Und auch wenn wir einmal existieren und dann wieder nicht – unsere Seelen unsere Energie, unser Wesen vergehen niemals. Wir sind unendliche Wesen – jeder einzelne von uns. Die Erkenntnis kommt mir wie ein Blitz, der über mir aufleuchtet, und ich weiß instinktiv, dass es das ist. Das ist es, was ich lernen muss. Das ist es, was ich niemals vergessen darf, ganz egal, was von nun an auch mit mir passiert. (Seite 176)

Wenn wir uns gegenseitig verletzen, verletzen wir uns auch selbst. (Seite 179)

“Das ist die Bürde des Menschen. Auch wenn die Schuld zum Teil beim Fluss liegt”, sagt sie und zeigt rasch auf das fließende Wasser vor uns, “beruht es doch zum größten Teil auf der Neigung des Menschen, in den Lärm einzutauchen, der überall im ihn herum tost, statt auf die herrliche Stille tief in seinem Inneren zu lauschen.” Ich blicke auf den Fluss hinaus und drehe und wende die Worte in Gedanken hin und her, bis ich begreife, dass sie alles widerspiegeln, was ich soeben gelernt habe. Wir verbringen unser Leben damit, uns in die falschen Dinge zu verbeißen – lassen uns von unserem Verstand und unserem Ego in die Irre führen und betrachten uns als getrennt von anderen, anstatt auf die Wahrheit zu hören, die in unseren eigenen Herzen liegt, die Wahrheit, dass wir alle verbunden sind, dass wir alle in einem Boot sitzen. (Seite 180)

“Du kennst doch das Sprichwort: ‘Wenn der Schüler bereit ist, kommt der Lehrer’?” […] “Genauso ist es mit Wissen. Die Wahrheit kommt ans Licht, wenn du bereit bist, sie zu empfangen, wenn du sie brauchst, um voranzuschreiten, den nächsten Schritt auf deiner Reise zu tun und deiner Bestimmung entgegenzugehen. […]” (Seite 181)

Ich kenne die gewaltige Macht der Angst, nachdem ich schon einmal von ihr beherrscht worden bin. Es ist das Gegenteil von Glauben. Das Gegenteil davon, an ein höheres Selbst zu glauben. Angst lässt einen zittern und schwitzen und macht einen so unsicher, dass man selbst das infrage stellt, von dem man weiß, dass es wahr ist. Angst veranlasst einen dazu, sich von dem abzuwenden, was am wichtigsten ist. Angst führt zu überstürzten Entscheidungen, falschen Schritten und später zur erbarmungslosen Last der Reue. (Seite 191)

Vergebung ist heilsam – alles ist Energie – Gedanken erschaffen – wir sind alle verbunden – was du bekämpfst, bleibt bestehen – wahre Liebe stirbt nie . die Unsterblichkeit der Seele ist die einzig wahre Unsterblichkeit. (Seite 267)

Auf einmal weiß ich, was es bedeutet, wenn es heißt, dass im Universum Überfülle herrscht und es alles für uns bereithält, was wir brauchen, und die einzigen Mankos die seien, die in unserem Kopf herrschen. (Seite 278)

Und falls es stimmt, dass alles Energie ist, falls es stimmt, dass wir alle verbunden sind, dann gibt es wirklich nichts, was uns von der Natur trennt – wir sind alle ein Teil des Ganzen. (Seite 347)

Du weißt, wie das Universum funktioniert. Du weißt, dass alles Energie ist, dass Gedanken Dinge erschaffen und dass wir hier auf der Erdebene unsere eigene Magie wirken können, indem wir unsere Absichten positiv und klar halten. Also geht es jetzt nur darum, all unser Wissen in die Praxis umzusetzen. Es geht nur darum, an all das zu glauben, was du mir beigebracht hast. Es geht darum, dem Universum genug zu vertrauen und dir selbst genug zu vertrauen und zu glauben. (Seite 361)

 

Saeculum – Ursula Poznanski

Aber wenn man zwischen Leben und Tod wählen kann, sollte man sich im Zweifelsfall für das Leben entscheiden. Finde ich. Ende der Ansprache, guten Appetit.(Seite 491)

 

Wachstumsschmerz – Sarah Kuttner

Vielleicht hinterfragt man Möbel nur dann, wenn sie kaputt oder unerträglich hässlich sind. Solange sie aber funktionieren, werden sie als unumstößlicher Teil einer Wohnung akzeptiert. Sie sind einfach da, sind leise und nerven nicht. Herrje, jetzt tu es mir um die olle Schabracke fast selbst ein bisschen leid. Man kann ja eigentlich nie genug Dinge haben, die leise sind und nicht nerven. (Seite 74)

Jedes Mal, wenn ich Dinge berühre, die dir gehören, hoffe ich, mit den Fingern eine Stelle zu treffen, die du auch berührt hast. Als könnten deine Fingerabdrücke eine Art Wurmloch sein, das mich, wenn ich es nur an der richten Stelle treffe, direkt zu dir katapultiert. (Seite 76)

Und auf der anderen Seite bin ich so schlecht im Loslassen. Ich kann auf Vergangenes nie zufrieden oder gar glücklich zurücksehen, ich empfinde immer Schmerzen dabei. Immer das qualvolle Gefühl von Verlust. Das Bewusstsein, dass manche Dinge, so wertlos oder unaufgeregt sie teilweise auch gewesen sein mögen, abgeschlossen und unwiderruflich vergangen sind, drückt mir das Herz zusammen. (Seite 99 / 100)

Unglaublich eigentlich, dass sich jedes Treffen mit meinem Vater anfühlt wie ein unfreiwilliges Blind Date. Jedes Mal vermittelt er mir den Eindruck, dass er in Gedanken woanders ist und es auch körperlich gerne wäre. (Seite 147)

Ich hasse dieses Ziehen. Meine Haut brennt, und in mir fühlt es sich an, als wenn winzige, nicht besonders starke Zwerge kleine Seile an meine Eingeweide gebunden hätten und sie in alle vier Himmelsrichtungen ziehen, um mich nach klassischer Foltermethode zu vierteilen.

Der Sommervergeht und hinterlässt mir nur Mist. Als wenn er die guten Sachen heimlich in sein Handgepäck geschummelt hätte und damit auf dem Weg Richtung Süden wäre. Ich werde irgendwie weniger. Weniger nett, weniger geduldig, weniger glücklich, weniger alles. (Seite 158)

Da mir manchmal meine eigene Nervigkeit schon beim Ausüben auf die Nüsse geht, stolpere ich in solchen Momenten oft in einen ungesunden Teufelskreis, der zur Folge hat, dass ich wie aufgezogen nicht aufhören kann, nervig zu sein, und zusätzlich vollkommen willkürlich pissig werde. In alle Richtungen. (Seite 166)

Ich kann nicht atmen! Als wärest du meine Lunge und jemand hätte meinen Organspenderausweis gefunden und sie mir einfach entnommen, ohne nachzusehen ob ich überhaupt noch lebe, und ich lebe doch aber noch und ich brauche meine Lunge, und jetzt ist sie weg und bist du weg, und ich kann nicht mehr atmen. Dauernd liege ich irgendwo rum und krümme mich wie ein angefahrenes Tier und brauch so dringend Luft, aber alles, was reingelangt, sind Schmerzen, und wenn ich sie, wenn sie schon so tun, als wären sie Luft, auch wieder ausatmen will, bleiben sie einfach drin und werden immer mehr. (Seite 173)

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Ein Kommentar zu “[Challenge] Gesammelte Schätze – Januar 2012

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